Ernst sein ist alles

von Anna Brodmann (5. Dezember 2019)



© Martin Kaufhold


Was soll man ernst nehmen in einer Welt von Donald Trump, Kim Jong Un und dem Brexit?
Etwa die Klimakrise, den drohenden Aufstieg des Faschismus oder die zunehmende gesellschaftliche Spaltung?     
Natürlich nicht!       
Bunbury lehrt uns: Das wahre Glück finden wir nur, wenn Gurkensandwiches wichtiger sind als Heiratsanträge und Ernst sein wirklich alles ist.

Oscar Wildes Komödie Bunbury dreht sich um zwei junge Lebemänner der oberen Schicht Englands im 19. Jahrhundert, die sich mit "allerhand Schwulitäten" ihre Zeit in London vertreiben. Als Mr. Worthing der Cousine seines Freundes einen Antrag machen will, stellt sich schnell heraus, dass er ein doppeltes Spiel gespielt hat: Um einerseits sein zügelloses Leben in der Stadt genießen zu können und andererseits die moralischen Standards eines Vormundes auf dem Land zu erfüllen, hat er seinen exzentrischen jüngeren Bruder Ernst erfunden, um den er sich jedes Wochenende in London "kümmern" muss. Eine Enthüllung, die seinen Freund Algernon keineswegs schockiert: Algernon hat schließlich die Technik des Bunburysierens erfunden. Er nutzt den namensgebenden und angeblich schwer kranken Bunbury beispielsweise, um dem unangenehmen Essen mit seiner Tante zu entgehen.

Und jetzt sag, was du denkst!

von Simon Herold (4. Dezember 2019)



© Konrad Fersterer


Nach der kontroversen Literaturnobelpreis Verleihung an Peter Handke wird sich neben seinem Werk auch immer mehr mit dem Schriftsteller selbst beschäftigt. Die Inszenierung von Kaspar am Nürnberger Staatstheater geht dabei auf außergewöhnliche Weise auf beides ein und schafft es zugleich, einen gelungenen und unterhaltsamen Abend zu ermöglichen.

Was macht Sprache eigentlich mit uns? Das Sprechen sowie das Denken in Sprache ist für die meisten von uns mittlerweile selbstverständlich. Doch inwiefern manipuliert die Sprache uns, macht aus unseren Gedanken etwas ganz anderes, als sie an sich einst waren? Sprechen wir in unterschiedlichen Sprachen, verändert uns das. Das Erlernen des Wortes "Ich" ist ein wichtiger Moment in der Entwicklung eines Kindes. Sprache formt uns also, und dies führt unweigerlich zu der Frage, was bei einem Missbrauch passieren kann.

„Ich lebe, glaube ich, vor allem falsch“ – Sieben Nächte im ETA Hoffmann Theater

von Sebastian Meisel (25. November 2019)

© Martin Kaufhold

 

Der Autor höchst selbst war bei der Premiere anwesend. Das muss ein gutes Zeichen für eine Premiere sein. Eine Prophezeiung, die sich erfüllte. Auch wenn ein melancholischer Blick auf die Möglichkeiten zurückbleibt.

Simon Strauß, der Autor des Romans Sieben Nächte, und Bamberg scheinen eine besondere Beziehung zu haben. Vor eineinhalb Jahren, fast noch im Mittelpunkt der Aufregung um sein Debut, las er in der Universität aus diesem vor. Für all jene, die damals schon dabei waren, wird es wirklich ein unvergesslicher Abend bleiben. Ob dies auch für die erstmalige Aufführung von Sieben Nächte in Bamberg gelten wird, kann sicher nur die Zeit zeigen. Aber die Chancen stehen gut, dass die allermeisten Anwesenden diese Frage bejahen würden. Ersetzt diese Feststellung aber schon den Bedarf nach einem möglichst objektiven Urteil? Natürlich nicht, ansonsten würden sich Theaterstücke nur an ihrer Gefälligkeit messen lassen. Und gefällig war dieses Stück bei weitem nicht, aber dennoch soll aus diesen ersten und einzelnen Eindrücken eine Struktur entstehen.

Er hat alles vergessen, was einen Menschen ausmacht

von Paula Heidenfelder (23. November 2019)

© Martin Kaufhold


Die Premiere des Weihnachtsmärchen Die Schneekönigin von Autor Gunnar Kunz nach Hans Christian Andersen erfolgt am 16. November 2019 auf der passend prunkvollen Großen Bühne des ETA Hoffmann Theaters in Bamberg. Vor allem Kinder, Eltern und Großeltern, aber auch vereinzelt andere Altersgruppen, zieht die kurzweilige Inszenierung unter der Regie von Kathleen Draeger-Ostermeier am späten Nachmittag an. In unter einer Stunde werden die wichtigen Themen und Werte von Liebe, Freundschaft und Mitgefühl an das breite Publikum vermittelt.

Was tun, wenn man alles vergisst, was einem einmal wichtig war? Wenn man das Gefühl hat, etwas Wertvolles verloren zu haben und es nicht wiederfindet? Diesem Problem steht der Nachbarsjunge Kay gegenüber. Nachdem er von Splittern eines zerbrochenen Spiegels, welcher Schönes in Hässliches verwandelt, in Auge und Herz getroffen wird, sieht er nur noch das Schlechte in der Welt, empfindet keine Freude und wendet sich von seiner besten Freundin Gerda ab. Er gerät in die Fänge der eisigen Schneekönigin, weshalb er sich nicht an die Freundschaft zu Gerda erinnert. Trotz der Gemeinheiten und des Egoismus Kays durchquert diese die Jahreszeiten und lässt sich durch keine Avancen von ihrer Mission ablenken, ihren besten Freund zurückzuholen.

Die Hamletmaschine – Wildwuchs-Theater Bamberg

von Sebastian Meisel (21. November 2019)



© Denis Meyer


Angekündigt wurde die Aufführung mit den Worten: "Dementsprechend schwer fällt der unmittelbare Zugang zu dem Stück." Nun, hier wurde recht behalten. Aber ist das ein Problem? Kann es sein – muss es aber nicht. Über einen etwas anderen Theaterabend.

Manchmal versagt die Sprache. Nicht, weil es nichts zu berichten gäbe. Oder man sprichwörtlich sprachlos wäre – aus Schock, aus Ekel, aus Erstaunen. Sondern weil sich das, was beschrieben werden soll, den gewohnten Kategorien entzieht. Bespricht man ein Theaterstück, dann kann man sich, selbst wenn man keine eigenen Ideen hat, doch immer an ein paar Strukturen orientieren. Was passiert im ersten, was im zweiten Akt? Wie wird das Bühnenbild benutzt? Ist der so genannte "Rote Faden" durchweg erkennbar?