Eine Zeitreise durch den Pop 

von Sabrina Brunner (11. Juni 2018)

 

© Marion Bührle 

 

Raumstation Sehnsucht ist ein musikalisches Pop-Erlebnis, das gerade im Nürnberger Schauspielhaus zu sehen ist, geschrieben von Bettina Ostermeier, die seit 2009 musikalische Leiterin des Theaters in Nürnberg ist, und Friedrike Engel. Bei ihrer Premiere am 02. Juni hat diese Produktion viel Energie und Charisma ins Theater gebracht. 

Mit bekannten Liedern und unverwechselbaren Figuren, die verschiedenste Geschichten erzählen, bringt Raumstation Sehnsucht eine Botschaft über Liebe, Abschied und Veränderungen, die den meisten Zuschauern bekannt sein dürften, auf die Bühne. Das Stück beginnt in einer Raumstation. Hier müssen alle Passagiere einchecken, bevor sie – ohne Rückkehrmöglichkeit – ins All fliegen. In diesem Rahmen werden alle Hauptfiguren mit einem passenden Lied vorgestellt. Zum Beispiel wird »die mit dem Ding«, ein technologiebegeistertes Mädchen, das keine Sekunde ohne ihre geliebte Elektronik klar kommt, mit dem Song »Digital Girl« vorgestellt – eine Parodie des Lieds »Material Girl« von Madonna. 

Begrenzte Möglichkeiten

von Florian Grobbel (27. Mai 2018)

 

© Martin Kaufhold

 

Der Westen. Ein Begriff mit dem man viel anstellen kann. Er lässt sich unendlich oft definieren, schließlich ist ja auch die Himmelsrichtung Westen unendlich. Der Westen. Unter diesem Titel steht die aktuelle Spielzeit des ETA Hoffmann Theaters und auch das dritte Stück von Konstantin Küspert, welches er für das Ensemble des Bamberger Theaters schrieb. Bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen hatte es vor kurzem seine Uraufführung. Am 25. Mai feierte es auch in Bamberg Premiere.

Tatsächlich stellt Konstantin Küspert mit diesem Begriff »Westen« so einiges an und beginnt mit Lucky Luke, Superman, Dagobert Duck und Super Mario, die vor einer großen Bildschirmwand und dem Schriftzug »Go West« auf dem Boden liegen und sich bald von der sich übergebenden Freiheitsstatue abwenden. Ja, man kann vermuten, dass es ein wilder Abend wird. Und tatsächlich springen die fünf jungen Schauspieler ab diesem Zeitpunkt durch Zeit und Raum. Sie wechseln zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Fiktion und Realität, zwischen realem Schauspiel und Präsentation auf der Leinwand. Und manchmal vermischt sich einfach alles. So ähnelt Christoph Columbus, der versucht den König von der verrückten Idee zu überzeugen, einen Seeweg nach Indien im Westen zu finden, mit seinem schwarzen Rollkragenpulli doch ziemlich einem gewissen Steve Jobs. Den Pioniergeist hatten vermutlich wirklich beide. Auch bei der Teilung des römischen Reiches in Ost und West ist das Publikum dabei. Man lauscht zwei norddeutschen Mitarbeitern eines Massentierhaltungsbetriebes, die ihr Fleisch in den gesamten Westen exportieren und denen man gerne glauben mag, dass Schwein und Mensch eng miteinander verwandt sind. Doch auch real existierende Politiker treten auf. So will uns der chinesische Staatschef erklären, warum sein System so viel besser ist als das des Westens. Doch ist der Unterschied wirklich so groß?

Das Wohl der Menschheit

von Florian Grobbel (13. Mai 2018)

 

© Paul Moser

 

Warum wurden eigentlich die Menschen erschaffen? Was ist der Zweck, dass auf der Erde Tiere leben, die genauso aussehen wie die Götter auf dem Olymp? Und was würde passieren, wenn man ihnen den Fortschritt beibringt? Werden sie dann nicht selbst zu Göttern? Diese Fragen beschäftigten das Ensemble als auch das Publikum bei einer neuen Premiere des e.g.o.n.. Am vergangenen Freitag, den 9. Mai, präsentierten sie in der Alten Seilerei Prometheus – oder: Die Abschaffung der Götter.

Wer in der Schule ein bisschen aufgepasst hat, dem ist die Rahmenhandlung noch geläufig. Der Titan Prometheus kommt aus einer Laune heraus auf die Idee ein neues Wesen zu erschaffen, das den Göttern ähnelt und die Erde bevölkern soll, so genannte Menschen. Der Plan wird von Vater Zeus und den übrigen Göttern zunächst belächelt. Tatsächlich sind die neu erschaffenen Wesen nur wilde Tiere, die gewisse Ähnlichkeit mit den Olympiern haben. Doch Prometheus ist nunmal der, der nach vorne blickt. Er gibt sein Projekt nicht auf, sondern unterrichtet die Menschen. So werden aus ungehobelten Wilden schnell zivilisierte Bürger, die Berufe wie Bauer, Müller, Händler oder Politiker ausüben. 

Zwischen Sagen und Tun liegt der Seitensprung 

von Günter Strickle (07. Mai 2018)

 

© Teatralia

 

Nicht auf einer Theaterbühne, sondern im netten Lokal »Jugendkulturtreff IMMER HIN« in Bamberg fand am 2. Mai die Premiere dieser heiteren und doch auch sinnigen Komödie Tradire e fare statt. Das »IMMER HIN« bot eine gute Kulisse für die »Bar Teresa«, dem Treff- und Lebensmittelpunkt der Bewohner eines Dorfes tief in der italienischen Provinz. Die Zuschauer waren quasi mit drinnen in der Bar. Von der Begrüßung an der Kasse über die Anmoderation durch den Leiter des Projekts »Teatralia« Marco Depietri bis zur Aufführung wurde ausschließlich italienisch gesprochen. Dies stellte aber auch für die der italienischen Sprache nicht mächtigen Zuschauer/innen kein Problem dar, da an der Kasse ein Spickzettel für Nicht-Italiener/innen mitgegeben wurde. Durch die ausdrucksstarke und authentische Darstellung der Schauspieler/innen haben wohl die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer genießen und verstehen können.

Die Stammgäste in Teresas Bar unterhalten sich, darunter Carla und ihr Mann Sergio. Die beiden beginnen bald zu streiten, als Carla den Verdacht äußert, schwanger zu sein. In der nächsten Szene stellt Teresa in einem gefühlsbetonten Monolog sich selbst und ihre Stammgäste vor. Sie betont, dass für viele, die in der Provinz leben, die Bar mehr ein Zuhause sei als das eigene Zuhause. Es folgen Szenen mit Gesprächen unter Frauen und Männern, wie sie in Kneipen typisch sind. Als Carla mitteilt, dass sie schwanger sei, reagiert Sergio gleich mit zwei Ohnmachtsanfällen. Die Krise zwischen beiden wird dadurch verstärkt und vertieft, als Carla eine Fehlgeburt erleidet. Ausnahmslos alle Stammgäste kommen nun zu Wort, es bilden sich Fronten pro Carla und pro Sergio. Nachdem es nicht nur zu einem Seitensprung und zu zwei Schwangerschaften gekommen ist, klären sich am Schluss die Verhältnisse und es kommt gar zu einer unerwarteten Hochzeit.

Schmerzhafte Folgen einer unerwiderten Liebe

von Rebecca Meixner und Sophia Klopf (4. Mai 2018)

 

© Marion Bührle

 

Zugegeben, als wir darüber redeten, wie man den Werther wohl zeitgenössisch mit nur einem Schauspieler aufführen kann, sprang unser Kopfkino sofort an und lieferte uns so manches abgedrehtes Szenario. Als wir dann die Premiere zu Lieben. Leiden. Werther am 23.02. im Staatstheater Nürnberg bestaunten, wurden wir überrascht.

Als wir die schwarze BlueBox des Theaters betreten, sitzt Werther schon im Raum und zeichnet gedankenlos eines der zahllosen Portraits, die er schon von seiner Lotte angefertigt hat. Der Raum spricht schon von dem, was kommen wird. Die dunklen Farben der Ausstattung und die vereinzelten Herbstblätter deuten daraufhin, dass es wohl auch für Werther hier zum Ende kommt.