Athena, Adonas, oder doch lieber Adolf?

von Laura Ott (11. Mai 2015)

 

© Iko Freese

Mit den 33. Bayrischen Theatertagen wird auch Der Vorname, basierend auf dem französischen Stück von Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte aus dem Jahr 2010 auf die Studiobühne des E.T.A. Hoffmann-Theaters geholt. Die Kammerspiele Landshut lassen tief blicken: Kleine unangenehme Details kommen zu Kouskous und Tachine auf den lecker gedeckten Tisch. Und wir live dabei!

Die Bühne liegt im Dunklen, in der Mitte eine aufgestellte Wand aus Holz, darauf das Abendmahl Jesu und seiner Jünger – im Negativ. Davor ein großer runder schwarzer Tisch, eine Couch und Bücher, überall Bücher. Dann geht das Licht an, ein gemütliches Licht, wie bei einer Stehlampe. Entspannende Musik rieselt aus den Lautsprechern. Dazu die Stimme aus dem Off, die uns erklärt wer die zwei Personen da auf der Bühne sind, die jetzt geschäftig den Raum bespielen: Wir befinden uns im Wohnzimmer des Ehepaares Pierre (Stefan Lehnen) und Babou (Stefanie von Poser), die ihre Freunde eingeladen haben. Es soll ausgiebig gegessen und geredet werden. Babou kocht. Pierre sucht den Kellerschlüssel. Lehnen wir uns zurück. Jetzt beginnt ein Ohren- und Augenschmaus! Das Geschirr klappert, der Wein atmet und wir auf unseren Sitzen fühlen uns wohl. Gemütlich, wie das Licht aus dieser riesigen Wohnzimmerlampe. Nachdem auch Claude (Knud Fehlauer) eingeführt wurde und sich alle in der Stube eingefunden haben, outet sich die Off-Stimme als Vincent (Sebastian Gerasch) und kommt ebenfalls durch die Tür. Jetzt fehlt nur noch Anna (Cornelia Pollak), die Vincents Freundin ist und schwanger und die später kommt, weil sie noch arbeiten muss. Beim Aperitif haben die Freunde ihren ersten Brocken zu verdauen. Vincent eröffnet ihnen den Namen seines ungeborenen Kindes: Adolphe soll er heißen, der Kleine, wie der Protagonist aus einem romantischen französischen Roman. Dass dabei jeder an Hitler denken muss, will ihm nicht einleuchten. Eine wilde Diskussion entbrennt. Als Anna hinzukommt gerät alles aus den Bahnen. „Ich lasse mir von niemandem sagen, was ich zu tun habe. Schon gar nicht von Menschen, die ihre Kinder Athena und Adonas nennen!“ Da ist es heraus und nun wird kein Halt mehr gemacht. Jeder wird in die Zange genommen. Warum also nicht mal alles rauslassen?

 

Der Vorname zeigt, wie angebliche Kleinigkeiten eigentlich große Probleme sind und wie große Probleme irgendwann zum Vorschein kommen. Das Stück ist zu gleichen Teilen eine Absage und eine Hommage an die Freundschaft, die immer zuerst vom Individuum abhängig ist und dann von der Gemeinschaft. Mit diesem genialen Witz, der wohl der Situationskomik am Nächsten ist, werden dem Zuschauer sozial-kritische Themen serviert: Anna raucht während der Schwangerschaft, Babou ist unzufrieden, weil Pierre sich nicht im Haushalt oder an der Kindererziehung beteiligt und Claude ist mit einer dreißig Jahre älteren Frau zusammen. Mit einem uns in unseren Eigenheiten bestätigenden Gefühl (irgendwie haben ja alle ein bisschen einen Schlag) entlässt uns das Stück in die laue Frühlingsnacht, wo wir an der Bar landen. Der Vorname ist nämlich wie eine spritzige Weißweinschorle: Erfrischend und sauer zugleich! Wie kann man da nicht weitermachen mit dem Weitermachen?

Es handelt sich um ein einmaliges Gastspiel im Rahmen der 33. Bayerischen Theatertage.