Zwischen Sagen und Tun liegt der Seitensprung 

von Günter Strickle (07. Mai 2018)

 

© Teatralia

 

Nicht auf einer Theaterbühne, sondern im netten Lokal »Jugendkulturtreff IMMER HIN« in Bamberg fand am 2. Mai die Premiere dieser heiteren und doch auch sinnigen Komödie Tradire e fare statt. Das »IMMER HIN« bot eine gute Kulisse für die »Bar Teresa«, dem Treff- und Lebensmittelpunkt der Bewohner eines Dorfes tief in der italienischen Provinz. Die Zuschauer waren quasi mit drinnen in der Bar. Von der Begrüßung an der Kasse über die Anmoderation durch den Leiter des Projekts »Teatralia« Marco Depietri bis zur Aufführung wurde ausschließlich italienisch gesprochen. Dies stellte aber auch für die der italienischen Sprache nicht mächtigen Zuschauer/innen kein Problem dar, da an der Kasse ein Spickzettel für Nicht-Italiener/innen mitgegeben wurde. Durch die ausdrucksstarke und authentische Darstellung der Schauspieler/innen haben wohl die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer genießen und verstehen können.

Die Stammgäste in Teresas Bar unterhalten sich, darunter Carla und ihr Mann Sergio. Die beiden beginnen bald zu streiten, als Carla den Verdacht äußert, schwanger zu sein. In der nächsten Szene stellt Teresa in einem gefühlsbetonten Monolog sich selbst und ihre Stammgäste vor. Sie betont, dass für viele, die in der Provinz leben, die Bar mehr ein Zuhause sei als das eigene Zuhause. Es folgen Szenen mit Gesprächen unter Frauen und Männern, wie sie in Kneipen typisch sind. Als Carla mitteilt, dass sie schwanger sei, reagiert Sergio gleich mit zwei Ohnmachtsanfällen. Die Krise zwischen beiden wird dadurch verstärkt und vertieft, als Carla eine Fehlgeburt erleidet. Ausnahmslos alle Stammgäste kommen nun zu Wort, es bilden sich Fronten pro Carla und pro Sergio. Nachdem es nicht nur zu einem Seitensprung und zu zwei Schwangerschaften gekommen ist, klären sich am Schluss die Verhältnisse und es kommt gar zu einer unerwarteten Hochzeit.

Die Absicht des italienischen Autors und zugleich Regisseurs Stefano Giannascoli des Stückes war wohl aufzuzeigen, wie Menschen in der Provinz zwischen Anpassung, Heuchelei, gesellschaftlichen und familiären Zwängen Kompromisse bilden müssen. Ein unerwartetes Ereignis kann dann aber auch schicksalhafte Wendungen auslösen. Besonders gelungen ist die Vorführung durch die Fähigkeit der Schauspieler/innen, die Charaktere der Menschen in der Bar sehr authentisch darzustellen. Jeder Gast in der Bar hatte seinen Auftritt und jeder Auftritt hatte Klasse. Dies war schon während der Vorführung an den Reaktionen des zahlreich erschienenen Publikums zu erkennen, von viel Zwischenapplaus, über spürbarer Stille in dramatischen Szenen, Lachen und mitfühlenden Bemerkungen waren alle nur denkbaren Reaktionen vertreten. Nach langanhaltendem Applaus und Würdigung der schauspielerischen Leistungen der mitwirkenden Studierenden und der Leistung des aus Italien angereisten Autors und Regisseurs durch den Organisator von Teatralia, ging die Atmosphäre dank der Lokalität fließend in eine Backstagesituation über. 

Die nächste und letzte Aufführung des Stückes findet im Rahmen des Theaterfestivals in Bamberg am 12. Juli im ETA Hoffmann Theater statt und sei besonders Sprachstudenten als auch allen Liebhaber/innen der italienischen Lebensart und Kultur empfohlen. Für die der italienischen Sprache nicht Kundigen gibt es einen Spickzettel - alle können Spaß haben.