Von Blockflöten und verrückten Wissenschaftlern

von Sophia Klopf (21. Oktober 2017)

 

© Jochen Quast

Wer sich anhand weltweiter Naturkatastrophen, Terror und Bundestagswahlwahnsinn langsam reif für die Klapsmühle fühlt, findet vielleicht Trost im Theater. Das Theater Erlangen hat mit Dürrenmatts Klassiker »Die Physiker« das Irrenhaus auf die Bühne verlegt. Die Premiere des Stücks am 22. September war gleichzeitig der Auftakt der neuen Spielzeit in Erlangen.

Drei Physiker sind in einem privilegierten Sanatorium untergebracht. Von den Wissenschaftlern hält sich einer für Albert Einstein, der andere für Isaac Newton. Der dritte glaubt, dass ihm König Salomon höchstpersönlich erscheine. Doch nicht alle leiden tatsächlich an einer richtigen Geisteskrankheit. Aber wer unter ihnen? Und warum sollte man sich irre stellen? 

Der Weg zu diesen Antworten ist auf der Bühne auf jeden Fall ziemlich funky. Die vereinzelten Requisiten könnten geradewegs aus einem Kaufhaus der 70er Jahre stammen. Man sieht Eiersessel, Overalls mit Schlag und den ein oder anderen Schnurrbart. Es wird natürlich auch getanzt, bevorzugt um seinen Standpunkt zu verdeutlichen oder die Szene zu wechseln, und viel gerannt, hauptsächlich weil man gerade verfolgt wird. Von Stillstand ist auch keinesfalls die Rede, wenn ausschweifend gestikuliert wird.

Mit dieser ganzen Bewegung auf der Bühne und den ausgefallenen Kostümen trifft man wohl genau das, was Dürrenmatt unterschwellig mit dem Stück sagen wollte: Nicht immer sind es die Irren, die verrückt sind. Wenn die Figuren allerdings die gefühlte zehnte Runde am Stück um die runde Bühne rennen, fragt man sich doch, ob hier nicht ein bisschen übertrieben wurde mit der Albernheit. Gerade Zuschauer, die nicht mit Dürrenmatts Hintergedanken vertraut sind, haben hier wohl ihre Schwierigkeiten mit der Inszenierung.

Dennoch war der Abend keineswegs langweilig. Durch die neuen Ebenen, die sich im Laufe des Stückes immer wieder auftun, bleibt man stets überrascht. Die gute Leistung der Schauspieler trägt natürlich auch ihren Anteil dazu bei. Besonders zu erwähnen sind hier auch die Gruppe der Jungen, die auf ungewöhnliche Art und Weise die Aufführung einleiten. In Superheldenkostümen gekleidet (auch wenn nicht wirklich offenkundig ist warum), spielen sie erst Blockflöte, darunter die ein oder andere bekannte Melodie, bevor es in eine Kakophonie übergeht. Darauf führen sie die Zuschauer in die Szenerie ein. Da man in letzter Zeit eher selten Kinder auf der Bühne sieht, freut man sich umso mehr über die jungen Darsteller, vor allem, wenn sie so eine gute Leistung bringen.

Summa summarum war es ein kurzweiliger und sehr überraschender Abend. Um es mit den Worten einer Zuschauerin zu zitieren: »Die Physiker kann man einfach nicht totspielen.«

 

Weitere Vorstellungen: 25. und 26.10 sowie 09. und 10.11, jeweils um 19:30 Uhr, Theater Erlangen