Brüste wie Kleiderhaken und das Gute am Tod
von Theresa Ehrl (18. Mai 2019)

 

 © Konrad Fersterer

 

Geld, Eifersucht, fehlende Wertschätzung und geheuchelter Beistand. Was sich anhört wie eine Ehekrise, ist auch eine. Und die Ehekrise? Die ist ein Einakter von Georges Feydeau, inszeniert von Dieter Dorn in Nürnberg.

Wäre dieses Theaterstück eine Rede, würde sie mit „Wer kennt es nicht…“ anfangen.
„Herzliches Beileid“, eine Komödie, deren Inhalt eine klischeehafte Szene aus einem klischeehaften Eheleben ist, braucht Zuschauer, die sich identifizieren.

Nach zwei Jahren Ehe schläft Yvonne alleine im Ehebett, wird aber von ihrem Mann Lucien, als Sonnenkönig verkleidet, aus dem Schlaf geklingelt. Er kommt von einer Feier. Einem Künstlerball mit teurem Essen, nackten Musen, viel Alkohol und vergessener Zeit. „Wenn die Männer es krachen lassen, gehen bei den Frauen die Uhren falsch“, quittiert seine Frau die Ausreden ihres Mannes. Der Streit eskaliert, Yvonne macht keine Szene, „sie stellt fest“ und auch das Dienstmädchen Annette ist genervt. Aber Courage, es klingelt wieder an der Tür. Ein Unglücksbote, der schlechte Nachrichten aus dem Haus der Mutter bringt.

Ist es morbide, das gerade die Nachricht von ihrem Tod mich zum Lachen bringt?

Humoristische Blitzlichter und Strähnen seichter Unterhaltung

Es wurde gelacht, die Ehefrau angefeuert und sich auf die Schenkel geklopft. Eine Zielgruppe als Publikum. Ein Theaterstück hat nie den Anspruch auf ein Universalpublikum, sonst könnte man nicht in die Tiefe gehen, sondern müsste Akt für Akt an einer Oberfläche kratzen. Ich als 20-jährige Single-Studentin kann wohl kaum Parallelen zu meinem Leben entdecken. Und das ist für komödiantische Veranstaltungen ein ganz schlechter Ausgangspunkt.

Irgendwie habe ich bei der Beschreibung des Stückes eine Metaebene erwartet, die es nicht gab, oder die ich zumindest nicht erkennen konnte.

Ein gutbürgerliches Stück mit Höhen, Tiefen, talentierten Schauspielern und einem durchdachten Bühnenbild. Respekt an die Schauspieler, die von zornig über weinerlich bis hin zu schmererfüllt kommen und das innerhalb weniger Minuten.

Zu vielen Szenen hat mir der Zugang gefehlt, aber ich habe mich unterhalten gefühlt. Das Stück kann mit humoristischen Blitzlichtern aufwarten, aber dazwischen waren Strähnen allenfalls seichter Unterhaltung. Und ich habe mich an Heimatstücke erinnert gefühlt, die meine Mutter Sonntagnachmittags im Fernsehen schaute.

Man wächst da rein

Zuletzt kann ich die Inszenierung von „Herzliches Beileid“ nur loben. Der Stoff war nicht für meine Ohren gedacht, aber, was es zeigen sollte, wurde solide umgesetzt. Auch ich habe mir zwischendurch ein Lachen nicht verkneifen können. Vielleicht wachse ich ja noch hinein in die Feydeaus „Von der Hochzeit bis zur Scheidung“

Weitere Termine im Mai: 10.5./11.5./16.5./18.5./23.5./25.5.