Ein himmlisches Vergnügen

Von Anna Brodmann (9. Juli 2019)

© Martin Kaufhold

Am 6.7. feierte Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben bei den Calderón-Spielen des ETA-Hoffmann Theaters seine Premiere und entführte seine Zuschauer in eine absurd komische und urbayrische Welt. Der Brandner Kaspar ist nicht nur ein ausgesprochen witziger Schelm, der seine Umgebung gern auf den Arm nimmt, sondern auch Held der gleichnamigen bayrischen Erzählung. 

Diese beginnt damit, dass der Brandner Kaspar den Tod mit Kirschgeist abfüllt und anschließend beim Kartenspiel über den Tisch zieht, sodass er sich 18 zusätzliche Lebensjahre erschleicht. Die himmlischen und irdischen Verwirrungen, die sich daraus ergeben sind sehr originell, wahnsinnig witzig und auch für Nicht-Bayern absolut sehenswert.

Doch sehenswert ist neben der eigentlichen Handlung in dieser Inszenierung auch noch vieles mehr. Zum Beispiel das vortrefflich gelungene Bühnenbild, dass durch tolle Farben und verschiedenste bewegliche Elemente eine sehr atmosphärische Umgebung erzeugt. Es ist beeindruckend, wie auf so engem Raum so viele getrennte Ebenen dargestellt werde – denn vom Himmel über das Wohnzimmer bis zum Forstrevier geht die Reise der Brandner Kaspars über einige Stationen. Luis Graninger hat mit dieser Kulisse wirklich ganze Arbeit geleistet.
In diesem Zusammenhang müssen aber auch die wundervollen Kostüme erwähnt werden, die sich großartig ins Bühnenbild fügen und genau wie die überzeugenden Wettereffekte viel zur Stimmung der Inszenierung beitragen.

Ein kritischer Punkt für alle Zuschauer aus nördlicheren Gefilden ist sicherlich die Sprache. Der Brandner Kaspar ist im Original im oberbayrischen Dialekt geschrieben, doch die Schauspieler schaffen es, Dialekt und Verständlichkeit zu vereinen, sodass eine wundervolle Balance aus authentischer Atmosphäre und verständlichem Wortwitz entsteht. Auch insgesamt muss den Schauspielern für ihre Leistung ein großes Kompliment gemacht werden. Besonders Katharina Brenner, die den Boanlkramer (den Tod) so extravagant, überzogen, lustig und doch immer noch nachvollziehbar spielt, dass es eine reine Freude ist. Beispielsweise wird die Szene, in der der Tod zum ersten Mal Kirschgeist trinkt, durch die Schauspieler zu wahrem Komödiengold. Doch auch den anderen Figuren wurde sich mit viel Liebe gewidmet. Marei, zum Beispiel, ist in dieser Inszenierung weniger eine Jungfrau in Nöten als eine durchaus patente Frau, die den Herren der Schöpfung auch mal zeigen muss, wie man ein Bierfass richtig ansticht und der Bürgermeister (Daniel Seniukliest) liest in bester Günther-Jauch-Manier von seinen Karteikarten ab.

Besonders in der zweiten Hälfte erwartet den Zuschauer dann ein wahres Feuerwerk der Unterhaltung. Die Szenen im Himmel hätte man sich nicht besser ausdenken können und besonders die vielen regionalen Anspielungen geben dem Stück einen warmen, selbstironischen Unterton, der durchweg Freude macht.
Ein Besuch lohnt sich also für Regionale und Zugezogene gleichermaßen und garantiert 2,5 Stunden beste Unterhaltung.

Weitere Termine: 10.07., 16.07., 17.07., 18.07., 19.07., 20.07., 21.07., 24.07., 25.07. || Alte Hofhaltung Bamberg