Wahnwitz nach dem dritten Weltkrieg

von Sophia Klopf (18. Dezember 2017)

 

© Denis Meyer

 

Einen Hauch von Apokalypse und Wahnsinn brachte uns am 7., 9. und 12. Dezember das WildWuchs Theater auf die Bühne. Ihr Stück Das weltberühmte Wohnschlafzimmer fand in der Schreinerei der ehemaligen Lagarde-Kaserne seine deutsche Erstaufführung und bestach dabei durch seinen skurrilen Humor.

Wenn man sich ein Stück anschaut, das von »den Monty Python Vordenkern«  Spike Miligan und John Atrobus geschrieben ist, geht man schon davon aus, etwas Ungewöhnliches geboten zu bekommen. Und die Erwartungen erfüllen sich: Das Setting ist ein Großbritannien nach dem dritten Weltkrieg, den wir zu Anfang des Stückes durch eine Videoslideshow von Atompilzen mitbekommen, die mit elektronischer Musik untermalt ist. Ein gelungener Einstieg!

Die Bevölkerung, die enorme Verluste erlitten hat, steckt noch in den alten Rollen der Zivilisation fest, muss sich aber dennoch mit den anarchisch anmutenden Zuständen konfrontieren. Die Essensbeschaffung wird eben auch nicht leichter, nur weil man noch an seinem Adelstitel festhält. Schließlich fangen manche Menschen an, sich in Gegenstände zu verwandeln. Die eigentliche Thronfolgerin fristet ihr Dasein als Kommode, und Lord Fortnum, der zu Beginn des Stückes noch einen Arzt aufsucht, der eher der Scharlatanerie frönt, verwandelt sich schließlich in ein Wohnschlafzimmer.

»Es gibt Grenzen für das, was ich bereit bin zu tun!« »Ja dann gehen wir doch dahin!«

Frei nach diesem im Stück gefallenen Zitat bewegt sich das Theaterstück zwischen Raffinesse und Willkür. Man wundert sich einige Male über das Geschehen auf der Bühne, weil die Handlung einfach nicht logisch erklärbar ist. Einige Zuschauer dürften dabei wohl ihre Probleme gehabt haben. Aber wie schon erwähnt, auf so etwas muss man sich eben einlassen, wenn man Monty Python-artverwandtes anschaut.

Im Kopf bleibt von diesem Abend vor allem seine komödiantische Seite. Das WildWuchs Theater schafft es, das eigentlich Anfang der 60er Jahre uraufgeführte Stück modern zu verpacken, mit Wortspielen und geschickter politischer Satire. Großartig sind auch die Seitenhiebe auf gewisse Bamberger Gegebenheiten, sei es die hohe ERBA-Miete oder ansässige Theaterschaffende. Das Publikum zeigt sich stets amüsiert. Auch die gute schauspielerische Leistung trägt dazu bei, dass man die Kälte in der leider eisigen Schreinerei für zwei Stunden vernachlässigen kann.

Mit dem weltberühmten Wohnschlafzimmer ist dem WildWuchs eine Komödie gelungen, die kritisch und unterhaltend gleichzeitig ist. Wir hoffen, dass die nächste nicht allzu lange auf sich warten lässt.