Haben wir die Wahl?

von Anna Deerberg (2. Mai 2018)

 

© Martin Kaufhold

 

Auf der Suche nach einer besseren Welt konnte man am 27. Mai die Schauspieler des E.T.A. Hoffmann Theaters während der Premiere von Utopia – was fehlt? begleiten. Aufgelockert wurde das teils anspruchsvolle Stück immer wieder durch musikalische Szenen.

Die zentrale Frage, der die Aufführung nachgeht ist, ob es tatsächlich nur eine Wahl zwischen Freiheit und Gleichheit gibt. Auf der Suche nach Antworten reisen die Schauspieler in verschiedenen Rollen durch die Zeit und gewähren Einblick in unterschiedliche Formen der Gesellschaft. Sie finden verheißungsvolle Versprechen im Kommunismus, von dem sie sich dann jedoch bald wieder abwenden und die Suche fortsetzen. Immer wieder prallen Gegensätze verschiedenster Entwürfe aufeinander – die Suche nach dem Nicht-Ort gestaltet sich als schwierig; vielleicht sogar als unmöglich. Die Aufführung selbst lebt von zahlreichen Anspielungen und Bezugnahmen auf  vergangene Werke und Schriften. So findet nicht »Hans im Glück«, sondern auch Che Guevara seinen Platz auf der Bühne. Eine Antwort kann das Stück nicht liefern, aber es kann Anreize zum aktiven Handeln für jeden Einzelnen setzen. Dass diese Aufforderung ernst gemeint ist, zeigt sich nach der Pause. Geld wird eingesammelt, das Publikum soll geben, was es für angemessen hält. Anschließend an die Vorstellung darf sich das Publikum aber wieder nehmen, was es für angemessen hält.

Utopia – was fehlt? erlaubt Einblicke in ganz unterschiedliche Entwürfe der Lebens- und Gesellschaftsgestaltung. Wer hier Antworten sucht, wird Fragen finden – aber auch Anregungen das eigene Leben und Verhalten zu überdenken. Das Stück ist für all jene geeignet, die sich mit klassischen und anspruchsvollen Entwürfen auseinandersetzen möchten.

Das Bühnenbild wird während des Stückes eher dezent gehalten. Dies fällt kaum auf, da man sich sehr auf die Dialoge konzentriert. Wenn Worte dennoch an ihre Grenzen stoßen, setzt Musik ein, um Stimmungen zu transportieren. Hier bleibt besonders Angelika Bartsch in Erinnerung; ihre Stimme beschert Gänsehaut-Momente. Bemerkenswert ist der Bruch nach der Pause. Wo zuvor in anspruchsvollen Dialogen über das Für und Wider der verschiedenen Gesellschaftsformen diskutiert wurde, wird jetzt gelacht und das Publikum gekonnt einbezogen. Wer also einen entspannten Theaterabend verbringen möchte, kommt möglicherweise erst nach der Pause auf seine Kosten. Aber: Wer bleibt wird absolut belohnt.

 

Weitere Vorstellungen: 03. | 04. | 05. | 08. | 10. | 18. | 19. und 30. Mai, sowie 01. Juni || Große Bühne des ETA Hoffmann Theaters Bamberg.