Star Wars – Der Krieg der Verse

von Christian Eschenfelder (28. Mai 2017)

 

© Denis Meyer

 

Am vierten Mai haben die Jungs und Mädels vom Wildwuchs Theater zum ersten Mal William Shakespeares Star Wars zum Besten gegeben. Dieses Drama, das der Feder von Ian Doescher entsprungen ist, ist die in Versform umgewandelte Version von Star Wars. Wieso diese funktioniert, ist klar, denn Star Wars verfügt über eine Reihe von Charakteren, die auch den epischen Geschichten Shakespeares hätten entspringen können: Der Mentor, der böse Lord, die gefangene Prinzessin und der junge Held, der sich auf die weite Reise begibt, um sie zu retten. Viele Helden aus dem Star Wars Universum erinnern an die aus Othello, Hamlet und Co. und wenn die sich so gut auf der Theaterbühne machen, wieso dann nicht auch George Lucas‘ Gedankensprösslinge aus einer weit, weit entfernten Galaxie?

Star Wars – das ist seit Jahrzehnten eine mediale Institution, nicht nur die Filme, auch die Bücher und Videospiele, und nun ebenfalls das Theater in Bamberg. Die Erwartungen der Gäste waren selbstverständlich enorm hoch; nicht nur wegen der umfangreichen Werbung, die im Vorfeld für das Stück betrieben wurde, sondern auch, weil es sich schlicht und ergreifend um Star Wars handelte.

Die Story war die von Star Wars – Der Krieg der Sterne, des ersten (beziehungsweise vierten) Teils der Star Wars-Saga. Bereits in der ersten Szene, mit dem Auftauchen von R2D2 in Form eines bemalten Staubsaugers, wurde klar, dass es sich um eine witzig gemeinte Interpretation von Doeschers Werk handelte. Auch C3PO, der nicht nur durch seine Darstellung, sondern auch wegen seiner Pfeifffähigkeiten für einige Lacher sorgte, prägte gleich zu Beginn die Stimmung des Stücks.

Die Witze begannen jedoch schon bald ein Niveau anzunehmen, bei dem vollkommen zu Recht gefragt werden durfte, ob dieses Star Wars auch gerecht wurde – oder Shakespeare. Leia als „Chick“ zu bezeichnen, passte jedenfalls weder zu Star Wars noch zu Shakespeare. Die Schussgeräusche derjenigen, die einen Blaster in der Hand hielten, erinnerten eher an spielende Kinder und auch der Gag mit dem Geschlechtertausch mancher Protagonisten zog einst besser als heute.

Auf einem Flyer des Wildwuchs Theaters steht geschrieben: »Googelt man ›Die Bibel‹, erhält man etwa 18,9 Millionen Treffer, ›Jesus Christus‹ bringt es auf 13,9 Millionen. ›Star Wars‹ jedoch schlägt beide zusammen mit 434 Millionen Treffer«. Es wirkte teilweise so, als ob sich bei der Aufführung zu sehr auf dem Ruhm und dem Ruf von Star Wars ausgeruht und in Sachen Qualität zurückgesteckt wurde. Einige der Nebendarsteller lasen ihren Text offensichtlich ab, das Bühnenbild war praktisch nicht vorhanden und die zappligen Darbietungen einiger Schauspieler warfen die Frage auf, ob es für diese tatsächlich professionelle Schauspieler gebraucht hätte. »Wir wollten mal ‘ne Komödie machen… wir haben’s versucht«, sagte Regisseur Frederic Heisig nach dem Stück, und hier und da hörte man, dass für einige Zuschauer damit die Aufführung präzise beschrieben wurde.

Der Großteil des Publikums schien jedoch ganz anderer Meinung gewesen zu sein und war mehr als begeistert von der Inszenierung. Die Anspielungen auf das Original und all die Dialoge aus dem Film mit einem Touch Shakespeare zu hören, gefielen. Chewbacca als Handpuppe und die provisorisch anmutende, aber durchaus gelungene Konstruktion, die Darth Vaders Helm darstellen sollte, und das allgemeine Star-Wars-Feeling, das an diesem Abend in der Alten Seilerei herrschte, übertrafen viele der Makel, die das Stück aufwies.

Zum Dank gab es vom Publikum langandauernde Standing Ovations, die Darsteller ließen sich feiern, und auch Mickey Mouse kam zum Schluss für einen kurzen Cameoauftritt vorbei, um auch diese Star Wars-Inszenierung mit dem nötigen Kleingeld zu versorgen.

 

Weitere Vorstellungen: 31. Mai & 3. Juni 2017 | Beginn: 19:30 Uhr | Alte Seilerei