Stolz und Vorurteil der Geschworenen

von Sophia Klopf (30. April 2018)

 

© e.g.o.n.

 

Das letzte Stück der Theatergruppe e.g.o.n. brachte uns einen Hauch des amerikanischen Rechtssystems in das heimelige Bamberg: In Die 12 Geschworenen müssen ebendiese über Schuld oder Unschuld eines jungen Mannes entscheiden. Das Rezensöhnchen war bei der Premiere am 14.03. in der Alten Seilerei dabei.

Nach einem Gerichtsverfahren, das sich über sechs Tage erstreckt hat, müssen zwölf Menschen über ein Urteil entscheiden. Ein junger Mann mit Migrationshintergrund hat angeblich seinen Vater ermordet. Ist er schuldig? Zunächst scheinen sich alle einig zu sein und plädieren für die Verurteilung des Angeklagten. Doch dann spricht sich einer der Geschworenen für seine Unschuld aus. Ohne Zweifel hat er einen Nerv getroffen. Nun wird in der Gruppe lebhaft diskutiert und gestritten, und bald können nicht mehr alle zweifelsfrei ihre eigentliche Meinung vertreten…

Das Stück lebt durch die verschiedenen Charakterzüge der Geschworenen. Sie sind unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlichen Alters, unterschiedlichen Bildungsgrades, unterschiedlichen Berufes. Irgendwo sind die Figuren in dem Stück ja geradezu klischeehaft. Es gibt unter anderem den konservativen Vertreter der Stammtischparolen, die berechnende Börsenmaklerin, den cholerischen eiskalten Geschäftsmann und die bodenständige Anstreicherin. Aber genau dieses Pochen auf bestimmten Menschentypen gibt dem Stück die Würze und macht es spannend. Zudem bringen alle Schauspieler ihre Art Mensch wirklich glaubhaft auf die Bühne.

»Wer hat denn schon ein Monopol auf die Wahrheit?«

Langeweile kommt beim Zuschauen wirklich nicht auf. Und das, obwohl zum einen das Ende schon relativ früh ersichtlich wird und zum anderen permanent viel auf der Bühne geredet wird. Die Schauspieler*innen schaffen unter der Regie von Ralf Bergner-Köther die Zuschauer am Ball zu halten. Als Sahnehäubchen verleihen sie dem Stück eine gehörige Portion Humor, ohne den Ernst der Thematik zu verlieren. So lustig war doch Reginald Roses Film eigentlich gar nicht, aber wie man sieht funktioniert die Handlung auch mit Komik prima.

Was zuletzt noch unbedingt erwähnt werden muss, ist der Film am Anfang. Um die Figuren vorzustellen wurde ein Film gedreht, der aus der Sicht eines Autoinsassen durch Bambergs Straßen führt und zufällig an den einzelnen Personen vorbeifährt. Das Ganze hatte fast schon den Charakter eines Serienintros und war eine wunderbare Einführung, um die ursprünglich amerikanische Geschichte in das heimische Bamberg zu verlegen. Letztlich kann man nur sagen, dass es eine sehr spannende und lustige Aufführung war und man sich nur auf das nächste Stück von e.g.o.n. freuen darf.