Siegfried ON AIR

von Verena Bauer

„Live-Hörspiel“ nennt Stefan Kaminski seine Interpretation des zweiten Spieltages von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen. Doch weit mehr als ein Hörspiel ist das, was der Berliner Schauspieler unter dem Titel Siegfried auf die Bühne bringt.

Während seine Kollegen Sebastian Hilken und Stefan Brandenburg auf Instrumenten wie einem Nadelklavier oder einem E-Cello für stimmige musikalische Untermalung sorgen, schlüpft Kaminski selbst rasend schnell von einer Rolle in die nächste. Ein zwiegespaltener, unterwürfiger und hinterhältiger Zwerg Mime – manche mögen sich hier an ein bestimmtes Wesen aus der Herr der Ringe-Trilogie erinnert fühlen – wechselt sich ab mit einem herrischen und nicht gerade vor Intelligenz, dafür aber vor Selbstbewusstsein strotzenden Siegfried. In der nächsten Sekunde erscheint ein trinkwütiger, aber auch tiefgründiger Wotan auf der Bildfläche und kurze Zeit später streitet sich Siegfried mit dem zornigen Drachen in der Höhle. Selbst die Rolle der Brünhild übernimmt Kaminski höchstpersönlich, und als wäre es damit nicht genug, erzeugt er auch noch die entsprechenden Hintergrundgeräusche. Bei all dem Hin und Her schafft es der gebürtige Dresdner dennoch, jeder der Rollen Authentizität und Individualität zu verleihen.

 

Was Kaminski als Unterstützung bei seiner Hetzjagd von einer Inszenierung dient, sind diverse Requisiten und Körperhaltungen, die den verschiedenen Charakteren zugeordnet sind – diese sorgen gleichzeitig für einen eindrucksvollen schauspielerischen Effekt: Wotan kommt mit einem knorrigen Holzstab daher und vertilgt gefühlte zwei Liter „Schnaps“. Siegfried hat immer sein Jagdhorn dabei und trägt sein lockiges Haupt stolz auf den kräftigen Schultern, während Mime diese eher gebeugt und hochgezogen hat. Das witzigste Requisit ist wohl die Mütze, die Kaminski zur Verkörperung des Drachen, der den Nibelungenschatz bewacht, aufsetzt. Doch diese gewisse Prise Selbstironie tut dem Stück keinen Abbruch, im Gegenteil. Auch das Lied von Siegfried und Brünhild ruft nämlich beim Publikum ein paar Lacher hervor – doch gut gemeinte, denn was da auf der Bühne stattfindet, ist das reinste Rock-Konzert. Neben all dem Spektakel auf der Bühne darf auch ein großes Lob an die Lichttechnik ausgesprochen werden, der die Aufführung einen großen Teil ihrer Eindruckskraft verdankt und die den einzelnen Szenen erst den letzten Schliff verpasst.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Siegfried sich als überaus sehenswert erweist, ja geradezu als Juwel in der modernen Theaterlandschaft und gleichzeitig als Hommage an die Technik als „Hilfskraft“ des Theaters. Stefan Kaminski zeigt sich als begnadetes Multitasking-Talent, umwerfender Hör- und Schauspieler, und mimt zu guter Letzt auch noch den Rocksänger. Wer mehr von dem sympathischen Vielseitigen hören oder sehen will, kann dies auf www.kaminski-on-air.de.

Siegfried
Stefan Kaminski nach Richard Wagner
Dreidimensionales Live-Hörspiel
E.T.A Hoffmann Theater Bamberg