Alles in Butter

von Theresa Ehrl (08. Februar 2019)


© WildWuchs Theater


Das WildWuchsTheater hat seinem Ruf wieder einmal alle Ehre gemacht und mit „Der Geizige“ von Molière mühelos kreativ einen Klassiker auseinandergenommen und mit andern Puzzleteilen wieder zusammengesetzt.

Der Name ist Programm an diesem Abend, denn Krösus ist der, der ihn veranstaltet sicher nicht. Zumindest beteuert der Intendant als Stimme aus dem Off mehrmals die Mittellosigkeit des armen Theaters und schlägt höflichst vor, Mäzenen und Presse in den Arsch zu kriechen. An dieser Stelle herzlichen Dank für den Discounter-Sekt und dem halb-getoasteten Toast mit Lachsersatz in der Pause.

Spiel des Lebens

von Florian Grobbel (30. Januar 2019)

© Martin Kaufhold

Was es mit dem ersten Teil des Titels Kreise/Visionen von Joël Pommerats Drama zu schaffen hat, wird einem sofort klar, wenn man den Großen Saal des ETA Hoffmann Theaters betritt. So bildet das Bühnenbild eine kreisrunde, sich drehende Scheibe. Darauf und rundherum präsentieren uns die Schauspielerinnen und Schauspieler eine Zeitreise durch die letzten 700 Jahre, bei der es sich stets um den zweiten Teil des Titels dreht, denn Visionen hatten die Menschen schon immer.

Das Publikum wird gleich zu Beginn in den Bann der Inszenierung gezogen. Der Conférencier im roten Anzug – dargestellt vom kompletten Ensemble – richtet sich direkt an die Zuschauer und lädt sie ein, an einem einzigartigen Spiel teilzunehmen. Man ist gespannt, doch auch ein wenig nervös. Wie sind die Regeln? Was kann ich gewinnen? Und vor allem: Wie hoch ist der Einsatz? Diese Fragen werden jedoch fürs erste unbeantwortet gelassen und ohne weitere Umschweife werden dem Zuschauer einzelne szenische Darstellungen präsentiert. Insgesamt sieben Geschichten, welche zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten der Historie spielen, werden in zunächst rascher Abfolge erzählt. 

„Leb wohl, öffentlicher Diskurs!“

von Margarethe Lohneis (23. Januar 2018)

© Martin Kaufhold

Im Wohnzimmer von Britta und Richard zu Besuch auf ein Gläschen Wein – so beginnt die Premiere der Bühnenfassung von Juli Zehs 2017 erschienenem Roman Leere Herzen. Die Uraufführung des Stückes, in dem die erschreckende Utopie als gar nicht so utopisch, aber dafür umso erschreckender dargestellt ist, fand am 18.01.2019 auf der Studiobühne des ETA Hoffmann Theaters Bamberg statt.

Britta, emanzipierte Vorzeige-Alleinverdiener-Mama und ihrem Mann Richard, der sein berufliches Glück in einem Software-Start-up-Unternehmen zu finden sucht, fehlt es an nichts. Sie haben eine Tochter, ein bereits abbezahltes High-Tech Eigenheim, in das sie Freunde zu selbst gemachtem Sushi und Wein einladen. Sie sind das Ideal einer modernen Kleinfamilie in der Großstadt mit egalitärer Rollenverteilung und Selbstverwirklichung. Getrübt wird der perfekte Mikrokosmos allerdings durch das politische System, an deren Spitze „die Arschlöscher von der BBB“ (= Besorgte Bürger Bewegung) stehen. Auch dies ist Thema bei dem Freundestreffen im Hause Britta Söldner. 

Zwischen Melancholie und Glück

Von Rebecca Hertlein (6. Dezember 2018)

© Konrad Fersterer

Die bewegte und dennoch zuweilen scheinbar unspektakuläre Vergangenheit und Gegenwart Nürnbergs wurde am 30.11.18, zur Premiere von „Die Musik war Schuld“ im Nürnberger Staatstheater wieder lebendig. Der Liederabend von Vera Mohrs und Selen Kara hat die Atmosphäre Nürnbergs, die durch ihre Lieder und Geschichten geprägt wird, im Mittelpunkt. 

Es beginnt mit Hermann Kesten, dem heimatlosen Weltbürger, der sich „in keiner Stadt der Welt so zu Hause [fühlt] wie in Nürnberg. Und in keiner Stadt der Welt so fremd.“ Ebenso erzählen die Figuren des „Ehekarussels“, dem Brunnen am Weißen Turm, sowie deren Bildhauer, Jürgen Weber, ihre Geschichten. Dann gibt es noch den Verkäufer des „Straßenkreuzers“, Waldemar Graser, der im U-Bahn-Schacht „Weißer Turm“ unter dem „Ehekarussel“ steht und nebenbei wunderschöne Haikus schreibt. Oder den ehemaligen Schüler des Melanchthon-Gymnasiums, Rio Reiser, der aufmüpfig und später doch so erfolgreich war. Oder Hans Sachs, dessen Gedicht „Das bittersüße eh´lich Leben“ als Inspiration für den bereits erwähnten Brunnen diente. Hans Sachs und seine Beziehung/ Ehe zu Emily scheinen der Aufhänger für alle anderen Lieder und Geschichten zu sein. Sie alle, die realen und fiktiven, die vergangenen und gegenwärtigen Figuren, singen über sich, über Nürnberg und das Leben selbst. Im krassen Kontrast zu den aufwändigen Kostümen der Schauspieler steht das minimalistische Bühnenbild. Ohne viel Ablenkung stehen so nur die Lieder und die Geschichte der einzelnen Akteure im Vordergrund. Besonders erwähnenswert ist, dass jeder mehrere Rollen spielt und die meisten noch verschiedene Instrumente beherrschen. Begleitet von Vera Mohrs, die am Keyboard meistens im Hintergrund steht und dennoch die Schauspieler mit ihrer Musik leitet, wechselt die Stimmung von melancholisch zu albern, von bedrückt zu glücklich. 

„Es muss was Wunderbares sein“

von Florian Grobbel (3. Dezember 2018)

© Martin Kaufhold

Der Ausflugsdampfer legt am Ufer an und bringt einmal mehr Ströme von Touristen nach St. Wolfgang – einem Ort der Ruhe, der schneebedeckten Gipfel und der legendären Pension „Weißes Rössl“, vor deren Tür nicht nur das Glück steht sondern auch ein Lied nach dem anderen geträllert wird. Das ETA Hoffmann Theater bringt einmal mehr zum Jahresende ein Stück auf die Bühne, welches gute Laune bereitet. Unter der Regie von Sibylle Broll-Pape wird dem Publikum das berühmte Singspiel „Im weißen Rössl“ von Ralph Benatzky, Hans Müller und Erik Charell geboten, den Meisten bekannt durch die Verfilmung von 1960 mit Peter Alexander.

In der weit über die Grenzen Österreichs bekannten Pension im Salzkammergut fühlen sich die Gäste wohl. Bei der Wirtin Josepha Vogelhuber und ihren Angestellten wie dem Zahlkellner Leopold wird für sie rund um die Uhr gesorgt. Auch wenn es mal das Paprikahuhn von gestern ist, die Besucher sind glücklich. Dem Glück von Leopold, steht allerdings etwas im Wege. Zugern nur möchte er seine Chefin Josepha zur Frau haben, doch diese weist ihn immer ab. Vielmehr hat sie es auf den Rechtsanwalt Siedler abgesehen, der seit Jahren Stammgast ist. Leopold versucht ihn auszuspielen. Vielleicht mit der Tochter des neu angereisten Trikotagenfabrikanten Gieseke aus Berlin? Jener wiederum hat andere Pläne mit seiner Tochter Ottilie. Gieseke will durch einen Zusammenschluss mit der Familie seines Konkurrenten Sülzheimer einen lange Rechtsstreit beilegen. Doch der junge und schöne Sigismund ist in Klärchen verliebt, die lispelnde Tochter eines Professors. Sogar der österreichische Kaiser mischt sich noch in das Geschehen ein. Man merkt bereits: Alles ziemlich turbulent und unübersichtlich, aber Gott sei Dank kann jeder noch so aussichtslose Konflikt und jeder Liebeskummer mit einem kitschig-anmutenden Liedchen gelöst werden und am Ende der Geschichte fliegen die Herzen und eine große Verlobung dreier Paare wird gefeiert.