Wofür man einsteht

von Theresa Pausenberger (6. März 2018)

 

© Martin Kaufhold

»Herr, vergib ihnen nicht, denn sie wissen was sie tun« singt K.I.Z. in Hurra die Welt geht unter. Oder doch nicht? Was sind die Beweggründe von Jugendlichen, die in die Fänge des Islamischen Staates gelangen? Das versucht Morton Rhue in seinem Buch Dschihad Online zu begründen, das 2016 erschien. Alexander Ritter inszenierte nach der Stückfassung von Olivier Garofalos am 02.03.2018 die aktuelle Thematik für das ETA Hoffmann Theater in Bamberg für die Bühne. 

Die Hauptpersonen des Theaterstückes sind die zwei Brüder Khalil, authentisch: Marcel Zuschlag, und Amir, gespielt von Helge Salnikau, der auch Vitaly übernimmt, die allein ohne Eltern in den USA leben.  Denn diese flohen vor dem Massaker in Srebrenica, bei dem unschuldige Muslime während des bosnischen Bürgerkriegs ermordet wurden. Sie gingen zurück, wollten den Söhnen aber eine gute Ausbildung ermöglichen und ließen Khalil in der Obhut Amirs.

Trotzdem hat Khalil es geschafft: Er ist gut in der Schule, hat tolle Freunde wie Angie, gespielt von Marie Nest, und Vitaly, und lebt das normale Leben eines jeden Teenagers. Große Lacher erntete Khalils herzerwärmende Lehrerin Ms. Appleby, ebenfalls gespielt von Marie Nest, die ihm einen Schweinchenballon schenkt, mit dem Gedanken »Wenn Schweine fliegen können« als Motivation. Abgesehen von der Tatsache, dass er in einer eiskalten Kellerwohnung lebt ohne regelmäßiges Essen und seit einem misslungenen Einbruchs immer mit der Angst im Nacken, dass Amir abgeschoben werden könnte. Bei diesem Hintergrund kann vielleicht verstanden werden, weshalb sein Bruder die Propaganda des IS aufsaugt wie ein Schwamm: über Facebook oder Twitter. 

Schlag auf Schlag erfolgt die Abfolge der Tweets, die auf die Wand in Übergröße projiziert werden, sodass der Zuschauer selbst auch erschlagen wird. Die Macht der Worte, kommt einem in den Sinn. Auch Khalil erinnert sich in dieser Zeit an die ersten Ausgrenzungen durch Amerikaner und wird immer zwiegespaltener: Gehört er noch in die USA? Seine nächtlichen Gedanken dazu nimmt er mit Nachtlicht auf Video auf, das ebenfalls wieder überlebensgroß auf die Leinwand geworfen wird. Beeindruckend wird es mit einer Performance zu Lose Yourself von Eminem.

Als nun auch sein bester Freund Vitaly abgeschoben wird und er die Beziehung zu Angie verliert, ist es auch für ihn klar: Er hat niemanden, außer Amir. 

Weitere Vorstellungen: 07.| 08 .| 09. | 11. | 15. | 18. März, sowie 04.| 08. | 11. April || jeweils 20 Uhr || Studio des ETA Hoffmann Theaters.