»Ich bin eine Frau und weiß, was ich tue.«

von Antje Günther (04. Februar 2018)

 

© Werner Lorenz

 

Das wussten Aline Joers, Olga Seehafer und Nina Lorenz vom Theater im Gärtnerviertel wirklich, als sie am 31.01.2018 Maria Stuart in der Version von Dacia Maraini auf die Bühne brachten. Im Foyer der Mälzerei Weyermann entfalteten sie auf engstem Raum und mit geringsten Mitteln einen Premierenabend voller Witz, Tragik und politischer Aktualität.

Maria Stuart von Friedrich Schiller ist ein Klassiker der Weltliteratur. Die Geschichte der beiden Königinnen, die so verschieden sind und doch ein ähnliches Schicksal teilen, die Bürde der weiblichen Herrschaft in einer männlich dominierten Welt, ist bekannt und oft gespielt worden. Die Version der italienischen Autorin Dacia Maraini nimmt diesen thematischen Aspekt auf und stellt ihn ins Zentrum. 

Weg fallen männliche Nebenfiguren und Intrigen, im Fokus stehen die beiden Frauen und was es bedeutet, gleichzeitig Frau und Herrscherin zu sein; was es bedeutet, eine machtvolle, selbstbewusste Frau zu sein. Dadurch erhält das Stück eine besondere Dringlichkeit und Aktualität. Es berührt hochaktuelle Debatten um Feminismus, Sexismus und die (mediale) Inszenierung und Instrumentalisierung weiblicher Körperlichkeit. Diese Themen werden mitunter etwas plakativ aufgegriffen, was jedoch zum insgesamt forschen Stil der Inszenierung passt und ihnen nichts von ihrer Wichtigkeit nimmt. »Du bist die Krone, Maria. Dein Körper gehört nicht dir, Maria«, rezitiert beispielsweise Maria Stuart, grandios gespielt von Aline Joers, immer wieder. Ihr Körper gehöre Schottland, sei dazu da, einen Thronerben zu produzieren. Ähnlich geht es Elizabeth, der Virgin Queen, ebenfalls großartig gespielt von Olga Seehafer, die sich weigert zu »Wer nicht wirft, wird geschlachtet«, so auch ihr düsteres Bild ihrer Funktion als weibliche Herrscherin.

Die Inszenierung betont die Gemeinsamkeiten der zwei Frauen, ihre Verbindung zueinander. Dies geschieht nicht immer auf sehr glückliche Weise. Zum Teil geraten die Szenen etwas repetitiv und das eigentliche Grundszenario, Marias Kampf um Begnadigung und ihre letztendliche Hinrichtung, geraten ins Hintertreffen. So wirkt die Schlussszene fast schon künstlich angehängt, als wäre allen Beteiligten noch nachträglich eingefallen, dass die Geschichte historisch ja so enden muss. Auch auf die große Begegnungsszene der Königinnen wartet man als Fan des Originals vergeblich. Dennoch sollten sich auch diese Marainis Version in der Inszenierung von Nina Lorenz ansehen. Aline Joers und Olga Seehafer, die beide auch die Kammerzofe der jeweils anderen Königin spielen, liefern eine tolle Performance in dieser 2-Frauen-Show ab und schlüpfen mit nur wenigen Handgriffen nicht nur in ihre beiden Hauptrollen, sondern mitunter auch in die einiger weniger männlicher Nebenfiguren. Eines der vielen Highlights in diesem Zusammenhang ist sicherlich Olga Seehafers Akkordeonspiel, mit dem sie sich ohne Kostümwechsel in Lord Leicester verwandelt. Die beiden Schauspielerinnen schaffen es, mit zwei Kostümen und einer Handvoll an Instrumenten und anderer Requisiten eine beeindruckende Bandbreite auf die Bühne zu bringen: von rezitierender Erzählung bis Gesang, von Witz bis Tragik hat diese Aufführung alles zu bieten. Dies in Zusammenhang mit dem so wichtigen politischen Grundthema dieser Inszenierung macht Maria Stuart vom Theater im Gärtnerviertel zu einem absolut sehenswerten Theatererlebnis.

Weitere Vorstellungen: 1. | 7. | 9. | 16. | 21. und 27. Februar || Beginn 20 Uhr || Foyer der Mälzerei Weyermann, Brennerstraße 17 - 19, Bamberg