Die alte Art?

von Theresa Pausenberger (6. Juli 2018)

 

© Martin Kaufhold

 

Kurzbeschreibung: Lysander liebt Hermia, diese wird von Demetrius geliebt, den Helena liebt. Zumindest am Anfang. Dann lieben Demetrius und Lysander Helena und Hermia bleibt außen vor. Wem die ganzen Namen bekannt vorkommen und sich trotzdem »Hä?« denkt, der liegt richtig: Es ist Zeit für »Ein Sommernachtstraum« von William Shakespeare.

Am Anfang steht das große Problem an Theseus’ Königshof: Hermia soll Demetrius heiraten, obwohl sie und Lysander zusammen sein wollen, während eine Handwerkertruppe ein Theaterstück zu Ehren des Königs probt. Marie Nest spielt diesen Unwillen sehr passend mit einem langgezogenen Fiepen. Die Schauspielerin verkörpert auch hochkomisch Elfe und Thomas Schnauz. Den Alphakampf verdeutlichen Lysander (Marcel Zuschlag) und Demetrius (Paul Maximilian Pira) durch moderne Gesten und Mimik. Dadurch hat man eher das Gefühl, man stehe vor einer Disco als am altehrwürdigen attischen Königshof, was aber einen erfrischenden Wind in das Stück bringt. Dieser zieht sich das ganze Spiel hindurch und macht es unterhaltsamer, auch weil die ein oder andere Wendung der Handlung des shakespeare’schen Liebesgeplänkels nicht unbedingt überraschend kommt. Vor allem der alt bekannte »Esel« wird von Stefan Hartmann humorvoll gespielt.

Als sich die attischen Adelskinder im Wald von Oberon (Eckhart Neuberg) und Titania (Iris Hochberger) befinden, geht der Spaß aber sowieso erst richtig los. Die Schauspieler sind sich dabei auch nicht zu schade, sich bis auf die Unterhosen auszuziehen. Puck, gespielt von Eric Wehlan, bringt beim – nun halb nackt – schlafenden Lysander die alte „shakesperianische“ Sprache hinzu: „Dort liegt er, in attischer Tracht“, weswegen die Zuschauer aus vollem Halse lachen. Sowieso. Zuschauer. Puck ist mal in den Publikumsrängen, holt sich Blumen aus den Balkonen der Alten Hofhaltung und bringt die Zuschauer wieder zum Lachen, als er sich verzählt, weil er die Sitze im Publikum mit einbezieht. Susi Weber spielt ganz hervorragend mit der Bühne in der Bühne – die am Anfang aufgebaut wird und an deren Seiten sich die Schauspieler umziehen und besprechen. Mit den Handwerkern, die am Ende »Pyramus und Thysbe« aufführen, wird es dann eine Bühne in der Bühne in der Bühne. Musik wird ebenfalls eingebaut, wie der Glitzer, den die Elfe über Titania streut, oder Vogelgesang, der sich mit den Schwalben in der Alten Hofhaltung vermischt. 

Am besten kann man das Stück wohl mit dem Zitat des Handwerkermeisters Peter Squenz beschreiben: »Eine tragische Komödie«. Auf jeden Fall ist es eines der lustigsten Stücke, die der Theatersommer zu bieten hat und mit dem Hintergrund der Alten Hofhaltung ein ganz besonderes Erlebnis.  

 

Weitere Vorstellungen am: 10.| 11.| 12. | 13. |14. | 15. | 18.| 19.| 20. | und 21. Juli 2018