Ein französischer Sommernachtstraum 
Von Anna Brodmann (26. Juni 2019) 

© Werner Lorenz 

Cyrano ist die am häufigsten gespielte französische Komödie aller Zeiten- und wer die aktuelle Inszenierung des Theaters im Gärtnerviertel gesehen hat, der weiß auch warum. 
In knapp zwei Stunden bekommt der Zuschauer ein Feuerwerk der Unterhaltung – von Gesang über beeindruckende Musikinstrumente und schlagfertigem Wortwitz bis hin zu einer absolut traumhaften Location ist alles geboten, was das Theaterliebhaber-Herz begehrt. 

Die Tragikomödie dreht sich um den namensgebenden Cyrano, einen wortgewandten intelligenten Schelm, der sich selbst für zu hässliche hält, um seiner Flamme seine Liebe zu gestehen. Die sich daraus ergebenden Verwicklungen sind sehr witzig, schlagfertig, kreativ und mit so viel Liebe zum Detail inszeniert, dass das Zusehen die reinste Freude ist. Vor allem Cyranos Wortwitz ist brillant in Szene gesetzt, z.B. wenn es heißt: „Er hat Locken wie ein griechischer Gott.“ – „Ja, aber solches Fell wächst auch dem Schafe.“ 

Auch die Gesangsnummern fügen sich nahtlos und natürlich in die Handlung und sind teilweise absurd lustig, wie z.B. ein Schmählied auf die Melodie von Camps Elysees. Dabei sind sie aber stets gesanglich so gut vorgetragen, dass das Premierenpublikum stellenweise mitgesungen hat – etwas das nur sehr wenige Inszenierungen von sich behaupten können. 
Ein wahnsinnig großes Kompliment geht dabei an den Musiker Franz Tröger, der nicht nur zahlreiche Instrumente spielt, sondern unter anderem auch eine alte Badewanne und eine metallene Gießkanne so zum Klingen bringen kann, dass man ihnen tatsächlich gerne zuhört. 

Auch Benjamin Bochmann, Laura Mann und Marin Habermeyer muss für ihre schauspielerische und gesangliche Leistung ein großes Kompliment gemacht werden. Obwohl die Handlung urkomisch ist, wirken die Figuren niemals eindimensional oder lächerlich. Ganz im Gegenteil: Man nimmt ernsthaften Anteil an ihrem Schicksal und fiebert bis ganz zum Schluss mit ihnen mit. 

Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen dieser Hochgenuss-Inszenierung ist die traumhafte Location. In der Gärtnerei Hohe findet man sich zwischen Beeten, Gewächshäusern und Blumen wieder, während nach dem Sonnenuntergang eine laue Sommernacht anbricht. Wer in dieser Umgebung und bei dieser brillanten Aufführung keinen Spaß hat, der ist vermutlich tot. 

Es ließe sich noch sehr viel mehr zum Lobe des Stücks sagen, wie z.B. auf welche unterhaltsame und spielerische Weise die vierte Wand durchbrochen wird, doch ich vermute der Punkt ist einigermaßen deutlich geworden. 
Tatsächlich ist das einzige, das man als Kritik anbringen könnte vermutlich, dass das Stück gefühlt viel zu kurz ist und dass es wirklich traurig macht, wenn man am Ende der Vorhang fällt. Doch da hilft es wohl nur die Inszenierung ein zweites Mal zu sehen. 
Wenn Sie also Lust auf einen wundervollen Sommerabend haben, sehen Sie sich unbedingt Cyrano vom TiG an – es ist das beste Stück, das sie zurzeit in Bamberg finden werden. 

Weitere Termine: 
26.06., 28.06, 4.07, 6.07., 7.07., 17.07., 18.07 und 19.07