»Malerei ist eine Waffe zum Angriff«

von Sophia Klopf (25. Oktober 2017)

 

© Werner Lorenz

 

Zur neuen Spielzeit des Theaters im Gärtnerviertels bringt die Gruppe ein Stück auf die Bühne, das den Zuschauer direkt in das Flair der 40er Jahre versetzt. »Ein Picasso« ist eine Hommage an den größten Künstler der Moderne. Das Rezensöhnchen war bei der Premiere am 12.10. dabei.

Das von den Nazis besetzte Paris, Anfang der 1940er: Pablo Picasso wird auf Geheiß der Deutschen in ein Büro gerufen, um seine Werke zu identifizieren. Ihm steht dort aber kein alter Mann in Wehrmachtsuniform gegenüber, sondern Frau Fischer, eine adrette Vertreterin der deutschen Diktatur, die keineswegs auf den Mund gefallen ist. Fast beiläufig erfährt Picasso, dass die drei ihm gezeigten Gemälde aber nicht für eine Ausstellung verwendet werden, sondern für eine Verbrennung »entarteter« Kunst. Das kann Picasso nicht zulassen! Ein Schlagabtausch zur Rettung seiner Werke beginnt.

Das TiG, immer darum bemüht, neue Aufführungsorte zu finden, hat es diesmal ins Geschäft »Mode macht Mut« in der Luitpoldstraße verschlagen. Die Bühne ist gleich hinter der Eingangstür, und ziemlich klein, möchte man meinen. Aber das Stück für zwei Schauspieler ist wie geschaffen für so einen Raum.

Das Stück schaut sich wie ein Krimi. Gebannt verfolgt man, wie die beiden Figuren, Picasso und Frau Fischer, aushandeln, wie es denn nun mit Picassos Werken weitergehen soll. Vor allem in der zweiten Hälfte des Stückes geht es dabei hoch her. Bald ist Frau Fischer nicht mehr die strenge Beamtin, sondern auch Sklavin des Systems. Auch Picasso ist nicht nur egozentrisch und eingebildet, er zeigt seine verletzliche Seite, wenn es um die Entstehungsgeschichte der Bilder geht.

Dass sich zwischen Picasso und Frau Fischer mehr anbahnt als nur eine professionelle Beziehung, ist schnell eindeutig. Die Anziehung zwischen den beiden ist der Motor der Handlung, ohne sie würden die großen Emotionen, die wir auf der Bühne sehen, gar nicht zustande kommen. Allerdings führt sie auch zu den Mankos des Stücks. Sie drängt Fakten, die wir gerne erfahren hätten, in den Hintergrund. Ging es bei Pablo nicht um seine Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich? Was am Anfang noch als essentieller Beweggrund für Picasso scheint, überhaupt mit Frau Fischer zu reden, wird leider nicht mehr aufgegriffen.

Picasso, der Frau Fischer das ganz Stück lang Avancen macht, mehr und weniger offensiv, haftet irgendwann das Label »geiler alter Mann« an. Offensichtlich hatte der historische Picasso ja viele Geliebte und Liebesbeziehungen, dennoch würde man lieber noch ein bisschen des verwundbaren Malers auf der Bühne sehen, und nicht nur den unantastbaren Picasso der Vielweiberei. Das macht Frau Fischer aber wieder wett. Ihre komplexe Figur entlarvt so viele Schichten, hat so viele Höhen und Tiefen, dass man ihr verzeiht, dass sie am Ende dennoch eine weitere Frau ist, die klischeehaft der großen Künstlerpersönlichkeit unterliegt.

Im Großen und Ganzen lebt »Ein Picasso« von seinen Schauspielern Ursula Gumbsch und Stephan Bach, die wirklich eine Idealbesetzung für dieses Stück sind, und schaffen, den Zuschauer für zwei Stunden zu fesseln. Auch wenn die Inszenierung ohne große theatralische Kunstgriffe lebt, hofft man dennoch, dass sie den Maßstab für die weiteren Stück in dieser Saison setzt.


Weitere Aufführungen: 08. | 09. | 10. | 11. |14. sowie 15. November im Geschäft »Mode macht Mut« in der Luitpoldstraße 25