Wir treffen uns im »Polarbär«

von Florian Grobbel (13. Februar 2017)

 

© Spielwerk Bamberg

 

Jaja, die Achtziger. Man kann ja viel kritisieren an der heutigen Zeit, aber jeder, der nach 1995 geboren wurde und je einmal einen Blick in den Führerschein seiner Eltern geworfen hat, schätzt sich glücklich in eine nicht so befremdliche Welt geboren worden zu sein. Doch zugegeben: Bei dem schmissigen Achtziger-Soundtrack, der die Inszenierung von Tony Dunhams Traumfrau verzweifelt gesucht begleitet, kann man nicht anders, als mit dem Fuß zu wippen, auch als Kind fern von dieser Prä-Tinder-Zeit der Kofferschreibmaschinen, Faxgeräte und diesen komischen Dingern namens Kontaktanzeigen. 

Harald, ein etwas pummeliger Softie um die 40, wurde von seiner langjährigen Freundin Julia verlassen, was ihn in ein ziemliches Loch stürzen lässt. Seine Sorgen vertraut er dem Publikum an, was dem liebevollen Teddybären sofort Sympathie verschafft. Außer von den mitfühlenden Zuschauern bekommt er Unterstützung von seiner besten Freundin Henriette, die ihm Tee kocht, Äpfel schneidet und ihn seelisch wieder aufbaut. Diese bringt ihn durch einen Blick in die Fränkische Nacht auf den Gedanken, es einmal mit Kontaktanzeigen auszuprobieren.

Zunächst etwas skeptisch, traut er sich schließlich doch auf eine der Anfragen einzugehen und trifft sich mit der Amerikanerin Trish, welche nach einigen Reisen durch die Welt nun in der Metropole Bamberg ihr Glück finden will. Sicher trägt auch der Umstand, dass sich die beiden genau in der Kneipe  treffen, in der sich Harald und Julia damals trennten, dazu bei, dass der neue Kontakt nicht so recht fruchten will. Doch mit einem Mal ist Harald gepackt von der Idee der Kontaktanzeigen. Nach und nach wird er selbst ein bisschen zu Leasure Suit Larry und geht eine erfolglose Verabredung nach der anderen ein. Dabei bedenkt er allerdings eines nicht: Frauen sind anders, als in seiner Fantasie.

Das ist kein Film von Dieter Wedel

Die Bamberger Version von Traumfrau verzweifelt gesucht unter der Regie von Klaus-Dieter Köhler versteht es auf jeden Fall die Stimmung der Achtziger zu vermitteln. Von passenden Hits wie Girls just wanna have fun und Like a virgin, über Knight Rider- und Magnum-Anspielungen, bis hin zu dem hübsch-hässlichen Werbeplakat der Aufführung. Man fühlt sich sofort wie in einer Kinokomödie dieser Zeit, woran auch der Erzählstil eins zu eins anknüpft. Das hat natürlich zur Folge, dass die Witze nichts Neues sind und die Handlung keine überraschenden Wendungen auf sich nimmt, doch die kleinen Anspielungen auf die damalige Popkultur und Bamberg-Insiderwitze erfrischen das Ganze ungemein.

Ebenso die kurzen Brüche in der Aufführung mit einem kurzen Seitenhieb auf die #MeToo-Debatte kommen unerwartet. So gefällt es der Schauspielerin Nadine Panjas überhaupt nicht, dass ihr Kollege Patrick L. Schmitz in seiner Rolle als Harald ein so klischeebeladenes Frauenbild hat und sich in seiner Fantasien die Traumfrauen als eindimensionale jauchzende Operndiven oder temperamentvolle, spanische Vollblut-Señoritas vorstellt. Nun kann man sehr leicht in einem beliebigen Stück solche hohlen Phrasen wie »aktueller denn je« einfügen und mit Gewalt jede Boulevard-Komödie als wichtigen Beitrag zur Gesellschaftskritik bezeichnen, doch hier bleibt es glücklicherweise bei kurzen Seitenhieben zu dem Thema (auch mit einem kurzen Gruß an Dieter Wedel) und man lässt Komödie Komödie sein. 

Was die Inszenierung auf jeden Fall bereichert und für einige gute Lacher beim Publikum sorgt, ist die bemerkenswerte Spielfreude der drei Schauspielerinnen und Schauspieler. Patrick L. Schmitz vermittelt dem Publikum eine schöne Abwechslung von Mitleid und Schadenfreude und Rebekka Herl, welche in dieser Premiere die beste Freundin Henri spielte, vertritt ohne Makel die verhinderte Schauspielerin Eva Steines. Herausragend ist allerdings die Leistung von Nadine Panjas, welche alle Traumfrauen spielt. Insgesamt fünfmal wechselt sie Rolle und Kostüm und verschafft es sowohl der breitbeinig-sitzenden Amerikanerin, als auch der heißblütigen Spanierin und der schüchternen Hesse-Liebhaberin Seele einzuhauchen und zeigt in jeder ihrer Verwandlungen überzeugend, was eine moderne Frau dieser Zeit auszeichnet.

Den Stimmen des Publikums zu Folge war es eine spaßiger Samstagabend-Unterhaltung, was ich nur unterschreiben kann. Ein lustiges Stück, welches durch die Bamberger Inszenierung nicht so eindimensional wirkt, wie anfangs vielleicht erwartet, gewürzt mit einer kleinen Prise Gesellschaftskritik. Und mit einem kleinen Cyndi-Lauper-Ohrwurm verlässt man die Alte Seilerei und überlegt, dass vielleicht nicht alles so furchtbar in der Prä-Tinder-Zeit war. Aber erzählt das nicht weiter…

 

Weiter Vorstellungen: 16. | 17. | 18. | 24. | 25. | Februar; sowie 4. und 18. März 2018 || jeweils 19:30 Uhr || Alte Seilerei