Sag mir, wo die Rosen sind

von Katharina Holzhauser (18.11.2013)

Am 15. November 2013 spielte das Musiktheater-Duo „Ball & Jabara“ seine „Femmage“ an Hildegard Knef Aber schön war es doch im E.T.A. Hoffmann Theater in Bamberg. Sie zeigt das Leben und Wirken des ersten großen deutschen Nachkriegsstars im Rahmen eines fiktiven Interviews zwischen der Knef und einer jungen Journalistin – beide gespielt von Franziska Ball. Dabei setzt sich das Stück zu etwa gleichen Teilen aus ‚selbst erzählter‘ Lebensgeschichte und Gesangspassagen zusammen, die von Marty Jabara am Klavier begleitet werden.

Franziska Ball schrieb das Stück vor über 10 Jahren selbst, führt es seitdem immer wieder in Landshut und München auf und spielte aufgrund dessen sogar zwischen 2005 und 2009 die Hauptrolle im viel gefeierten Knef-Musical Der geschenkte Gaul. Spätestens seitdem hat sich die an renommierten Akademien in München und New York ausgebildete Schauspielerin und Sängerin auch als Darstellerin der ‚letzten deutschen Diva‘ einen Namen gemacht.

In Musiker-Kreisen mindestens ebenso bekannt ist Marty Jabara, der als Pianist, Komponist und musikalischer Leiter an bekannten Musicals wie dem König der Löwen oder Tarzan mitarbeitete, oder auf Privatpartys zahlreiche US-Präsidenten und Hollywood-Größen unterhielt.

Große Namen, kleiner Rahmen

Chanson-Stimmung kam schon zu Beginn des Stückes im stimmungsvoll beleuchteten Theatertreff auf, als Jabara mit einem instrumentalen Knef-Medley begann, in das Ball nach großem Auftritt im Nadelstreifenanzug und Ledermantel einstimmte. Die folgende schauspielerische Darstellung einer liebenswert unbeholfenen Jungjournalistin im Aufeinandertreffen mit der großen Diva zeigte letztere zunächst unverfälscht mit unterdrücktem Berliner Dialekt, Schlagfertigkeit und dem obligatorischen „Kindchen“.

Doch von nun an ging's bergab. Gerade sängerisch wurde immer mehr deutlich, dass an diesem Abend eben nicht die Knef auf der Bühne stand: Die Töne und der Takt zu genau gehalten, die inbrünstige Rauchigkeit und der oft eher tonlos sprechende ‚Gesang‘ des Originals mochten – entgegen der gewohnten Qualität der Ball'schen Knef-Interpretationen – erstaunlicherweise nicht gelingen. Der Pressetext zur Veranstaltung betont zwar, dass Ball „ganz bewusst nicht als Double der Diva“ auftreten wolle, jedoch stellt sich dabei die Frage, warum sie sich dann auf der Bühne als ebendiese ausgibt, anstatt ein anderes Setting für das Stück zu wählen. Der gut überspielte, aber für den sachkundigen Zuhörer doch erkennbare Textpatzer zerschlug dann endgültig die Illusion des Bühnenstücks – ihre lange Erfahrung als „Double“ in anderen Inszenierungen lässt doch einen authentischeren und sichereren Auftritt erwarten.

Lediglich Jabara riss den Abend mit seinem hervorragenden Klavierspiel und einzelnen humoristischen Einwürfen herum; er führte Ball regelrecht durch das Stück, die sich im Gegenzug geradezu an die Musik klammerte. Setzte diese aus, war die Knef'sche Freiheit plötzlich doch zu spüren, hielt sich aber leider nur bis zum nächsten Klavierton.

Ob diese etwas verunglückte Darbietung, die Franziska Ball zweifelsohne besser beherrscht, einer zu großen Routine in Sachen Knef-Interpretation zuzuschreiben ist, oder andere Gründe hat, lässt sich als Zuschauer nicht sagen. Es bleibt nur zu hoffen, dass Ball in den folgenden Vorstellungen sängerisch zu alter Form zurückfindet, denn in diesem Fall wäre das Stück, das so nur mit dem schauspielerischen Teil überzeugen kann, durchaus sehenswert.

Aber schön war es doch
Hildegard Knef
// Von und mit Franziska Ball und Marty Jabara
Eine Femmage

Weitere Vorstellungen: 21. - 24. November