Der Nächste, bitte

von Ramona Löffler (25.05.13)

"Lass uns nicht von Sex reden, ich weiß gar nicht, wie das gehen soll", sang Jochen Distelmeyer mit seiner Band Blumfeld. Und tatsächlich, auch die aktuelle Produktion der WildWuchs-Theatergruppe Reigen von Arthur Schnitzler zeigt: So einfach scheint es nicht zu sein. Deshalb wird auch weniger von Sex gesprochen als von Sehnsucht, Rausch, Vergnügen und dem Genuss des Augenblicks, denn "wer weiß, ob wir morgen noch's Leben haben." Stets werden Menschen zusammengeführt, die zwar aus unterschiedlichsten Lebenswelten und sozialen Schichten kommen, aber alle den Wunsch nach Einzigartigkeit und die Angst vor Einsamkeit teilen.

 Ein Reigen ist es nicht nur deshalb, weil nach jeder der zehn Szenen ein Partner ausgetauscht wird, sondern auch, weil es wie ein einstudierter Tanz wirkt, was die Paare da auf der Bühne aufführen: Wortreiche Verführung weicht nach dem Akt meist betretenen Ausflüchten und schnellen Abschieden. Das Muster der Frau (mit koketter Raffinesse von Susanna Bauernfeind und Hanne Hacker gespielt), die sich anfangs distanziert zeigt, wenn der Mann (abwechselnd Daniel Reichelt und Sebastian Stahl) sie wahlweise im Park, Salon oder Separée verführt, und anschließend selbst von ihm zurückgewiesen wird, wiederholt sich mehrfach. Obwohl das kurzzeitig zu Enttäuschung und der Vermutung führen mag, dass etwas im Wein gewesen sein müsse, beginnt der Balztanz bereits beim nächsten Aufeinandertreffen der Geschlechter von neuem.

Auf diese Weise diagnostiziert Schnitzler zwar ironisch die Lebens- und Liebeslügen jeder gesellschaftlichen Schicht - von der Prostituierten zum Zimmermädchen, vom Ehemann zum Schriftsteller, von der Schauspielerin zum Grafen - allerdings führt die zehnfache Wiederholung dieses Schemas auch zu gewissen Längen. Die Inszenierung (Theresa Frosch, Frank Fröba) überzeugt trotzdem, vor allem aufgrund der vier äußerst wandlungsfähigen Schauspieler, die stets gleichzeitig die Selbstsicherheit und Verletzlichkeit ihrer Figuren offenbaren. Verbunden werden die Episoden von Erregung und Ernüchterung durch amüsante Reflexionen über den Geschlechtsakt und kurze musikalische Stücke (Mia Kukuk, Florian Berndt, Frank Fröba).

Die auf den Punkt gebrachten Dialoge klingen noch 100 Jahre nach Entstehung so vertraut, dass man sich ab und an fragt, ob man jetzt eigentlich über das Geschehen auf der Bühne oder in Erinnerung an die eigenen Erfahrungen schmunzelt: "Schließlich, wenn zwei junge Leut' allein in einem Zimmer sind, und nachtmahlen und trinken Wein... es braucht gar nichts drin zu sein in dem Wein."

Weitere Vorstellungen finden am 27.-29. Mai und 6.-7. Juni 2013 im Jazzclub Bamberg statt, Einlass je ab 19.30 Uhr.