Ein revolutionär gefährlicher Abend!

von Martje Kuhr und Anja Brenner (25. November 2018)

© Martin Kaufhold

Die Geschichte Bayerns wird lebendig in diesem autobiographischen Stück von Ernst Toller. Es lebe die Räterepublik Baiern! Ein Ausschnitt unserer Geschichte, die kaum bekannt ist. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ist geprägt von Tumult und dem Streben nach Macht. Ernst Toller und seine Genossen, Gustav Landauer und Erich Mühsam, repräsentieren die Literatenszene. 

Ziele ihrer Revolution? Frieden, Bildung, Gleichberechtigung, Menschlichkeit. Nur sechs Tage hatten sie Zeit, sechs Tage voller Freude, voller Angst und voller Ungewissheit. Und doch eine Zeit der Hoffnung. Hoffnung auf eine Welt ohne Nationalismus. 

„[Die] Schätze der Erde gehören restlos allen Menschen!“

Eine Uraufführung mit Knall. Zwei Schauspieler, ein Raum und seine Insassen. Ein Abend, an dem der Saal zur Bühne und die Zuschauer zu Statisten wurden.  Ein Stück der Gegensätze mit Wirrungen und Wendungen.  Der Spannungsbogen ist konstant hochgehalten durch eine glänzende Darstellung der Hauptrolle. 

Chapeau an die Schauspielerin! Ewa Rataj, als Ernst Toller, führte uns durch 90 Minuten Gefühlschaos: Sie flehte, jubelte, trauerte, verzweifelte. Wir erlebten die Revolution hautnah, angetrieben von der Leidenschaft Tollers. 

Im Gegensatz zu dem literarischen Material, das gut 100 Jahre alt ist, wurde das Bühnenbild, durch seinen modernen Minimalismus geprägt. Das Spielen mit Licht, Farbe und Ton verkörperte treffend die gespaltene Identität der Gesellschaft. Auch die stilisierten roten Mohnblumen erinnern an das Vermächtnis des Ersten Weltkriegs, das noch allgegenwärtig die Zeit des Umbruchs beherrschte. 

Negativ aufgefallen sind allerdings die zwanghaft witzigen Unterbrechungen der Moderatorin, die zweifellos dazu dienen sollten, dem Publikum einen kontextuellen Rahmen zu bieten. Sie wirkten aber ab und an deplatziert, ja schon fast grotesk. Es wurde gewissermaßen der Bann gebrochen, in den Ernst Toller die Besucher gezogen hatte und deren Aufmerksamkeit gestört. Trotzdem lockte es, durch die oftmals frechen Kommentare, nicht nur das ein oder andere Schmunzeln hervor, sondern auch herzhaftes Gelächter.  

Das Stück überzeugte mit seinem hochaktuellen Realitätsbezug. Die Thematik trifft uns näher, als uns lieb ist und warnt zugleich vor dem Lauf, den die deutsche Geschichte genommen hat. 

Wer noch nicht ganz davon überzeugt ist, dem Theater einen Besuch abzustatten: ein paar glückliche Besucher haben die Chance, im Zuge der Vorstellung, Freibier zu genießen.

Weitere Vorstellungen am: 28. und 29. November und 2., 5., 6., 7., 14., 15., 19., 20. und 21. Dezember 2018 || ETA Hoffmann Theater