Ein Riese ist ein Riese ist eine Windmühle

(Bild: Thomas Bachmann)

Am Samstag feierte das Musical "Der Mann von La Mancha" im E.T.A.-Hoffmann-Theater Premiere.

von Ramona Löffler (15.05.13)

"Ein Idealist muss nicht dumm sein, aber enttäuscht wird er immer sein." Selbst wenn Don Quijote während seiner leidenschaftlichen Romanlektüre auf diesen Satz Oscar Wildes hätte stoßen können, wäre er seinem Ziel wohl trotzdem weiter gefolgt: ein bisschen Güte in die Welt zu bringen. Das ist allerdings nicht so einfach, besonders, wenn sich die eigene Wahrnehmung der Welt so gravierend von der aller anderen unterscheidet.

Seit Jahrhunderten sorgt der Roman Miguel de Cervantes' für Unterhaltung und lächelndes Kopfschütteln über den Ritter, der zwar nichts so sieht, wie es ist - aber vielleicht, wie es sein sollte? Dass es dabei gewisse Gemeinsamkeiten zwischen Autor und Romanhelden geben könnte, schlägt Dale Wassermann in seinem erfolgreichen und mit fünf Tony Awards (u. a. für das Beste Musical) ausgezeichnetem Broadwaymusical "Der Mann von La Mancha" vor: Cervantes (Volker J. Ringe) kommt ins Gefängnis und muss sich etwas einfallen lassen, um die Mitgefangenen vom Verbrennen seines Manuskripts abzuhalten. Spontan arrangiert er die Aufführung seines Stücks und übernimmt dabei selbst die Hauptrolle. Mit Episoden, in denen natürlich der Windmühlenkampf, der Goldhelm des Mambrino und die Liebe zu Dulcinea nicht fehlen, überzeugt Cervantes die anderen Gefangenen schließlich nicht nur vom Wert seines Werkes, sondern auch vom Wert zu kämpfen, zu träumen und zu lieben.

Die Inszenierung (Ernö Weil) stellt einen ständigen Wechsel zwischen Unterhaltung und Ernst, zwischen Witz und Gewalt dar - und somit auch eine besondere Herausforderung für die Schauspieler. Die Leistung der Hauptdarsteller ist durchgehend bemerkenswert, doch auch die weiteren Ensemblemitglieder, die durchgehend auf der Bühne präsent sind, spielen überzeugend. Obwohl das Theater Bamberg als Schauspielhaus nicht auf Musikproduktionen spezialisiert ist, sind die teilweise mehrstimmigen Gesangseinlagen (musikalische Leitung: Manfred Knaak) sehr gelungen. Fröhliche, ermutigende Lieder Don Quijotes und Sancho Panzas (Patrick L. Schmitz) erklingen ebenso wie derbe oder nachdenkliche Lieder Aldonzas (Iris Hochberger). Dabei harmonieren die Schauspieler nicht nur miteinander, sondern werden auch stimmig durch das Nürnberger Ensemble KONTRASTE begleitet. Die farbenfrohe Kostümierung der Gefangenen hebt sich vom düsteren Bühnenbild des Inquisitionskerkers ab. Obwohl hoffnungsvolle und komische Elemente das ganze Stück durchziehen, werden sie verstärkt in der zweiten Hälfte immer wieder unterbrochen. Dabei wird nicht etwa einem fiktiven Zufluchtsort eine bedrohlichen Realität gegenüber gestellt, sondern klar gezeigt: Grausamkeit und Unmenschlichkeit gibt es überall - doch immer auch die Entscheidung, ihr entgegenzutreten. So lässt die erschütternde Vergewaltigungsszene zwar eine Aldonza zurück, die gebrochen scheint, aber gerade deswegen unbedingt etwas braucht, an das sie noch glauben kann. Sie ist es, die Don Quijote seinen Mut zu unmöglichen Träumen zurückgibt und ihn auch nach seinem Tod bewahren wird. Insgesamt bietet die mit großer Liebe zum Detail ausgearbeitete Produktion sehr viel mehr als seichte Abendunterhaltung und ist in jedem Fall sehenswert.

Weitere Vorstellungen finden statt am: 16. -17. Mai; 1.-2., 7.-9., 13.-14. Juni