Wünsch Dir was!

von Johann Pfeiffer (09. Mai 2015)

 

© Werner Lorenz

Das Theater im Gärtnerviertel (TiG) zeigt Multiple Choice im Rahmen der Bayerischen Theatertage 2015, die zurzeit im E.T.A-Hoffmann-Theater Bamberg stattfinden. Das Ensemble-Stück bietet ein facettenreiches „Wunschkonzert“ mit vielen Möglichkeiten und offenen Fragen.

Jeder von uns hat sich bestimmt einmal die Frage gestellt: Was wäre wenn? Spätestens am Ende des Studiums kommt man ins Grübeln über die ungewisse Zukunft und die Entscheidungen der Vergangenheit, die sich in den meisten Fällen nur noch schwer ändern lassen. Habe ich mich für das richtige Studienfach entschieden? Hätte ich vielleicht doch auf eine (vermeintlich) sichere Karte setzen müssen wie Lehramt oder BWL? Wie würde mein jetziges Lebens aussehen, wenn ich noch mit meiner Ex-Freundin zusammen wäre? Oder könnte ich mit einer ganz anderen Frau glücklicher sein? Die Braunhaarige aus der Sachbuch-Lektorat-Übung am Donnerstag lächelt mich immer so nett an…

 

Es ist schwer die richtigen Entscheidungen zu treffen, weil niemand mit Sicherheit sagen kann, zu welchen Konsequenzen sie führen. Wer sich aber vor der Entscheidung drückt, riskiert letztlich, dass alles so bleibt, wie es ist. Und will man das wirklich? In Multiple Choice lernen sich vier einsame und höchst unterschiedliche Persönlichkeiten über das Onlineportal www.was-waere-wenn.de kennen. Nachdem die ersten Berührungsängste vor dem Laptop abgebaut wurden, verlassen sie die sicheren vier Wände und vereinbaren ein Treffen. In der direkten Auseinandersetzung offenbaren sich schnell die Probleme und Sehnsüchte der Figuren. Nike (Heidi Lehnert) möchte als Tanz-Choreographin durchstarten. Ihr fehlt jedoch das Selbstbewusstsein, um ihre Ideen umzusetzen. Jonas (Benjamin Bochmann) ist mit seinem Job eigentlich ganz zufrieden. Das Gymnasium hat er zwar nicht geschafft, die Arbeit als Schreiner macht ihm aber Spaß. Im Privaten fällt es ihm schwer, mit Menschen in Kontakt zum kommen. Im Gegensatz zu Jonas hat Farshid (Martin Habermeyer) ein cooles Auftreten. Den Medizin-Studenten erwartet eine erfolgreiche Karriere, weshalb er auf den ersten Blick keinen Grund besitzt, sich über sein Leben zu beschweren. Oder vielleicht doch? Auch hinter der Fassade von Maria (Olga Seehafer) verbergen sich persönliche Verletzungen, die sie davon abhalten, glücklich zu sein. Vier Menschen, die nach ihrem festen Platz in der Welt suchen. Und viele Möglichkeiten, wie man ihn finden kann. Wie entscheiden sie sich?

So unterschiedlich wie die Möglichkeiten der Figuren sind auch die Inszenierungs-Mittel der Regisseurin Nina Lorenz. Realistische Spielsituationen wechseln sich schlagartig mit direkten Ansprachen an das Publikum, chorischen Passagen und musikalischen Einlagen ab. Auf der reduzierten Bühne, auf der sich lediglich Stühle und Mikrofone befinden, scheint alles möglich zu sein. Das intensive Zusammenspiel der Darsteller macht die Collage aus Wünschen, Träumen und Ängsten zu einem beeindruckenden Erlebnis, das unter die Haut geht! Wie bei jedem gelungenen Theaterabend bleiben am Ende viele Fragen offen und einige interessante Denkanstöße übrig.

Zuhause angekommen, mache ich als Erstes – wie sollte es anders sein – mein Laptop an und schaue auf Facebook, was meine zahlreichen „Freunde“ getrieben haben, während ich meine Freizeit mal wieder im Theater verbracht habe. Beim Durchschauen der „Neuigkeiten“ merke ich, welche Alternativen dieser Abend sonst geboten hätte. Ja, ja… was wäre wenn… Bevor das Grübeln mich einholt, mache ich Musik an und höre seit Ewigkeiten die Toten Hosen: „Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft. Wünsch Dir was!“ Ich denke, am nächsten Donnerstag spreche ich die Braunhaarige an…