Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht. Aha.

von Ramona Löffler (06.06.13)

Am Mittwoch feierte die 80er Jahre Revue "99 Luftballons", eine Koproduktion des Landestheaters Schwaben und des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, in Bamberg Premiere.

Katherine (Josephine Bönsch) trifft in einer Karaoke-Bar auf Fred (Matthias Tuzar) und stellt fest, dass Liebe nicht unbedingt Sünde ist, aber ziemlich anstrengend. So folgt dem ersten Treffen, in dem es außer viel Wissenswertem über Bamberg nicht viel zu sagen gibt, eine gemeinsam verbrachte Nacht völlig losgelöst von der Erde, eine (a)politische Grundsatzdiskussion über verseuchte Gärten und Atomsprengköpfe, Liebeskummer, ein Wiedersehen am Ort des Kennenlernens und schließlich ein vorläufiges Happy End.

 

Erzählt wird die Geschichte in knapp zwei Stunden mit Ausschnitten aus über 60 Musikstücken der Neuen Deutschen Welle, was durch die große Bandbreite an Interpreten und Themen für Abwechslung sorgt. Liedfragmente von Nena, Paso Doble und Trio sind ebenso eingewoben wie Songpassagen Joachim Witts und der Spider Murphy Gang. Dass dadurch nur eine lose verbundene Rahmenhandlung entstehen konnte, ist zwar nicht ungewöhnlich für eine Revue. Die thematischen und emotionalen Übergänge hätten aber sinnvoller motiviert sein können. So gelang nur vereinzelt eine überzeugende Verknüpfung der Musiktitel.

Die Handlung wurde regelmäßig durch Auftritte Mannis (Matthias Wagner) unterbrochen, der zu verschiedenen Mottos musikalische und tänzerische Einlagen darbot und dabei auch stets das Publikum einbezog. Seine auf das jeweilige Motto abgestimmten plakativen Verkleidungen wurden stets mit amüsierten Gelächter begrüßt, rutschten aber ebenso wie das Erzählen von Mantawitzen des öfteren in überstrapazierte Klischees der 80er ab.

Gesanglich harmonisierte das Trio (musikalische Leitung: Boris Stannek) gut miteinander. Besonders positiv fiel Josephine Bönsch auf, die sowohl musikalisch als auch schauspierlerisch Bemerkenswertes leistete. Mit ihrer vartiationsfähigen Stimme interpretierte sie romantisch-gefühlvolle Songtitel ebenso brillant wie rockig-temporeiche und machte es zu seinem Genuss, ihr zuzuhören. Die inhaltlichen Schwächen konnten somit größtenteils übersungen werden.

Insgesamt kam die Inszenierung Rainer Lewandowskis beim vorwiegend älterem Publikumgut an, das nicht nur immer wieder mitsang, sondern die Sänger auch mehrmals für Zugaben auf die Bühne zurückklatschte und sich gern an die geilen, geilen Zeiten erinnerte. Jüngeren Besuchern und Fans der Neuen Deutschen Welle ist die Produktion vor allem aufgrund der musikalischen Leistung Josephine Bönschs zu empfehlen.

 

Weitere Vorführungen finden vom 20. bis 23. Juni jeweils um 20 Uhr im E.T.A.-Hoffmann-Theater statt.