Von der Trumpophobie

von Rebecca Meixner und Sophia Klopf (25. November 2017)

 

© Martin Kaufhold

 

Seit letztem November gibt es wohl keinen Tag, an dem wir nichts von ihm in den Nachrichten hören: Mister President Donald J. Trump.  Nun hat er mit »Am Königsweg« von Elfriede Jelinek, wenn auch unfreiwillig, seinen Weg auf die Theaterbühne gefunden. Am Freitag, den 24. November, feierte das ETA Hoffmann Theater die Premiere der Inszenierung, die Trump zum König kürt und ihn dabei umso lächerlicher erscheinen lässt.

»Der Blinde spricht zu den Blinden«: Das neue Stück von Jelinek sieht sich an wie ein 90-minütiger Diss-Track gegen Trump und die Gesellschaft, die ihn unreflektiert gewählt hat und in ihrer Medienwelt versinkt. Dabei wird selbstverständlich der künstlerische Anspruch nicht vernachlässigt, das antike Höhlengleichnis findet ebenso seinen Platz wie Kommentare aus den Social Networks.

Untermalt wurde das Stück mit Videoeinspielungen, die parallel zum Bühnengeschehen liefen. Daneben filmten sich die Schauspieler auf der Bühne selbst, eine Versinnbildlichung davon, wie Trump mit seiner permanenten Medienpräsenz sich in die Köpfe der Leute einbrennt.

Die wohl beste Szene und der Höhepunkt des Abends war, als Trump mit der Intention, ein blinder Seher zu werden, sich symbolisch die Augen aussticht, und statt Blut per Green Screen Tweets des echten Donald Trump aus seinen Augen sprudeln. Trump verweigert auf Interviewfragen einzugehen und stimmt stattdessen »The winner takes it all« an, eine Demonstration seiner Arroganz. Diese Szene war so eindrucksvoll, dass der anschließende Teil der Inszenierung daneben etwas blass aussah.

Alles was man an Kritik auf der Bühne beobachten konnte, hatte zu Recht seinen Platz, sei es Wirtschaft, Geld, Politik oder Social Media. Fest steht, dass Jelinek das Stück begonnen hatte in der Nacht, als Trump gewählt wurde. Daher sind keine der Angriffspunkte gegen ihn besonders neu oder innovativ. Es ist mittlerweile mediales Thema, dass man Trump beispielsweise Rassismus oder Frauenfeindlichkeit vorwirft, nicht zuletzt durch seine Tweets. Andererseits ist schon allein durch deren Präsenz in den Medien dieses Stück für jeden nachvollziehbar. Letztendlich kritisiert das Stück ausschließlich, ohne eine vernünftige Alternative zu bieten.

»Hab ich das Thema jetzt mit genug Humor behandelt?« fragte einer der Darsteller. Von unserer Seite aus ein klares Ja! Dennoch ist es manchmal etwas schwer, der Informationsflut des Stückes zu folgen und die angesprochenen Elemente zu verknüpfen. Besonders der Schluss ist schwer zu greifen. Insgesamt hat »Am Königsweg« aber viel Witz und ist in sich stimmig, sodass Zuschauer, die sich nicht vor Politik(kritik) im Theater scheuen, voll auf ihre Kosten kommen.

 

Weitere Vorstellungen: 25., und 29.11., 30.11. | 07., 08. und 09.12. | 14., 15., und 16.12. | 20., 21., und 22.12. | Beginn jeweils 20 Uhr | Studio des ETA Hoffmann Theaters