I’m a loser, baby!

von Günter Strickle (1. Juli 2018)

 

© Jochen Quast

 

Es ist der 07. Juni 2018, 20.00 Uhr. Ort: Erlangen, Theaterhof Wasserturmstraße. Es ist kühl, ungefähr eine Stunde zuvor ist über Erlangen ein heftiges Gewitter mit Starkregen niedergegangen. Kurz vor halb acht hat es endlich aufgehört zu regnen, gerade rechtzeitig zum Einlaß zur Premiere. Veranstalter und Zuschauer haben großes Glück, der Open Air Liederabend im Theaterhof übers Gewinnen von Ekat Cordes kann pünktlich beginnen. Die vom Theater für den Not- und Regenfall vorgehaltenen kostenlosen Regencapes brauchen auch später nicht verteilt zu werden. Die Zuschauer sitzen auf Bänken und an Tischen Innenhof vor der Bühne. 

Es geht los. Mit fetziger Musik und tänzerischer Darstellung. Der Hauptdarsteller BIG L mit von einem Stirnband gehaltenen schulterlangen, gewellten grauen Haaren und einem glänzenden Overall mit Umhang singt, zunächst zwei Damen und ein junger Mann, alle mit rosa Umhängen, begleiten ihn dabei mit komischer Gestik und Mimik. Im Hintergrund spielen ein Schlagzeuger und ein Organist. Seitlich in einigem Abstand vor der Bühne steht eine lebensgroße goldene Lama-Nachbildung, das von den tanzenden Damen in die Szenerie mit einbezogen wird. Es geht ums Gewinnen, aber eigentlich ums Scheitern. BIG L stellt seine Mitspieler vor und vermittelt dem Publikum, woran sie gescheitert sind. Er ist derjenige, der sich ihrer annimmt. Sie müssen aber alles mit ihm teilen und für ihn da sein. Nacheinander tauchen noch weitere Verlierer auf, die ihre Geschichte des Scheiterns erzählen und von BIG L aufgenommen werden.

Die Darsteller vermitteln mit grossartigen schauspielerischem Talent ihre Schwächen. Zum Abschluss ihrer jeweiligen Vorstellung leiten die Akteure ziemlich brillant in Hits von Udo Lindenberg bis Johnny Cash, von Bonnie Tyler bis Radiohead über. Das Publikum reagiert teilweise beeindruckt von den Lebensgeschichten, amüsiert von der gekonnten Darstellung und fasziniert von den musikalischen Darbietungen. Es gibt nicht nur einmal Zwischenapplaus.

Es wird oft erwähnt, dass ein echtes goldenes Lama erscheinen soll und die Probleme alle dieser gescheiterten Menschen lösen soll. Dabei erinnert mich die Anwesenheit der goldenen Lama-Nachbildung sowie Äusserungen und Verhalten des BIG L, der sich wie ein Guru benimmt, und das Benehmen seiner »Anhänger« an heilsbringende Sekten. Die im Leben gescheiterten Anhänger müssen nur alles tun und geben , was BIG L von ihnen verlangt, dann wird sich irgendwann einmal die Verheissung auf das Erscheinen des goldenen Lamas erfüllen und alles wird besser werden. Doch durch Erscheinen einer mysteriösen Dame, die auch singend ihr Debüt gibt, wendet sich die Handlung in eine ganz andere Richtung.

In welche Richtung, können Interessierte noch in den folgenden Vorstellungen am 12., 13., 14. und 15. Juli 2018 im Theaterhof in Erlangen erfahren. Ein Theatererlebnis der besonderen Art ermöglicht eine Auseinandersetzung mit den Themen Scheitern und Gewinnen und dabei noch Ohrwürmer, rasante Gitarren-Riffs und schmissige Schlagzeug-Soli unter freiem Himmel zu genießen.