Wie weit würdest du gehen für ein Kind?

von Hannah Deininger (15. Juli 2018)

 

© BUEDG

Am Donnerstag, den 12. Juli 2018 konnte man in der Alten Seilerei die Premiere des englischen Stücks no pink. no blue. nach Federico García Lorcas Yerma erleben. Das moderne Stück – präsentiert von der Bamberg University English Drama Group – erzählt von einer Frau, die zwischen Karriere und Beziehung einen Kinderwunsch entwickelt. 

»Her«, gespielt von insgesamt vier Darstellerinnen, hat sich gerade zusammen mit ihrem Mann ein Haus gekauft, ist 32 Jahre alt und erfolgreiche Online-Journalistin, als sie beschließt, dass es Zeit ist, ein Kind zu bekommen. Warum, weiß sie nicht so genau, vielleicht ja, weil alle das so machen. Je länger es dauert, desto verzweifelter wird sie. Die Verzweiflung frisst sich ihren Weg in alle Lebensbereiche: die Paarbeziehung, den Job, den Kontakt zu Schwester und Mutter. In kurzen Szenen, die an Schnappschüsse erinnern, werden die Zuschauer eingeladen, verschiedenste Einblicke in das Leben der namenlosen Hauptprotagonistin zu gewinnen. Anfangs fröhlich und selbstbewusst erscheint »ihr« am Ende ein Entkommen aus der Verzweiflung unmöglich.

Das Stück schafft es mit wenig Utensilien viel Raum zu erzeugen, der Zuschauer wird durch geschickt eingesetzte Requisiten in seiner Vorstellungskraft angeregt, aber nicht überfordert. Gut umgesetzt ist auch die emotionale Entwicklung der Protagonistin durch die vier Besetzungen. Die zunächst zufriedene Powerfrau, fängt erst an ihr Hauptthema »schwanger werden« auch in ihren Onlinejournalismus mit einzubeziehen. Dadurch wird auch der Arbeitsplatz damit ausgefüllt. Als die Verzweiflung größer wird, flüchtet sie sich in viel Alkohol und ein Geplänkel mit ihrem früheren Partner. Schließlich nimmt die Verzweiflung überhand und bestimmt den kompletten Alltag. Ausnahmslos kreist sie nun um das Thema schwanger werden, wirkt dabei fast wahnsinnig, steht am Ende vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens. Dieser emotionale Ausnahmezustand wird sehr beeindruckend durch Lucie Homann dargestellt. Einen schönen Rahmen um das Stück bildet eine Stimme aus dem Off. So beginnt das Stück mit einer Beschreibung der leeren Bühne: »This is a dark, empty stage.« und endet auch mit dieser. Danach geht man nach Hause, den Kopf voller Fragen, die die Aufführung aufwirft: Warum kann eine selbstbewusste, junge Frau im 21. Jahrhundert so verzweifeln, wenn sie nicht schwanger wird? Gibt es nicht so viele andere Dinge, über die sich Frauen heute definieren könnten und sollten? Warum schafft es niemand, sie wieder zurück zu holen? Wie weit würde man selbst für ein Kind gehen? Und wo kommen die ganzen talentierten Schauspieler an der Universität Bamberg her?

Weitere Vorstellungen: 19. Juli in der Stadtbücherei Bamberg