„Machen Sie doch keine Witze“

von Antje Günther (06. April 2019)

© Frederik Fischer

Gerade dies taten die vier Schauspieler des e.g.o.n. jedoch zuhauf, als sie bei der Premiere am Freitag, den 05. April in der Alten Seilerei in Bamberg Alfred Hitchcocks Die 39 Stufen auf die Bühne brachten. Die Krimifarce, basierend auf der Theaterfassung von Simon Corble und Noby Dimon, persifliert den Filmklassiker von 1935 und sorgte für viele Lacher.

Szene für Szene wird der Film nachgespielt und durch den Kakao gezogen. Handlung und sogar der Text der Schauspieler ist größtenteils mit dem der deutschen Synchronfassung des Films von 1966 identisch. Während Hitchcock die Geschichte um Richard Hannay, der in ein Spionagekomplott verwickelt wird und ständig auf der Flucht ist, jedoch ernsthaft erzählt, nimmt die Theaterfassung von Corble und Dimon die Absurdität und Komik der Geschichte in den Blick. Mit nur wenigen, mitunter handgemachten Requisiten und lediglich vier Schauspielern, die insgesamt knapp 30 verschiedene Rollen übernehmen, wird der Film von einer spannenden Spionagegeschichte vom ‚Master of Suspense‛ zu einer Farce, die mit absurdem, derb-komischen Humor unterhält. Getragen wird dieser Humor in erster Linie vom überzeichneten Spiel der vier Schauspieler. Insbesondere Anja Wagner und Stefan Huber, die jeweils 12 unterschiedliche Personen spielten, sorgten für große Erheiterung, sei es als zotenreißendes Vertreterduo im Zug nach Schottland oder als Hotelierpärchen Mr. und Mrs. Garrigle, die sich scheinbar aus Bayern nach Schottland verirrt haben und Hannay und Pamela in breiter Mundart empfangen. Blass dagegen wirkte Jana-Rebecca Hilser, welche die drei zentralen Frauenfiguren des Films verkörperte. Ihre Darstellung der Figuren geriet sehr ähnlich, was gerade bei Zuschauern, die mit dem Film nicht vertraut sind, für Verwirrung sorgte. 

Insgesamt stellt dies ein gewisses Problem des Stücks dar: wer den Film noch nie gesehen hat, kann der Handlung kaum folgen, geht diese doch unter den vielen Slapstickeinlagen und komödiantischen Überspitzungen unter. So fragt man sich als Nicht-Filmkenner zu Recht, wo eigentlich plötzlich Pamela herkommt oder kann einzelne Figuren nur schwer bis gar nicht identifizieren. Dem Spaß am Stück tut dies nur bedingt einen Abbruch; auch ohne Wissen über den Film wird man als Zuschauer gut unterhalten. Für Filmkenner dagegen hält das Schauspiel eine Vielzahl von Anspielungen auf Hitchcocks Werk und seine weiteren Filme bereit, wodurch sich für diese Zielgruppe eine weitere Ebene der Komik ergibt. So wird beispielsweise die berühmte Maisfeldszene aus Der unsichtbare Dritte aufs Korn genommen und kurzerhand in die schottischen Highlands verlegt. Letztendlich verspricht Die 39 Stufen jedoch einen lustigen Theaterabend, ob Filmkenner oder nicht. 

An diesem speziellen Premierenabend wurde die allgemeine Komik des Stücks dann noch durch einige Pannen verstärkt: so weigerte sich beispielsweise Hannays Oberlippenbart partout dagegen, an seiner angedachten Stelle zu bleiben, und sowohl die Regie, übernommen von Rosa Molter, als auch Requisiten wie der Fluss, dargestellt durch Wagner, Huber und einen blauen Müllsack, verpassten einmal ihre Einsätze. Möglich, dass diese Pannen sogar geplant waren, trugen sie doch eher zum Charme der Aufführung bei, als diese zu untergraben. Bei all ihrem Witz und Charme gerät die Komödie auf Dauer jedoch etwas repetitiv. Die Gags, von denen einige etwas zu oft wiederholt oder zu lange gehalten werden, sind irgendwann bekannt und der zweite und dritte Akt bieten wenig Neues. Mit einer Spielzeit von über zweieinhalb Stunden zieht sich das Stück gegen Ende etwas, wird über das Lachen hinaus doch keine andere Emotion geweckt und auch die Art der Komik kaum variiert.

So bieten Die 39 Stufen einen Theaterabend, bei dem man mitunter Tränen lachen muss, aber eben auch nicht mehr. Insbesondere Kenner des Films und Freunde absurd-derben Humors à la Monty Python kommen bei dieser Aufführung der e.g.o.n. Theatergruppe auf ihre Kosten, wer dagegen die für Hitchcock typische Spannung erwartet, wird enttäuscht werden.

Weitere Vorstellungen: 10. | 12. April 2019 || Beginn 20 Uhr || Alte Seilerei || Eintritt frei, um Spenden wird gebeten