Alles in Butter

von Theresa Ehrl (08. Februar 2019)


© WildWuchs Theater


Das WildWuchsTheater hat seinem Ruf wieder einmal alle Ehre gemacht und mit „Der Geizige“ von Molière mühelos kreativ einen Klassiker auseinandergenommen und mit andern Puzzleteilen wieder zusammengesetzt.

Der Name ist Programm an diesem Abend, denn Krösus ist der, der ihn veranstaltet sicher nicht. Zumindest beteuert der Intendant als Stimme aus dem Off mehrmals die Mittellosigkeit des armen Theaters und schlägt höflichst vor, Mäzenen und Presse in den Arsch zu kriechen. An dieser Stelle herzlichen Dank für den Discounter-Sekt und dem halb-getoasteten Toast mit Lachsersatz in der Pause.

Der Geizige mit drei Schauspielern, einer Kleiderstange mit zweckmäßigen Kostümen, einer blauen Entenmaske, ein Koffer, ein paar gebrauchten Druckern und einem goldenen Kalb aus Pappmaschee. Da hat sich das Wildwuchs eine Aufgabe gesetzt, die verlangte, das Stück mehr oder weniger grundlegend zu verändern.

Zuerst scheint alles bei rechter Ordnung zu sein. Der Diener Valère schmachtet nach der Tochter seines Chefs Élise, Cléante schwärmt für seine Mariane, der Vater nach seinem Geld, das er vor seinen Kindern und aller Welt aufs Beste beschützt. Alles so wie im Original, sieht man mal darüber hinweg, dass Harpagon sich am Liebsten auf seiner Toilette aufhält, aus der er regelmäßig Geldscheine schöpft. Ein buchstäblicher Geldscheißer eben.

Eine Welt aus Gold und Butter

Spätestens als aber der für die Schauspieler scheinbar gottgleiche Intendant sich zu Wort meldet und die Darsteller nach seiner Pfeife tanzen lässt, verliert die Inszenierung ein wenig die Kontrolle und artet in einem Schluss aus, den ich in meinen Notizen als „APOKALYPTISCHES DURCHEINANDER“ und „EPICNESS“ beschrieben habe. 

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es geht unter anderem um einen festsitzenden Astronauten, die Bibel und illegalen Gelddruck. Mit Molière hatte das dann nicht mehr viel zu tun, aber wir reden hier ja auch von Wildwuchs-Theater. Ich würde ihnen eine schwerwiegende Identitätskrise zuschreiben, hätten sie den alten Stoff nicht zu ihrem eigenen gemacht und Butter als neues Symbol der Dekadenz definiert. 

Für alle WildWuchs-Fans da draußen eine neue lohnende Erfahrung des lehrreichen Schwachsinns!

Weiter Vorstellungen: 15. Februar, sowie 01. und 02 März || Haas Säle Bamberg