Faust 1in2 – ETA Hoffmann Theater 11.10.2019

von Sebastian Meisel (13. Oktober 2019)

                                                                      © Martin Kaufhold

 

Fulminante Premiere oder inhaltslose Wiederholung des immer gleichen Motivs? Uneinig waren die Reaktionen des Premierenpublikums. Aber das hätte nicht sein müssen.

Vorab ist zu sagen, dass man den Mut des ETA Hoffmann Theaters bewundern muss. Den schwierigen, fast hermetischen Stoff des Faust auf die Bühne zu bringen, dazu noch in beiden Teilen, und diesen nicht nur selbst sprechen zu lassen, sondern eine Geschichte daraus zu weben, das verdient höchste Anerkennung. Das verlangt nicht nur vom Ensemble, sondern von allen Beteiligten – den Erstellern des Bühnenbildes, den Lichttechnikern etc. – Höchstleistung ab. Aber gleichzeitig ist diese Inszenierung des Urstoffes der Deutschen auch immer ein Wagnis. Denn wer kennt es nicht, die lähmende Beschäftigung mit diesem Roman im Deutschunterricht? Und wer wagt sich schon freiwillig an den noch komplexeren, noch abgedrehteren Faust II, in denen Lemuren, Mütter und Geister freischwebend ihr Stelldichein geben? Wo kaum noch eine Handlung auszumachen zu sein scheint?

Identitätssuche im Waschsalon

von Tabea Lamberti (07. Oktober 2019)

© Konrad Fersterer

 

Das Nürnberger Staatstheater zeigte am 05.10.2019 Ceren Ercans I love you, Turkey! und beweist, wie Humor und Ernst gelungen Hand in Hand gehen können.
Erstmals beim Internationalen Istanbuler Theaterfestival 2017 vorgeführt, erreicht Ercans Stück nun auch Deutschland und stimmt damit in eine Politdebatte ein, die an Aktualität nicht eingebüßt hat.

"Ausnahmezustand, Aushaltezustand, Ausbadezustand" – Schreiend wird I love you, Turkey! eröffnet und gleichzeitig der Tenor des weiteren Verlaufs angekündigt.

Wenn das Theater zum Konzertsaal wird – Bombenhits ‛68. Revolte, Rausch und Liedertausch

von Sebastian Meisel (01. Oktober 2019)


                                                                     
© Jochen Quast

Wie oft wünscht man sich, dass das Theater eine Tanzfläche hätte? Eine ungewöhnliche Frage, aber bei der Premiere von Bombenhits ‛68. Revolte, Rausch und Liedertausch im Erlanger Markgrafentheater war dies tatsächlich der Fall.

Es als "ungewöhnliches Stück" zu bezeichnen, wäre sicher zu kurz gegriffen. Womit hat man es eigentlich zu tun? Mit einem Musical? Einem Konzert? Oder doch mit einem Theaterstück, das zumindest den Anspruch erhebt, eine Aussage über die Gegenwart zu treffen?

Mörderisch komisches Open-Air-Vergnügen

Von Antje Günther (17. Juli 2019)


© e.g.o.n.

 

"Mord finde ich nicht komisch." Man muss kein Pfarrer sein, um dieser Aussage Father Pennefathers zuzustimmen. Wenn er jedoch so präsentiert wird, wie es die Theatergruppe e.g.o.n. am Mittwoch, den 10.07.2019, im Musikpavillon im Hain tat, als sie Agatha Christies Klassiker Tod auf dem Nil auf die Bühne brachten, dann wird ein Mord und dessen Aufklärung zu fabelhafter Unterhaltung. Bei schönstem Wetter und vor einer klug gewählten Kulisse entspann sich eine vor allem komische, aber auch spannende Suche nach der Wahrheit um den Mord an der jungen Kay.

Die Handlung des Stücks ist schnell erzählt: eine Gruppe von Menschen, unter anderem die frisch verheiratete Kay und ihr Ehemann Simon, unternehmen eine Fahrt auf dem Luxusdampfer "Lotus", als zunächst Simon angeschossen und schließlich Kay erschossen aufgefunden wird. Da sie sich auf dem Wasser befinden, muss es einer der Gäste gewesen sein, aber wer?

Die Leere des Einzelnen

Von Sebastian Meisel (13. Juli 2019)



 © Denis Meier

Mit der Premiere des Stückes Die Republik der Schlaflosen betritt das Wildwuchs-Theater ein schwieriges Terrain. Dass dieses Wagnis durchaus gelingen kann, wird am Premierenabend sehr deutlich.

Kennt man das eigentlich noch? Das Telefon klingelt und man weiß nicht, wer am anderen Ende ist? Ein Unbekannter, die große, die vergangene Liebe? Oder doch nur der nervende Kollege, der von seinem Tag erzählen will? In Zeiten der digitalen Allverfügbarkeit scheint dies wie eine Geschichte aus der Vorzeit. Aber dennoch spiegeln sich auch hier die zentralen Fragen der modernen Menschheit.