Die Welt der Taschenbiers steht Kopf

von Jana Röckelein und Anna-Maria Schmid (19. November 2017)

 

 
© Martin Kaufhold

 

Was passiert wenn ein Sams zehn Jahre, zehn Stunden und zehn Minuten bei einem Menschen lebt. Dann passiert etwas sehr Besonderes. Anlässlich des 80. Geburtstag des Bamberger Autors Paul Maar zeigt das E.T.A. Hoffmann-Theater »Sams im Glück«.

»Hilfe, bei Familie Taschenbier gibt es bald mehr als nur ein Sams« lautete die Devise am Samstagnachmittag im ETA Hoffmann Theater. Denn Papa Taschenbier ist verrückt geworden. Wenn ein Sams zehn Jahre, zehn Stunden und zehn Minuten bei einem Menschen lebt, dann geschieht etwas Besonderes. Samsregel Nummer 418 besagt, dass sich nach dieser Zeit die Familie des Samses allmählich selbst in ein Sams verwandelt. Das bringt so einige Probleme mit sich. Anfangs ist das Sams natürlich begeistert, neue Spielkameraden gefunden zu haben. Doch nach einem Einbruch in eine Schokoladenfabrik des nunmehr nimmersatten Herrn Taschenbiers sowie einer fixen Idee seine selbstgebaute Regenschirmfabrikationsmaschine an den Mann zu bringen, beginnt sich auch das Sams zu sorgen. Unüberlegte Wünsche und eine Familie Taschenbier, die sich zunehmend mehr wie ein aufgedrehtes Sams verhält, spitzen die Situation zu. Am Ende kann nur die Träne eines Samses das angerichtete Chaos wieder richten.

»Du hast 28 ½ Pizzen verspeist!«

Knallrote Haare, blauer Taucheranzug mit neongelben Streifen und niemals satt – das ist das Sams, eindrucksvoll gespielt von Marie Nest. Man nimmt ihr das quirlige und nimmersatte Wesen nur zu gerne ab. Aber auch Florian Walter glänzt in seiner Rolle des Herrn Taschenbier. Im einen Moment noch furchtbar verklemmt und zurückhaltend, explodiert er auf Knopfdruck und wirkt wie ein aufgedrehtes Kleinkind mit ADHS. So wird er – im Kampf gegen gewaltbereite Häftlinge – kurzerhand auch mal zum Super-Sams. Aber auch Eric Wehlan überzeugte in mehreren Rollen. Ob als konservativer Herr Oberstein bis hin zum –  im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertigen – Knasti Bullen-Paule. Insgesamt harmonierte und interagierte das komplette Ensemble wunderbar miteinander. Es wird gesprungen, geturnt und gelacht. Aber auch mit amüsanten Tanz- und Gesangseinlagen wurde nicht gespart. Zum Beispiel, wenn Herr Taschenbier mit 80 km/h in einem gestohlenen Bus – und singend dazu – alle Geschwindigkeitsbegrenzungen ignorierend durch die Gegend braust. Oder auch wenn ein vermeintlich reicher Scheich sich die Regenschirmfabrikationsmaschine unter den Nagel reißen möchte. Das sorgte nicht nur bei den Kleinen im Publikum für Gelächter. Trotzdem konnten einige der jüngeren Zuschauer der Handlung nicht immer ganz folgen und suchten gelegentlich Rat bei ihren Eltern.

»Einsteigen ist immer noch besser als Aussteigen«

Schön ausgearbeitet ist der Kontrast zwischen der Welt der Taschenbiers und der Samswelt. Auf der einen Seite die überwiegend schwarz-weiße Welt der Taschenbiers, deren einziger Farbklecks das bunt gekleidete Sams ist. Auf der anderen Seite das Samseland mit bunt funkelnden Vorhängen und glitzernden Heliumluftballons. Hier funkelten nicht nur die Girlanden, sondern auch die Augen der Kinder. Da war nicht nur das Sams gespannt wie ein Gummiband.

Nach einer Stunde Chaos gab es ein verdientes Happy End und die schauspielerische Leistung wurde mit lang anhaltendem Applaus belohnt. Ein Weihnachtsmärchen für alle Jungen und die Junggebliebenen.