»Hier hat der Himmel seine Hand im Spiel gehabt.«

von Lisa Strauß und Florian Grobbel (5. Juli 2017)

 

© Martin Kaufhold

Bei anhaltendem Regen venezianischen Charme zu erschaffen, ist gar nicht so einfach. Das Ensemble des ETA-Hoffmann-Theaters stellte sich dieser Herausforderung bei der Premiere der diesjährigen Calderón-Spiele. Gezeigt wurde Carlo Goldonis Der Diener zweier Herren in der Inszenierung von Susi Weber. Nicht in Klein-Venedig, sondern wie gewohnt in der alten Hofhaltung, brachte das Bühnenbild italienisches Flair ins verregnete Bamberg. Ausstaffiert mit Regencapes, folgten wir dieser heitere Verwechslungskomödie in den Süden.

Eigentlich scheint alles geregelt mit der Verlobung von Silvio Lombardi und Clarice Pantalone. Sowohl sie, als auch ihre Väter sind zufrieden. Es könnte schöner nicht sein, aber wie das Leben eben so spielt, wird die Harmonie jäh gestört. Truffaldino, der Diener des totgeglaubten Federigo Rasponi, taucht plötzlich im Haus des Brautvaters auf und sorgt für Furore: Ursprünglich sollte der reiche Rasponi Clarice zur Frau nehmen. Diese vergisst sich, angesichts der Hiobsbotschaft, völlig und kann es nicht fassen. Erst als Federigo zur Tür hereintritt, nimmt ihr Schreckensbild Gestalt an. Nur die Wirtin des hiesigen Gasthofes erkennt, dass es sich nicht um den Herren, sondern um seine Schwester Beatrice handelt, die in dessen Kleidern in die Stadt kam. Gegen eine angemessene Belohnung gelobt sie Stillschweigen.

In der Zwischenzeit wittert der immer hungrige Truffaldino seine Chance auf höheren Verdienst und einen allzeit vollen Magen. Darum greift er die Gelegenheit beim Schopf und verpflichtet sich bei einem Reisenden, der sich ebenfalls gerade in der Stadt niederlässt. Doch der Diener zweier Herren hat nicht mit den damit verbundenen Problemen gerechnet. Aber man kann auch schon mal durcheinander kommen, wenn sich alles zum Verwechseln ähnelt – nicht genug, dass die Herren im gleichen Gasthaus nächtigen, sie vertrauen ihm auch fast zeitgleich ihre Briefe an. Des Lesens nicht mächtig, bringt der Diener die Briefe natürlich sofort durcheinander. Die verzweifelten Versuche Truffaldinos, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, machen ihn zum Sympathieträger des Publikums. Das Dilemma wird besonders deutlich, als er beiden Herren zugleich das Essen auftischen muss und dazu noch der Versuchung seines knurrenden Magens nachgibt. Es macht unglaublich Spaß, dabei zuzusehen wie Stefan Hartmann gekonnt den Schelm perfektioniert. Gerade im Zusammenspiel mit den beiden Herren (Ronja Losert und Pascal Riedel) ergeben sich Slapstick-Szenen in Vollendung.

Auch abseits dieser »Ménage à trois« kriselt es gewaltig zwischen den Verlobten Clarice und Silvio: Anna Döing und Bertram Maxim Gärtner legen die pubertären Krisen dieser jungen Beziehung, inklusive Wutausbrüchen und Zickigkeiten, grandios aus. Mit viel Witz und Improvisationstalent wurde das »scheiß Wetter« und die mit Wasser gefüllten Suppenteller ohne viel Aufhebens in das Spiel integriert. Was andere vielleicht überfordert hätte, spornte das Ensemble des ETA Hoffmann Theaters erst recht an.

So, wie die Schauspieler auf den regennassen Bühnenbrettern, schlittern schlussendlich alle Paare ins Eheglück. Allein Truffaldinos Missgeschicken ist es zu verdanken, dass die eigentliche Identität des Fremden herauskommt. Es handelt sich um Beatrices „geliebten Florindo“. Gleich darauf wird das Brautkleid ausgesucht. Und damit hat sich auch der Diener die große Liebe, in Gestalt von Clarices Zofe, Smeraldina, redlich verdient. Die zaghafte Annäherung der beiden wird von Pina Kühr und Stefan Hartmann wunderbar in Szene gesetzt - Truffaldino gesteht Smeraldina durch die Blume seine Liebe. Dass er diese aus einem der Blumenkästen stibitzt hat, verzeiht man ihm gern.

Am Ende freut man sich, dass der Diener zweier Herren sich selbst doch irgendwie aus der Patsche helfen konnte – was bleibt ist ein herrlich-sommerleichtes Gefühl, das selbst das stärkste Gewitter nicht zu trüben vermag.

 

Weitere Vorstellungen: 5. | 7. | 12. | 14. | 15. | 18. | 20. | 21.  & 22. Juli  || Beginn: 20 Uhr || Alte Hofhaltung