Ein Lehrer am Rande des Wahnsinns

von Michelle Mück (29. April 2018)

 

© ETA Hoffmann Theater

 

Sascha hat sich umgebracht. Für die Schüler eines Gymnasiums ist der Schuldige dafür klar: Saschas Deutschlehrer, Herr Klamm, der ihn wegen eines einzigen Punktes durchs Abi hat fliegen lassen. Also verkünden sie ihm den Krieg. 

Die Premiere des Klassenzimmerstückes, welches ab jetzt durch die Schulen tourt, fand am 24. April im Gewölbe des ETA Hoffmann Theaters statt. Der relativ kleine Raum ist hergerichtet wie ein Klassenzimmer: Auf der Bühne steht ein Pult, dahinter eine Tafel und das Publikum sitzt als eine große Klasse in den Reihen davor. Das Ganze wirkt so realistisch, dass man sich gar nicht traut, sein Handy in die Hand zu nehmen oder den Unterricht durch irgendetwas zu stören. Denn der Lehrer ist streng!

Das Publikum ist zentraler Bestandteil der Show, es wird angefleht, beleidigt, angeschrien. Ansonsten ist das ganze Stück eine One-Man-Show, die von Florian Walter dargeboten wird. Das Publikum alias die Klasse können zusehen, wie ihrem Lehrer immer mehr die Kontrolle entgleitet, als er merkt, dass er zunehmend den Respekt seiner Schüler und den Anschluss zu den Kollegen verliert, bis er schließlich mit der Wahrheit rausrückt. 

Florian Walter hat in Klamms Krieg eine beeindruckende Leistung vollbracht. Ohne einen weiteren Schauspieler, der ihm Konter gibt, füllt er das Stück. Er führt Dialoge mit seiner Klasse, die jedoch nicht antwortet, hetzt über Kollegen, die man nie zu Gesicht bekommt, und hält seinen Unterricht. Mit einfachsten Mitteln ist ein herausragendes Stück entstanden, das sich zu sehen lohnt.