Liebe ist für alle da

von Sophia Klopf (23. Dezember 2017)

 

© Marion Bührle

 

Sage und schreibe 15 Stücke zählt meine diesjährige Theaterbilanz. Leider hat nur ein Bruchteil dieser Inszenierungen mein Zuschauerherz höherschlagen lassen. Umso erfreulicher, dass mein letztes Seherlebnis in diesem Jahr ein gelungenes war: Die Premiere von Die Wiedervereinigung der beiden Koreas am 16.12. im Staatstheater Nürnberg war eindeutig sehenswert und gehört zweifellos zu meinen Theaterlieblingen von 2017.

Die Wiedervereinigung der beiden Koreas ist ein auf den deutschsprachigen Bühnen sehr beliebtes Drama des französischen Autors Joël Pommerat. Kein Wunder! Im Gegenzug zu seinem etwas irreführenden Titel geht es um die gegenwärtigen Liebesbeziehungen in all ihren Ausprägungen. Oft wird es mit Artur Schnitzlers Reigen verglichen: viele kleine Szenen, die immer eine Beziehung darstellen. Aber in Kontrast zu Schnitzler stehen bei Pommerat auch mal drei oder mehr Leute auf der Bühne, nicht strikt zwei. Natürlich bin ich leicht dazu verleitet zu sagen, dass Pommerats Stück ein Reigen der Gegenwart ist. Aber Die Wiedervereinigung der beiden Koreas zeigt ein viel größeres Spektrum der Liebe und die Szenen sind allgemeingültig wohl in jedem (westlichen) Land plausibel.

Postapokalyptische Belastungsstörung

von Florian Grobbel (19. Dezember 2017)

 

© Marion Bührle

 

Sie ist eingetreten. In Filmen und Serien wurden wir mehrfach davor gewarnt und nun ist sie da: Die Zombieapokalypse! Die gesamte Menschheit ist schon mutiert. Welche Auswirkungen hat diese Katastrophe? Das beantwortet das Livehörspiel Nekropolis – Die Stadt gehört uns! von Anita Augustin und Eike Hannemann, welches im Staatstheater Nürnberg seine Uraufführung auf die Bühne brachte.

Drei Moderatoren einer Radioshow haben sich vor der eingetretenen Invasion in ihrem Studio verbarrikadiert. Sie versuchen nun schon seit Woche zu überleben, bloß nicht dem Wahnsinn zu verfallen und das Wichtigste: Auf Sendung zu bleiben. Die Tatsache, dass einer von ihnen bereits das Zombievirus in sich trägt, verkompliziert die ganze Sache und sie sehen zu, wie ihr Kollege Frederik immer mehr der animalischen Natur eines Untoten verfällt. 

Wahnwitz nach dem dritten Weltkrieg

von Sophia Klopf (18. Dezember 2017)

 

© Denis Meyer

 

Einen Hauch von Apokalypse und Wahnsinn brachte uns am 7., 9. und 12. Dezember das WildWuchs Theater auf die Bühne. Ihr Stück Das weltberühmte Wohnschlafzimmer fand in der Schreinerei der ehemaligen Lagarde-Kaserne seine deutsche Erstaufführung und bestach dabei durch seinen skurrilen Humor.

Wenn man sich ein Stück anschaut, das von »den Monty Python Vordenkern«  Spike Miligan und John Atrobus geschrieben ist, geht man schon davon aus, etwas Ungewöhnliches geboten zu bekommen. Und die Erwartungen erfüllen sich: Das Setting ist ein Großbritannien nach dem dritten Weltkrieg, den wir zu Anfang des Stückes durch eine Videoslideshow von Atompilzen mitbekommen, die mit elektronischer Musik untermalt ist. Ein gelungener Einstieg!

 »Wollen Sie meine Wilde sein?«

von Nele Barfuß (6. Dezember 2017)

  

© Martin Kaufhold

 

Zugegeben: Der Titel »Häuptling Abendwind« klingt eher nach einer KiKa-Vorabendserie inklusive sprechendem Pony als nach einer gesellschaftskritischen Komödie. Doch genau das stellt diese „indianische Faschingsburleske“ von Johann Nestroy, inszeniert von Isabel Osthues, eigentlich dar. Premiere feierte das Stück am 1. Dezember im ETA Hoffmann Theater. 

»Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl« ist Nestroys letztes Stück und wurde 1862 uraufgeführt. In der Komödie kritisierte er vor allem die zivilisierte Wiener Gesellschaft in ihrer Überheblichkeit gegenüber den kolonialisierten Völkern, den »Wilden«. 

Von der Trumpophobie

von Rebecca Meixner und Sophia Klopf (25. November 2017)

 

© Martin Kaufhold

 

Seit letztem November gibt es wohl keinen Tag, an dem wir nichts von ihm in den Nachrichten hören: Mister President Donald J. Trump.  Nun hat er mit »Am Königsweg« von Elfriede Jelinek, wenn auch unfreiwillig, seinen Weg auf die Theaterbühne gefunden. Am Freitag, den 24. November, feierte das ETA Hoffmann Theater die Premiere der Inszenierung, die Trump zum König kürt und ihn dabei umso lächerlicher erscheinen lässt.

»Der Blinde spricht zu den Blinden«: Das neue Stück von Jelinek sieht sich an wie ein 90-minütiger Diss-Track gegen Trump und die Gesellschaft, die ihn unreflektiert gewählt hat und in ihrer Medienwelt versinkt. Dabei wird selbstverständlich der künstlerische Anspruch nicht vernachlässigt, das antike Höhlengleichnis findet ebenso seinen Platz wie Kommentare aus den Social Networks.