Wenn die tollen Tanten morden

von Florian Grobbel (5. Mai 2019)

© Werner Lorenz

 

Begegnen einem auf der Straße zwei fröhliche alte Damen, denkt man an Werte wie Gutherzigkeit, Fürsorge und Glückseligkeit. Auch von den netten Tanten Abby und Martha aus dem Stück Arsen und Spitzenhäubchen von Joseph Kesselring würde man auf den ersten Blick nichts Böses erwarten, geschweige denn, dass sie beide kaltblütige Mörderinnen sind. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus. Die Geschichte der Tanten wird jetzt vom Theater im Gärtnerviertel in der Zehnthaus-Scheune der Brauerei Klosterbräu zur Aufführung gebracht.

Es sind schon nicht ganz einfache Verhältnisse im Hause Brewster. Die drei Neffen der älteren Damen scheinen alle nicht ganz richtig im Kopf zu sein. So hält sich der infantile Teddy für den Präsidenten Theodor Roosevelt, der mit seiner Kriegstrompete die ganze Nachbarschaft in Aufruhr versetzt. Der zweite Bruder Jonathan ist irgendwann verschwunden und soll als Mörder sein Unwesen treiben und Mortimer, der Dritte im Bunde, ist doch tatsächlich Theaterkritiker geworden.

Durch eben diesen Neffen wird die Handlung der Komödie in Gang gebracht. Mortimer ist für eine Premiere in der Stadt und besucht deshalb seine lieben Tanten. Nebenbei macht er der Pfarrerstochter Elaine, seiner großen Liebe, noch schnell einen Heiratsantrag. Eigentlich ist für ihn alles in Ordnung, bis zu dem Moment, als er zufällig einen Blick in die Küchenbank wirft und die Leiche eines Mannes findet.

Aufgeregt fragt er seine Tanten, wie der Tote in die Wohnung kommt, worauf Abby und Martha ihm im ruhigen Ton erklären, dass dieser nette Gentleman schon ihr zwölfter Fall sei. Die Schwestern spezialisieren sich auf alleinstehende ältere Herren, die sie von ihrem einsamen Fristen auf der Welt erlösen wollen und sie mit einer Mixtur aus Rotwein und Gift ins Jenseits befördern. Die Leichen werden dann glaubensgemäß im Keller bestattet, mit Hilfe des „Präsidenten“ Teddy, der glaubt den Panamakanal auszuheben. Mortimer ist völlig entsetzt und versucht einen Weg zu finden, um den neuen Toten unbemerkt aus dem Weg zu räumen. Die Lage wird allerdings deutlich komplizierter, als plötzlich der mörderische Bruder Jonathan wieder auftaucht und ebenfalls einen Ort sucht, eine Leiche verschwinden zu lassen.

Alles Spitze

Das Theater im Gärtnerviertel zeichnet sich schon immer durch ungewöhnliche und einfallsreiche Spielorte aus. Doch die Zehnthaus-Scheune der Klosterbräu Brauerei ist garantiert ein absolutes Highlight. Im Inneren dieses urigen düsteren Fachwerkbaus kann man sich – eingekuschelt in eine Decke – vollkommen auf die schwarze Komödie einlassen. Aber auch das Bühnenbild trägt enorm zur Stimmung bei. So ist der gesamte Wohnraum der Familie Brewster mit Spitzendeckchen verhangen und auch bei den Kostümen ist der namensgebende Stoff präsent. Eine genauso gewitzte Idee ist der kleine Trichter, den Martha um den Hals trägt, mit Hilfe dessen die giftige Mixtur angesetzt wird. Die Mordwaffe ist also die ganze Zeit präsent. Durch diese kleinen Kniffe gelingt es dem TiG, den düsteren Humor des Stückes noch besser wirken zu lassen.

Ganz massiv trägt allerdings auch die große Spielfreude der Akteure dazu bei. Karin M. Schneider und Ursula Gumbsch spielen die alten Tanten mit einer so großen Sympathie, dass man ihnen eigentlich jeden Mord verzeihen mag und vermitteln trotzdem auch ein kleines bisschen Horror und Schaurigkeit. Man selbst möchte bei diesen Damen nicht gerne zum Kaffee bleiben.

Für den großartigen Humor des Stückes sorgt besonders Patrick L. Schmitz in der Rolle des Mortimer. Nach dem Entdecken der Leiche in der Küchenbank befindet er sich in einer Dauer-Erregtheit, die er bis zum Ende des Stücks durchhält. Dabei spielt er eine wunderbare Komik, die der Inszenierung eine Touch von Laurel und Hardy verleiht. Aber auch die Düsternis eines Edgar Wallace-Films bekommt man in diesem reichen Stück geboten, was vor allem an dem Spiel von Stephan Bach als Bösewicht Jonathan liegt, der kaltherzig das Leben der Familie Brewster auf den Kopf stellt.

Somit gelingt dem TiG mit Arsen und Spitzenhäubchen ein wunderbares Stück, bei dem der geschickt inszenierte schwarze Humor ganz im Vordergrund steht, aber auch eine gewisse Düsternis ständig präsent ist und somit ein wunderbares Abbild der Unterhaltungskultur der 40er und 50er-Jahre entsteht. Freut euch also auf einen lohnenden Theaterabend, aber lasst die Finger vom Rotwein… nur aus Sicherheitsgründen.

Weitere Vorstellungen: 8. | 9. | 10. | 11. | 12. | 15. | 16. | 17. und 25. Mai 2019 || Zehnthaus-Scheune, Brauerei Klosterbräu, Obere Mühlbrücke 3, Bamberg.