Was hast du nur immer mit den Sternen? 

von Nele Barfuß (27. Januar 2018) 

 

© Martin Kaufhold 

 

Mit bissigen Dialogen und viel (schwarzem) Humor feierte das Stück Brand - Eine deutsche Familiengeschichte am Freitag, den 19. Januar, seine Uraufführung im ETA Hoffmann Theater Bamberg. Trotz der ernsten Thematik erhielt es sich dabei eine erstaunliche Leichtfüßigkeit und Komik. 

Die Autorin Bettina Erasmy zeichnet mit Brand die Geschichte einer deutschen Familie über mehrere Generationen hinweg, beginnend in der Nachkriegszeit und bis in die Gegenwart reichend. 

In der Nachkriegszeit der 50er Jahre lernen sich die jungen Erwachsenen Greta und Fritz kennen. Greta träumt vom Auswandern nach Amerika, von Freiheit und dem Sternenhimmel. Fritz dagegen möchte sein Land wiederaufbauen. Von Liebe ist nicht die Rede, doch die beiden heiraten und bekommen zwei Kinder. Während der Zeit des Wirtschaftswunders macht Fritz viel Geld mit Immobilien, Greta kämpft um ihre Selbstständigkeit und möchte wieder selbst arbeiten gehen. Die beiden Kinder, Michael und Paulina, wachsen in sicheren und wohlhabenden Verhältnissen auf, doch die Traumata der Eltern, die diese im Krieg durchleben mussten, lassen auch sie scheinbar nicht los. Das Schweigen über Bombennächte, über den Tod von Geschwistern und die Flucht aus der Stadt hängt wie ein Damoklesschwert über der Familie. 

Das dem Stück zugrundeliegende wissenschaftliche Thema, welches die Autorin zum Schreiben inspirierte, ist das der Epigenetik. Forscher untersuchen bereits seit Jahren, ob und wie sich erlebte Traumata in den genetischen Code einer Person »einbrennen« und somit buchstäblich vererbt werden können. Dadurch ließen sich psychische Krankheiten bei Familienangehörigen erklären, die das Trauma selbst nie durchleben mussten. Im Stück zumindest scheint diese Theorie zu stimmen. Tochter Paulina gelingt es zu keinem Zeitpunkt ihr Leben zu stabilisieren. Ständig wechselnde Partner, beruflicher Misserfolg und eine Essstörung sind die Folge. Sohn Michael ergeht es grundsätzlich ähnlich: Als Jugendlicher hat er sich noch in den Protest gegen den Lebensstil seiner Elterngeneration geflüchtet, doch schließlich steigt er sogar im Geschäft des Vaters ein und ähnelt diesem immer mehr. Dies kann er sich selbst jedoch nie eingestehen. Als es durch die Wirtschaftskrise beruflich bergab geht, ist Michael am Ende, seine Beziehung zerbricht, er verzweifelt. 

Eine Lösung bietet das Stück nicht an. Kann es auch nicht. Trotzdem wirkt es durch seinen durchgängigen Humor nicht wie eine Tragödie und bietet dem Zuschauer ein hohes Selbstwiedererkennungspotenzial. Gegen Ende zieht sich die Handlung ein wenig in die Länge, insgesamt ist das Stück aber durchaus sehenswert. 

 

Weitere Vorstellungen am: 28. Januar; 01.| 04.| 14.| 18. Februar; 21.| 22.| und 25. März