Mörderisch komisches Open-Air-Vergnügen

Von Antje Günther (17. Juli 2019)


© e.g.o.n.

 

"Mord finde ich nicht komisch." Man muss kein Pfarrer sein, um dieser Aussage Father Pennefathers zuzustimmen. Wenn er jedoch so präsentiert wird, wie es die Theatergruppe e.g.o.n. am Mittwoch, den 10.07.2019, im Musikpavillon im Hain tat, als sie Agatha Christies Klassiker Tod auf dem Nil auf die Bühne brachten, dann wird ein Mord und dessen Aufklärung zu fabelhafter Unterhaltung. Bei schönstem Wetter und vor einer klug gewählten Kulisse entspann sich eine vor allem komische, aber auch spannende Suche nach der Wahrheit um den Mord an der jungen Kay.

Die Handlung des Stücks ist schnell erzählt: eine Gruppe von Menschen, unter anderem die frisch verheiratete Kay und ihr Ehemann Simon, unternehmen eine Fahrt auf dem Luxusdampfer "Lotus", als zunächst Simon angeschossen und schließlich Kay erschossen aufgefunden wird. Da sie sich auf dem Wasser befinden, muss es einer der Gäste gewesen sein, aber wer?

Die rassistische Tante Helen, die ständig glaubt, dass "die Araber kommen" und deren von Kugeln durchlöchertes Halstuch gefunden wird? Oder doch der aufdringliche Pfarrer, der die reiche Kay noch kurz vor ihrem Tod um Geld gebeten hatte? Alle erscheinen irgendwie verdächtig. Zu verdanken ist dies der langen Einführung, die jede einzelne Figur erhält. So dauert es bis zur Pause der zweistündigen Aufführung, bis der Mord überhaupt erst geschieht. Davor wird lediglich das ganze Figurenensemble vorgestellt, was sich doch etwas zieht.

Nach der Pause geht es dann jedoch rasanter weiter, wenn sich im Laufe der Ermittlungen neue Erkenntnisse ergeben und die Handlung in Fahrt kommt. Übernommen werden die Ermittlungen in diesem Fall von Father Pennefather, der die Fußstapfen von Christies Poirot jedoch nur bedingt füllen kann. Selbst zwielichtig und eher unsympathisch erschien er nicht wirklich geeignet, die Vorfälle aufzuklären und so vermisste man hin und wieder den ganz eigenen Charme, den Poirot versprüht. Aufgefangen wurde dies durch andere Sympathieträger, allen voran Dr. Bessner und William Smith, super gespielt von Henri Ganz und Markus Vogelbacher. Der sehr ‚fürsorgliche‛ Umgang des Arztes mit seinen Patienten und die flotten Sprüche Smiths, der auf Bildung und Kultur mal geflissentlich scheißt und sowieso "keine Prinzipien" hat, sorgten immer wieder für Lacher. Einen Höhepunkt des Stückes bildete dann auch das Streitgespräch zwischen Dr. Bessner, William Smith und dem jungen Simon Mastyn, gespielt von Frederik Fischer, in dem sich Bessner und Smith immer weiter hochschaukeln und Mastyn verwirrt versucht mitzuhalten. Auch Frederik Fischer konnte nicht ganz mit den beiden anderen mithalten, unterlief ihm doch der ein oder andere Texthänger, den er jedoch stets charmant und lustig zu überspielen wusste. Auch sein -vermutlich nicht so geplanter- Aufruf dazu, "jetzt alles unter dem Teppich zu klären" trug eher zur allgemeinen Erheiterung bei als störend zu wirken. Weiterhin zu erwähnen ist Evi Plötz als Miss Foliot-foulkes, besagte rassistische Tante Helen. Sie schaffte es, die Figur nicht zu überspielen und so zu einer Karikatur werden zu lassen. Stattdessen erschien sie schon fast realistisch, wenn auch nicht weniger anstrengend und unsympathisch.

Ganz und gar nicht anstrengend und unsympathisch geriet dafür der Rest des Stücks. Mit gelegentlichen Seitenhieben auf die Kirche oder die Verehrung von "reichen, schönen Mädchen, die noch nie einen Arbeitswisch getan haben", klangen zwar gesellschaftskritische Töne an, standen hinter dem Spaß des Stückes jedoch klar zurück. Auch die Spannung litt unter dem großen Witz und der Spielfreude der e.g.o.n. Truppe etwas, doch der gute Humor machte dies ein ums andere Mal wett. So entstand ein äußerst unterhaltsamer Theaterabend im Hain, der hoffentlich auch nächstes Jahr, dann mit einem neuen Stück, wieder stattfinden wird.