Er, seine Exen und viel mehr

von Wiebke Glaser und Simon Dudek

Am 12. Oktober 2013 erhob sich der Vorhang zum ersten Mal für das Theaterstück Some Girl(s) im E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg. Weitere Vorstellungen der kurzweiligen Tragödie sind am 13., 17. und 18., 20., 24-27., 30. + 31. Oktober und am 2. + 3., 10. November.

Liebe und Hass, Glück und Leid, Verlassen und Verlassen werden – das Leben ist ein nie enden wollendes Spielfeld an Emotionen. Auch Neil LaButes Theaterstück Some Girl(s) entspringt diesem reichlichen Schatz an Erfahrungen. Bereits 2005 im Gielgud Theater in London uraufgeführt, im Frühjahr 2013 in Deutschland auf der Kinoleinwand zu sehen, feierte das Stück nun inszeniert von Irmgard Lübke im E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg seine umjubelte Premiere.

"Ich bin ein Mann, ich kann das nicht so gut“

Es lässt sich nicht vermeiden: Mann wie Frau erkennt sich wieder. Es ist aber weit mehr als eine Aneinanderreihung von Klischees über das andere Geschlecht, die die Schauspieler ihrem Publikum vermitteln. Es geht tiefer, zeigt wie Handeln aber auch das Nichthandeln zu Verletzungen führen. „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ könnte das Leitprinzip des männlichen Protagonisten namens Guy sein, der sich kurz vor seiner Hochzeit mit einer 22-jährigen Krankenschwester entschließt eine Reise in seine Vergangenheit anzutreten. Er hat eine Liste mit seinen Verflossen erstellt, von denen er wiederum die Top vier auswählt hat, um sie in anonymen Hotelzimmern kreuz und quer in Amerika zu treffen. Sein Anstoß? Sich entschuldigen? Sich vergewissern, dass er bei den von ihm verlassenen Frauen keinen Schaden angerichtet hat? Oder geht es allein um ihn? Will er sich überzeugen, dass er keinen Fehler gemacht hat oder machen wird? Die Begegnungen mit Sam, Tyler, Lindsay und Bobbi verlaufen jedenfalls anders als es sich der „Gefühlsterrorist“ vorgestellt hat.

Die - pauschal mit Guy (Kerl) benannte - Hauptfigur bietet eine Projektionsfläche für viele Männer. So mag sich der ein oder andere im Publikum ertappt fühlen, wenn dieser sich seinen ehemaligen Freundinnen stellt und versucht zu erklären warum er sich grußlos aus ihrem Leben verabschiedete: die Flucht vor dem vorgezeichneten Weg in Kleinstadt, Familie und Reihenhaus, dem öden Hedonismus der Kunstwelt oder die riskanten Affäre mit der Frau des Chefs. Guy macht allerdings einen Fehler: Er stellt sich seinen Fehltritten und, noch tragischer, er meint es sei damit getan für wenige Stunden zurückzukehren und halbgare Erklärungsversuche abzuliefern. Bei den Frauen reißt dies allerdings nur alte Wunden auf, die er nicht zu lindern vermag und sich selbst dabei auch scheinbar immer mehr verliert.

[Das Bühnenbild bestach durch seinen Pragmatismus. So konnte das Spiel der Geliebten fließend ineinander übergehen. ]

Überzeugende Darstellung

Gerald Leiß überzeugt in seiner Rolle als Guy – glaubhaft verkörpert er Guys ambivalenten Charakter, wie er sich durch die unangenehmen Gespräche mit Ex-Freundinnen windet und stammelt. Eva Steines, Verena Ehrmann, Iris Hochberger und Elena Weber schaffen es die jeweiligen markanten Charakterzüge der Frauen herauszustellen, wobei vor allem Elena Weber der komplex angelegten Bobby zur Geltung verhilft. Ihr Schmerz, ihre Wut, aber auch ihr Unverständnis für den, aus Guys Sicht brillanten, Plan, setzen die Schauspielerinnen authentisch in Szene.

Some Girl(s) ist am Puls der Zeit, was natürlich auch daran liegt, dass das Thema des Stücks generationsübergreifend wirkt. Und so gilt mancher Lacher und Schmunzler der eigenen Erinnerung und Erfahrung. Die überzeugende Darstellung auf der Bühne stimmt jedoch auch nachdenklich: Ist die Quintessenz I’m just a man auf der einen und a smal town girl auf der anderen Seite? Zwischen den Geschlechtern scheint es ein Spiel zu geben, dessen Regeln dann doch auf den bekannten alten Klischees beruhen: Der Mann, der, unbeabsichtigt und oftmals auch unbemerkt, der Frau seelische Verletzungen zufügt. Die Frau, die sich mit der Situation verlassen und gedemütigt worden zu sein arrangiert und sich etwas selbst vormacht und doch geneigt ist den entschuldigenden Worten des Mannes Glauben zu schenken. Oder ist am Ende alles ganz anders. War alles nur Berechnung eines ruhmsüchtigen Mannes mit dem Streben eine weitere Story über seine Exen in die Zeitschriften zu bringen und sich dann ohne mit der Wimper zu zucken der nächsten Geliebten zuzuwenden? Es bleiben Fragen offen, Gedanken werden weitergesponnen. Aber was kann man sich mehr von einem Theaterabend wünschen, als dass er einen nicht so schnell wieder loslässt.