„Alles nur Gauner in dieser Stadt“

von Günter Strickle (29.Oktober 2018)

 

© Konrad Fersterer

Wie kommt englischer Humor in Franken an? Sehr gut! Dieser Eindruck wurde bestätigt bei der Premiere von„Komödie mit Banküberfall“ am 20. Oktober 2018 im Schauspielhaus beim Staatstheater Nürnberg. Die Autoren des Stückes, Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields gehören zu der britischen Theatergruppe „Mischief Theatre“, die vor zehn Jahren von einer Gruppe von Studenten der „London Academy of Music & Dramatic Art" gegründet wurde und mittlerweile von Großbritannien bis New York und von Europa bis Asien bekannt ist.

Mit der Inszenierung von Regisseur Christian Brey in Nürnberg konnten die Zuschauer die deutschsprachige Erstaufführung erleben. Erleben im wahrsten Sinne des Wortes, nach nur wenigen Minuten zeigten wiederholtes Lachen und häufig spontaner Applaus, dass auch das Publikum voll bei der Sache war, oft wurde bereits gelacht, wenn aus einem Satz oder einer Handlung nur im Ansatz schon zu erkennen war, worauf es hinauslaufen würde. Und das lag nicht etwa nur daran, dass die Autoren des Stückes mit den Tücken Sprache und Objekt spielten und den schlechten Kern der meisten am Geschehen Beteiligten offenlegten, sondern auch daran, dass die Schauspieler*innen in Sprache, Gestik und Mimik einfach große Klasse waren.

Minneapolis, eine mittelgroße amerikanische Stadt in den 1950er Jahren. Im Gefängnis wird bekannt, dass der ungarische Prinz Ludwig einen wertvollen Diamanten bei der Minneapolis City Bank zur Aufbewahren übergeben will. Dies weckt Begehrlichkeiten. In Gesprächen zwischen den Gefängnisaufsehern und Häftlingen, geprägt von Obrigkeitshörigkeit in Hierarchien, Einfältigkeit und Naivität, wird der Ausbruch einiger Insassen geplant und ausgeführt. Zur gleichen Zeit werden bei der Bank Vorbereitungen für die sichere Verwahrung des Diamanten besprochen auf nicht gerade höherem Niveau. In den Gesprächen werden die Menschen vom Gefängnisaufseher bis zum Kriminellen und vom Bankdirektor bis zum ausgenutzten Praktikanten, durch ihre Art zu reden und anderen zu begegnen, vorgestellt, wenn nicht sogar bloßgestellt. Die gerissene Tochter des Bankdirektors tritt auf, sie führt viele Männer an der Nase herum, um sich aushalten zu lassen. Als ihr wohl echter Geliebter nach der Flucht aus dem Knast bei ihr auftaucht, geht es sehr turbulent zu, nachdem sie zu vermeiden versucht, dass sich all ihre Freunde in ihrer Wohnung begegnen. Da auch alle irgendwie mit dem geplanten Banküberfall zu tun haben, auch der Sohn der Kassiererin, kommt nun richtig Fahrt in die Geschichte. Gesangseinlagen einzelner oder mehrerer Darsteller begleitet von einem Banjo im Musikstil des Amerika der 1950er Jahre bereichern die Szene, die sich immer mehr zur Verwechslungskomödie entwickelt.

Es wird spannend. Der Banküberfall wird ausgeführt mit Akrobatik an Seilen und mit Singen des Kinderliedes „Schlaf Kindlein schlaf“ und einer neu erdachten Strophe hierzu. So wird der Bewacher des Diamanten vom Aufwachen abgehalten. Nach gelungenem Raub und während der Flucht über die Klimaanlage wird die Komödie zur Tragödie. Es gibt Tote, einerseits durch einen Unfall aber auch durch Schusswaffengebrauch.

Eine Szene verdient es, als besonders gelungen und anspruchsvoll in jeglicher Hinsicht erwähnt zu werden, von der Kulisse über Projektion bis hin zu den akrobatischen Fähigkeiten des Praktikanten der Bank, der tatsächlich die glatte Wand hochklettern musste und dem Bankdirektor aus dieser Situation heraus noch Kaffee einschenkte. Zum glücklichen Ende dieser Vorstellung kam auch noch die Liebe zu ihrem Recht und eine Fehleinschätzung wurde deutlich. Es gibt nicht nur Gauner in dieser Stadt, heutzutage müsste es korrekt heißen „Alles nur Gauner*innen in dieser Stadt“. So hat am Ende überrascht, dass eine Frau, der es anfangs wohl niemand zugetraut hätte, die Männer an der Nase herumgeführt und sich am Schluss noch den Diamanten geschnappt hat. An diesem sehr lustigen und unterhaltsamen Abend konnten die Zuschauer lernen, dass es gut ist, den Menschen mit etwas Misstrauen zu begegnen.

 

Kommende Vorstellungen: 04. | 10. | 11. | 22. | 24. November; sowie: 02. | 15. | 22. | 23.| 31. Dezember || im Schauspielhaus des Staatstheaters Nürnberg.