Wie Hundertwasser die Welt rettet

von Karsten Babucke (11.05.2013)

Das Leben und besonders das Gedankengut des Künstlers und Philosophen Friedensreich Hundertwasser setzten das Pygmalion Theater aus Wien bei ihrem Gastspiel im E.T.A Hoffmann Theater in Bamberg eindrucksvoll um. Die musikalische Leitung des Musicals hatte Roland Baumgartner und inszeniert wurde das Stück von Geirun Tino.

 

Das Bühnenbild wurde betont schlicht und farbreduziert gehalten. Eine Kachelwand aus Papierblättern bildete den Hintergrund, durch die Hundertwasser mit seiner Muse schritt. Es wurde eine karge, zerstörte futuristische Welt dargestellt, in der es keine Bäume gibt und in der die Luft von Chemikalien und Atommüll verpestet ist.

In dieser Welt entdecken die letzten Überlebenden einen Baum - den Baum der Weisheit. Der den Bewohnern dieser Erde von Hundertwasser und seinen Ideen die Welt zu retten erzählt. Da erscheint Hundertwasser auf der Bühne und belebt die Welt wieder mit Farben und Formen. Er duelliert sich mit seinem Konkurrenten, einem großen Weltarchitekten und Vertreter der geraden Linie, die für Hundertwasser den Untergang bedeutet. Als Hundertwasser schon zweifelt die Menschheit überhaupt noch retten zu können, erscheint ein allwissender Straßenkehrer. Er führt ihn auf den rechten Weg. Der Straßenkehrer ist eine Figur, die ein Schattendasein führt, da alle an ihm vorbei ziehen ohne ihn wahrzunehmen. Zudem ist er eine Symbolfigur für Gott, der die Wege der Menschheit ebenso unsichtbar wie allgegenwärtig bereitet, ohne den die Welt aber im Chaos versänke. Im zweiten Akt gesellen sich zu Hundertwasser die großen Berühmtheiten Österreichs, die ihn auf die endlose Reise mitnehmen möchten. Denn Hundertwasser ist wie sie in den Erinnerungen der Menschheit verblieben. Er allerdings geht am Ende seinen eigenen Weg weiter.

So durchlebt man in dem Musical das Seelenleben des Künstlers als würde man einen Traum Hundertwassers beobachten. Es wurde bewusst nicht auf die Kunst Hundertwassers, sondern auf seine Botschaften eingegangen. Besonders in der heutigen Zeit, in der von Atomkatastrophen in Fukushima bis zu Umweltverschmutzungen, wie Atommüll im Ärmelkanal, der Albtraum wahr wird, trifft dieses Werk den Zahn der Zeit. So stellt sich beim Publikum nicht das Gefühl eines Happy Ends ein, wobei die Schauspieler im Finale Hundertwasser als Freund der Erde feiern. Ein faszinierendes Musical, das zum Denken anregt und bei dem man sich bewusst wird, dass die Ideen von Hundertwasser weiterhin aktuell bleiben. Dass die Veränderungen im Angesicht solch großer Probleme nur minimal bleiben, liegt vielen auf der Seele. Daher ist der Funken im Finale eher schwer übergegangen, man fragt sich: Geht der Traum in Erfüllung oder enden wir auch bald so wie in dieser grausigen Zukunftsvision?

Hundertwasser! The Play of Songs
// Roland Baumgartner
Multimedia-Musical | Gastspiel Pygmalion Theater Wien
E.T.A Hoffmann Theater