Huck und Jim hauen Vorurteile um

von Jana Röcklein und Anna-Maria Schmidt (12. Juli 2017)

© Heidi Lehnert

 

Das Chapeau Claque zeigt in einer Freiluftinszenierung das Stück »Huck und Jim – Bis ans Ende des Flusses«, das frei auf den Roman von Mark Twain beruht. Auf ihrer abenteuerlichen Reise an das andere Ufer müssen sich Huck und Jim sowohl neuen Herausforderungen stellen, als auch alte – und immer noch aktuelle – Vorurteile aus dem Weg räumen.

Umgeben von grünen Wiesen liegt ein kleines Floß am See. Das Chapeau Claque hat sich für dieses Stück einen ganz besonderen Spielort ausgesucht. Die Marinekameradschaft in Bug. Man kann sich die beschauliche Regnitz schon fast als wild reißenden Mississippi vorstellen. Der Flair ist auf jeden Fall gegeben. Hier wird die Geschichte von Huckleberry und Jim erzählt, die auf den Erzählungen von Mark Twain beruht. Anders als im Buch ist Huckleberry, kurz Huck genannt, hier ein Mädchen und Jim ein Schwarzer. Huck trifft auf der Flucht vor ihrem alkoholabhängigen Vater auf Jim, der ebenfalls ungewollt auf der Flucht ist. Zusammen beschließen die beiden, ein Floß zu bauen und bis ans Ende des Flusses zu fahren. Damit ihr Vater Huck auf ihrer Flucht nicht erkennt, wird die kleine Huck kurzerhand als Junge verkleidet. Um jedoch in ihrer Rolle als Junge nicht aufzufallen, reicht es nicht, nur wie ein Junge auszusehen, sondern sie muss sich auch dementsprechend wie einer benehmen können. Hierbei erhält sie natürlich Unterstützung von ihrem Freund Jim, der sich diesbezüglich bestens auskennt. Wenn sie dann mit Jim versucht einen männlichen Gang zu finden – um auch wirklich wie ein Mann zu wirken - ist das für das Publikum sehr amüsant anzusehen, denn Hucks Versuche, wie ein Mann zu gehen, ähneln wohl eher dem Gang eines Gorillamännchens auf Paarungssuche.

Hautfarbe und Religion sind hier nur Nebensache. Das Stück spart nicht mit auch heute noch gängigen Vorurteilen anderen Kulturen und Religionen gegenüber: Wenn Huck Jim fragt, warum er so schlecht behandelt werde, antwortet er nur nüchtern: weil ich schwarz bin. Aber Huck sagt: »Wenn ich genauso in der Sonne liege bin ich genauso dunkel, wie du.« Auch mit Vorurteilen gegenüber anderen Religionen wird aufgeräumt: Auf die Frage »Gibt es denn mehr als einen Gott?«, kommt die Antwort »Nein, wir nennen ihr nur anders.« Hier können Groß und Klein noch etwas lernen. Prototypisch ist hierbei auch ein junger Mann, der ebenfalls gerne auf dem Floß mit Huck und Jim fahren wollte. Sein Geld wurde kurz zuvor gestohlen, »bestimmt von einem Schwarzen«, wie er sogleich feststellt. Doch so etwas haut Huck nicht um (auch wenn sie sonst gerne »Hau mich um« sagt). Gekonnt kontert sie und weist ihn in seine Schranken zurück. Stark gespielt von Astrid Haas.

Wie in (fast) jedem Stück, braucht es natürlich auch hier einen Bösewicht: Der Herzog von Bridgewater, der um vier Ecken mit der (einzig wahren) Queen von London verwandt ist. Ebenfalls liebevoll Herzog »von Spritzwasser« oder »Klitschtorte« von Jim und Huck genannt. Dieser schmierige Betrüger schleicht sich wie ein Parasit auf das kleine Floß, lässt sich von Huck und Jim bedienen und entpuppt sich letztendlich als geldgieriger Dieb, der sogar Jim für eine Belohnung an die Polizei verraten will. Nun gilt es also Ruhe zu bewahren und den Plan des hinterlistigen Herzogs zu vereiteln.

Nach einigen Komplikationen und Turbulenzen während ihrer Fahrt reisen Huck und Jim schließlich gen Ende des Flusses und in ihr wohlverdientes Happy End.

Aufgelockert wird das unterhaltsame Spiel aller Darsteller durch einprägsame Gesangseinlagen, die mit sehr viel Enthusiasmus vorgetragen werden. Begleitet werden diese stimmungsvoll und rhythmisch mit der Gitarre von Florian Berndt.

Chapeau Claque erzählt eine Geschichte über bedingungslose Freundschaft. Ganz ohne Vorurteile und mit viel Enthusiasmus. Empfohlen für Groß und Klein und für alle, die nach einem Piratenlied-Ohrwurm suchen.

 

Weitere Vorstellungen: 16. & 23. Juli | 13. | 20. & 27. August |  3. & 10. September || Beginn: 15 Uhr || 30. Juli | 10. | 17. & 31. August |  7. September || Beginn: 17 Uhr || Late-Night-Vorstellung FSK 16 am 11. August || Beginn: 20 Uhr || Marinekameradschaft Bug.