Trallala und Akkordsassa

von Jasmin Wieland (17. Juli 2019)

 

Was wäre die Welt ohne Musik? Nichts, das ist doch klar! Wie eine Wiese ohne Blumen…todlangweilig. Aber jetzt mal ehrlich: Ein bisschen kompliziert ist das ja schon, oder? Mit den ganzen Tönen, Harmonien und Akkorden. Ach Quatsch! Eigentlich gar nicht. Man muss nur wissen wie und es einmal richtig gelernt haben. Das dachten sich wohl auch Grundschullehrerin und Autorin Julia Konrad und Illustratorin Meike Teichmann, die die Bilderbuchreihe Tontellinchen. Im kunterbunten Land der Töne gestalteten und damit Kinder von 7 bis 10 Jahren spielerisch in die Welt der Musik einführen und ihnen Freude darauf machen wollen.

Im ersten Teil der Reihe, Der verlorene Triangelstab, wird zunächst einmal das Konzept vorgestellt: Wir befinden uns im Land der Töne, genannt Harmonien. In diesem Land gibt es das Dorf Klaviatura, in dem die Hauptcharaktere der Kinderbuchreihe, die Tontellinchen, leben. Diese stellen die Töne der C-Dur-Tonleiter dar und heißen dementsprechend Ceno, Deno, Eno, eFno, Geno und Hano. Jedes der Tontellinchen trägt dabei, im Regenbogenspektrum, eine andere Farbe.

In Der verlorene Triangelstab werden die Tontellinchen tonleitergetreu nacheinander vorgestellt, indem Ceno auf der Suche nach dem verlorenen Triangelstab durch die einzelnen Gärten der Tontellinchen in Klaviatura reist und so all die anderen Töne trifft. Am Ende des ersten Bandes finden sich die Tontellinchen dann beim Zauberbaum Noteo ein. Noteo hat fünf gerade gewachsene Äste, die die Notenlinien symbolisieren und auf dessen Äste sich die Tontellinchen hinsetzen oder hinhängen. So werden die einzelnen Töne in die richtige Reihenfolge gebracht, und zudem wird verbildlicht, auf welchen Notenlinien sie zuhause sind. Außerdem steht Noteo den Tontellinchen sowohl in Band 1 als auch in Band 2 mit Rat und Tat zur Seite.   

In Band 2, Die Ankunft der Akkordballons, werden dann mittels der Akkordballons die Akkorde der C-Dur-Tonleiter, also die Dreiklänge in Dur oder Moll, eingeführt. Hierbei erweist sich die farbliche Darstellung und Unterscheidung der Tontellinchen als geschickte Entscheidung Konrads und Teichmanns, denn so kann die harmonische Zusammenstellung der Akkorde ganz bildlich, anschaulich und logisch dargestellt werden. Bei der Rahmenhandlung begeben sich die Tontellinchen, genauer gesagt Hano, dieses Mal nicht auf die Suche, sondern sie finden bereits am Anfang etwas, nämlich eine kaputte Meerestrommel. Das Ziel: Die kaputte Meerestrommel wieder zurück ans Meer zu bringen, um ihr ihre Klänge zurückzugeben. Da keines der Tontellinchen fliegen kann, hat Noteo die zündende Idee: Reist doch mit den Akkordballons. Und schon geht das Abenteuer los!

Die Hintergrundgeschichten sowohl von Band 1 als auch von Band 2 sind vielleicht nicht die ganz großen Hämmer, aber definitiv nette Erzählungen, wobei man absolut merkt, dass das Konzept bis ins Detail durchdacht ist. In Band 1 etwa reisen die Tontellinchen nicht nur durch die Gärten, sondern -um sich die Namen der Töne noch besser einzuprägen- die Aktivitäten in den Gärten sind auf den Anfangsbuchstaben der Töne abgestimmt. So haben sie bei Eno beispielsweise Erdbeeren gepflückt und bei Hano durchsuchen sie den Heuhaufen. Die Frage ist, ob das auffällt. Es kann helfen, kann aber auch ein bisschen überfordern. Ebenso wie in Band 1, bei dem dann plötzlich das Mädchen Lilia auftaucht und die vermeintliche Phantasiewelt menschlich wird. Das ist vielleicht ein Ticken zu viel an dieser Stelle. Des Weiteren ist auch fraglich, ob die Tontellinchen als Charaktere der Altersgruppe entsprechend gewählt sind. Für Kinder von sieben Jahren vielleicht gerade noch so, bis zehn wohl eher nicht, da die Reihe mehr dem klassischen Bilderbuch entspricht als dem Kinderbuch.

Der Stil der Illustrationen der Tontellinchen erinnert stark an Animationsfilme beziehungsweise -serien. Denken wir an Musik und Musiklehre, haben wir als erstes vielleicht eher die klassische Musik im Kopf oder, da wir uns im Bilderbuchbereich befinden, Kinderlieder, also eine liebevolle und schöne Dur-Musik mit einfach gehaltenen und harmonischen Melodien. Die Wahl des Illustrationsstils, der aufgrund des Animationscharakters eher in den technischen Synthesizer-Bereich geht, auch weil die Farbpalette einen (so meint man) blauen Farbfilter besitzt, wirkt hier etwas kalt und lässt Gedanken an Biene Maja aufkommen sowie den bedauernswerten Wandel von Zeichentrick hin zu Animation. Aber auch hier gilt: Geschmackssache. Zum Animationsstil passt die Wahl der Schriftart, die eine ebenso wenig verspielte, sondern einfache und gleichmäßige Groteskschrift ist.

Auch wenn die illustrative Gestaltung vielleicht nicht ideal getroffen ist, die konzeptionelle Leistung und Kreativität begeistern dennoch. Vor allem wenn man einmal die Fülle an Begleitmaterial betrachtet – von Tontellinchen-Talern und Stickern bis hin zu Akkordballonkarten und allen voran die Musik-CDs mit eigens komponierter Musik. Spätestens hier wird klar, wie viel Herzblut in der Bilderbuchreihe steckt. Hierfür gehen die Daumen beziehungsweise Tasten definitiv hoch! Und natürlich besonders für den Gedanken und Wunsch, die Musiktheorie sowie das Thema "Musik" an sich besser zu vermitteln. Denn was wäre die Welt ohne Musik?

 

Julia Konrad
Illustriert von Meike Teichmann
Tontellinchen im kunterbunten Land der Töne. Die Ankunft der Akkordballons
Notekon Musikverlag 2019
36 Seiten
19,90 Euro