Maliziös, doch spaßig

von Christian Eschenfelder (11. Juli 2017)

© e.g.o.n.

 

Zu einer Zeit im Jahr, in der das europäische Wetter beinahe anarchistische Züge annehmen kann, bedarf es besonderen Mut, Theatergänger ins ungeschützte, nicht überdachte Freie zu locken. Doch das taten – wie alle Jahre wieder – die Damen und Herren von e.g.o.n und luden zu ihrem traditionellen Open-Air-Theater am Musikpavillon/Sonnentempel im Hain ein.

Aufgeführt wurde ein Stück des Barden von Avon höchstpersönlich, Die 12. Nacht oder Was ihr wollt – eine Institution unter den Theaterstücken. Es handelt vom Irrsinn, der sich in Illyrien abspielt, von Verwechslungen, der Liebe, dem Trinken, Herzogen und Grafen, von Duellen, Imitationen, Narren und dem zum Narren halten; ein Stück, das wegen seines Witzes und der verschiedenen Handlungsstränge, die zum Schluss ihren Zusammenhang finden, gut und gerne als Vorgänger sämtlicher moderner Guy Ritchie-Filme durchgehen könnte.

E.g.o.n.‘s Inszenierung war gut. Eventuell hätte sie zu Beginn etwas verwirrend für diejenigen sein können, die mit dem Stück nicht vertraut waren, denn der Sonnentempel verfügt leider über keinen Vorhang, weswegen es sich vom Bühnenbild her teilweise nicht immer genau erschließen ließ, an welchem Schauplatz sich einer oder mehrere der zahlreichen Darsteller gerade genau befinden sollten.
Doch auch hier wurden sich die Vorteile des Sonnentempels zunutze gemacht und verschiedene Bereiche und Ebenen vor der Bühne und auf der Treppe in bestimmte Schauplätze eingeteilt, wodurch die statische Umgebung im Endeffekt optimal genutzt wurde.

Es war offensichtlich, dass die Darsteller und Darstellerinnen bei ihrer Inszenierung unter freiem Himmel Spaß hatten und die gute Laune, die von der Bühne ausging, färbte schnell aufs Publikum ab. Auch als es zu regnen begann, lichtete sich die Fläche vor dem Sonnenpavillon nicht. Regenschirme wurden aufgespannt, Kapuzen über Köpfe gezogen und unter wasserfesten Planen gekuschelt. Und die Frage, ob strahlender Sonnenschein das Event nicht attraktiver gemacht hätte, lässt sich nur schwer beantworten. Denn das trübe Wetter ließ die Scheinwerfer vor und auf der Bühne noch viel heller strahlen und zeigte die Kulisse, die im Sommer meist nur genutzt wird, um Frisbee oder ähnliches zu spielen, in einem ganz anderen Licht – im wahrsten Sinne des Wortes.