Das Wohl der Menschheit

von Florian Grobbel (13. Mai 2018)

 

© Paul Moser

 

Warum wurden eigentlich die Menschen erschaffen? Was ist der Zweck, dass auf der Erde Tiere leben, die genauso aussehen wie die Götter auf dem Olymp? Und was würde passieren, wenn man ihnen den Fortschritt beibringt? Werden sie dann nicht selbst zu Göttern? Diese Fragen beschäftigten das Ensemble als auch das Publikum bei einer neuen Premiere des e.g.o.n.. Am vergangenen Freitag, den 9. Mai, präsentierten sie in der Alten Seilerei Prometheus – oder: Die Abschaffung der Götter.

Wer in der Schule ein bisschen aufgepasst hat, dem ist die Rahmenhandlung noch geläufig. Der Titan Prometheus kommt aus einer Laune heraus auf die Idee ein neues Wesen zu erschaffen, das den Göttern ähnelt und die Erde bevölkern soll, so genannte Menschen. Der Plan wird von Vater Zeus und den übrigen Göttern zunächst belächelt. Tatsächlich sind die neu erschaffenen Wesen nur wilde Tiere, die gewisse Ähnlichkeit mit den Olympiern haben. Doch Prometheus ist nunmal der, der nach vorne blickt. Er gibt sein Projekt nicht auf, sondern unterrichtet die Menschen. So werden aus ungehobelten Wilden schnell zivilisierte Bürger, die Berufe wie Bauer, Müller, Händler oder Politiker ausüben. 

Ein wenig neidvoll blicken die Götter auf das Werk des Titanen, der nun noch mehr für die Menschen will. Mit List stiehlt er aus der Schmiede des verbitterten Hephaistos das göttliche Feuer, das Sinnbild für Fortschritt und industrielle Revolution. Die Menschen entwickeln sich immer schneller. Jetzt entdecken sie solch großartige Dinge wie Gene, Atome und bargeldloses Bezahlen, die das Leben so wunderbar einfach machen können. Aber da sind ja noch die Götter, die einen Racheplan aufstellen, bei dem eine gewisse Büchse der Pandora eine Rolle spielt…

»Die Götter sollen vergöttert werden«

Mit Prometheus bringt die Theatergruppe des »Immerhin« seine allererste Inszenierung wieder auf die Bühne. Damals im Jahr 2002 wurde das Stück von Manuel Müller uraufgeführt, welches er noch während seiner Schulzeit schrieb. Auch wenn das Ende der Geschichte und die zweifelhafte Entwicklung der Menschen nicht überraschend kommt und daher nichts wirklich Neues zur Gesellschaftskritik beiträgt, so ist das Stück doch eine wunderbare und intelligente Fortführung der griechischen Sage mit dem altbekannten Götterpersonal.

Wie schon in vielen Inszenierungen zuvor gelingt dem e.g.o.n. auch bei Prometheus ein wunderbarer Mix aus Komik und Ernst. Die Figuren sind alle herrlich bescheuert und bieten dem Publikum viel Spaß, beispielsweise wenn Ludwig Thormann als Banker-Mensch in Kinski-anmutender Manie sein Geld vergöttert. Doch dann schafft es das e.g.o.n auch immer wieder, dass dem Publikum irgendwann das Lachen im Hals stecken bleibt. Dazu tragen Szenen bei wie die Verkündung der göttlichen Übel durch Pandora, großartig gespielt von Rosa Molter. Ein absoluter Gänsehautmoment! 

Die Darstellung der Bewohner des Olymps ist ziemlich überdreht, was auch durch ihr farbenfrohes Make-up zum Ausdruck kommt. Ihre zugeteilten Posten scheinen den hier auftretenden Göttern nicht so zu liegen. So kommt Oberhaupt Zeus als ziemliches Weichei rüber, Göttin der Weisheit Athene scheint in ihrem Denken auch ein wenig eingerostet zu sein und dem fancy Götterboten Hermes will man nicht so recht glauben, dass er (wie er selbst behauptet) der Gott der weiblichen Mund-zu-Mund-Beatmung ist. So fällt die Abschaffung der Götter am Ende auch nicht wirklich schwer. Nur Hephaistos, gespielt von Ben Gehrig, scheint höchstselbst aus seiner Schmiede für diese Inszenierung auf die Bühne gekommen zu sein. Das alte göttliche Blut in den vor Wut pulsierenden Adern ist hier deutlich zu spüren.

Noch drei Mal wird Prometheus – oder: Die Abschaffung der Götter gezeigt. Es lohnt sich wirklich, da man einmal mehr sieht, wieviel Liebe das e.g.o.n in seine Stücke steckt. Angefangen vom Schauspiel, über Requisiten und Kostüme und dieses Mal auch im Text von Gründungsmitglied Manuel Müller. Dringende Empfehlung. Es wird göttlich!

 

Weitere Vorstellungen: 16., 17. und 18. Mai 2018 ||  jeweils 19:30 Uhr || Alte Seilerei Bamberg