Für die Freiheit 

von Nele Barfuß (16. März 2018) 

 

© Martin Kaufhold

 

Mit Schillers Stück Die Räuber hat bei der Premiere am 10. März 2018 ein echter Klassiker seinen Weg auf die Bühne des ETA Hofmann Theaters Bamberg gefunden. Bei seiner Uraufführung im Jahr 1782 glich das Theater angeblich einem Irrenhause und machte den jungen Dichter über Nacht berühmt. Bis heute hat Schillers erstes Drama nichts von seiner Aktualität und Faszination eingebüßt. 

Karl von Moor und sein jüngerer Bruder Franz sind zwei ungleiche Brüder. Während der Ältere der väterlichen Grafschaft entflieht und sein Glück beim Studium in Leipzig sucht, bleibt der jüngere Bruder Franz neiderfüllt zurück und muss sich mit dem Leben als Zweitgeborener zurechtfinden. Während der Lieblingssohn Karl (Daniel Seniuk) in Leipzig ein ausschweifendes Leben führt, fasst Franz von Moor (Bertram Maxim Gärtner) den Entschluss, mithilfe einer Intrige seinen verhassten Bruder um dessen Erbe zu bringen und dessen Beziehung mit dem gemeinsamen Vater zu zerstören. Es gelingt ihm und der völlig verzweifelte Karl lässt sich überreden, als Hauptmann einer Räuberbande im Namen von Freiheit und Gerechtigkeit Verbrechen zu begehen. Als Karl schließlich doch noch einmal zum väterlichen Anwesen zurückkehrt, um seine Braut Amalia (Anna Döing) und seinen Vater Maximilian (Stephan Ullrich) ein letztes Mal zu Gesicht zu bekommen, muss er mit Entsetzen feststellen, dass sein jüngerer Bruder Franz kurz davor steht seine Pläne zu vollenden und alle Macht an sich zu reißen. 

Schillers Erstlingsdrama handelt vor allem von zwei scheiternden Subjekten, die trotz verschiedener Handlungsweisen doch dasselbe Ziel verfolgen: Sich von den Konventionen und Pflichten, in die sie hineingeboren wurden, zu befreien. Letztendlich gelingt es keinem von beiden. Was als Kampf um Freiheit begann, endet im Nihilismus, der Zerstörung von allem, was ihnen einst etwas bedeutet hat, sie selbst eingeschlossen. 

»Freiheit ist das Kostbarste der westlichen Welt« meint Dramaturg Olivier Garofalo und gerade dieser Wert der Freiheit soll auch im Zentrum der Inszenierung stehen. Dabei sind das Bühnenbild und die Kostüme fast komplett in Schwarz- und Grautönen gehalten. Lediglich die unschuldige Amalia, die, nebenbei bemerkt, auch die einzige Frauenfigur des Stücks darstellt, darf Farbe tragen. Die überaus schlichte und minimalistische Inszenierung, die (fast) ohne Requisiten auskommt, erlaubt dem Zuschauer zwar, sich ganz auf die Figuren und Dialoge zu konzentrieren, wirkt aber zuweilen etwas statisch. Das schwarze Bühnenbild und die dunklen Kostüme verleihen dem Stück eine sehr düstere, fast schon bedrohliche Stimmung, was man sonst von den wilden und lebhaften Räubern eigentlich nicht gewohnt ist. 

Schillers Erstlingsdrama beweist immer wieder, dass die Frage, wie weit der Kampf um individuelle und gesellschaftliche Freiheit gehen darf, nichts von ihrer Komplexität und Faszination verloren hat. Auch nach weit über 200 Jahren sorgt eine Aufführung der »Räuber« für ausverkaufte Theatersäle, nicht zuletzt weil sich nie ganz festlegen lässt, welche der Figuren im Recht und welche im Unrecht sind, welche tugendhaft und welche lasterhaft sind. 

Weitere Vorstellungen: 17. und 18. März; jeweils 16 Uhr || 28. und 29. März | 05. | 06. | 07. | 10. und 12. März 2018 || auf der großen Bühne des ETA Hoffmann Theaters