Schmerzhafte Folgen einer unerwiderten Liebe

von Rebecca Meixner und Sophia Klopf (4. Mai 2018)

 

© Marion Bührle

 

Zugegeben, als wir darüber redeten, wie man den Werther wohl zeitgenössisch mit nur einem Schauspieler aufführen kann, sprang unser Kopfkino sofort an und lieferte uns so manches abgedrehtes Szenario. Als wir dann die Premiere zu Lieben. Leiden. Werther am 23.02. im Staatstheater Nürnberg bestaunten, wurden wir überrascht.

Als wir die schwarze BlueBox des Theaters betreten, sitzt Werther schon im Raum und zeichnet gedankenlos eines der zahllosen Portraits, die er schon von seiner Lotte angefertigt hat. Der Raum spricht schon von dem, was kommen wird. Die dunklen Farben der Ausstattung und die vereinzelten Herbstblätter deuten daraufhin, dass es wohl auch für Werther hier zum Ende kommt.

Werther ist nicht heillos rosarote Funken sprühend in der Welt der Liebe verloren und erzählt uns auch nicht nur über die Herrlichkeit seiner Angebeteten. Er ist ihr zwar verfallen, sucht aber dennoch das Rationale in seinen Obsessionen, nur um wieder festzustellen, dass das Schönste wohl die Liebe ist. Er hadert mit sich und seinem Platz in der Welt und erörtert das mitunter auch in philosophischen Diskursen mit sich selbst. Janco Lamprecht, der Werther spielt, geht auf in der Rolle des modernen, fast schon fanatischen jungen Mannes.

„Hier ist nicht die Frage, ob einer stark oder schwach ist“

Wer jetzt den Goetheschen Geist der Aufführung vermisst, dem sei Gewahr: Das Tagebuch gibt es auch in dieser Inszenierung. Werther liest uns daraus vor, um es dann in die Menge zu geben und verschiedene Zuschauer bittet, doch weiterzulesen. Diese lesen bereitwillig vor, aber Werther ist niemals zufrieden mit deren Interpretation seiner Einträge und spricht den Text hektisch vor, nur um festzustellen, dass er es wohl doch selbst machen muss, weil nur er seine Gefühle adäquat zum Ausdruck bringen kann. Diese Szene entbehrt nicht einer gewissen Komik und ist definitiv das Highlight der Aufführung.

Das verhältnismäßig kurze Stück hat es sich nicht zur Aufgabe gemacht, eine actionreiche Handlung des alten Stoffes zu präsentieren, sondern eher das Innere von Werther für den Zuschauer nach außen zu kehren und seine Gedanken nachvollziehbar erscheinen zu lassen. So bleibt tatsächlich nicht viel vom antiquierten Werther übrig: Der Sprung in die Gegenwart ist Markus Hoppe, der für die Inszenierung verantwortlich ist, gekonnt gelungen.

Lieben. Leiden. Werther eignet sich sowohl für „erfahrene“ Theatergänger als auch für Neulinge, denn es ist anspruchsvoll ohne den Zuschauer zu erschlagen. Absolut sehenswert.

 

Weitere Aufführungen: 04. und 12.06., sowie 10.07. | jeweils 20:15 Uhr in der BlueBox des Staatstheaters Nürnberg