Er hat alles vergessen, was einen Menschen ausmacht

von Paula Heidenfelder (23. November 2019)

© Martin Kaufhold


Die Premiere des Weihnachtsmärchen Die Schneekönigin von Autor Gunnar Kunz nach Hans Christian Andersen erfolgt am 16. November 2019 auf der passend prunkvollen Großen Bühne des ETA Hoffmann Theaters in Bamberg. Vor allem Kinder, Eltern und Großeltern, aber auch vereinzelt andere Altersgruppen, zieht die kurzweilige Inszenierung unter der Regie von Kathleen Draeger-Ostermeier am späten Nachmittag an. In unter einer Stunde werden die wichtigen Themen und Werte von Liebe, Freundschaft und Mitgefühl an das breite Publikum vermittelt.

Was tun, wenn man alles vergisst, was einem einmal wichtig war? Wenn man das Gefühl hat, etwas Wertvolles verloren zu haben und es nicht wiederfindet? Diesem Problem steht der Nachbarsjunge Kay gegenüber. Nachdem er von Splittern eines zerbrochenen Spiegels, welcher Schönes in Hässliches verwandelt, in Auge und Herz getroffen wird, sieht er nur noch das Schlechte in der Welt, empfindet keine Freude und wendet sich von seiner besten Freundin Gerda ab. Er gerät in die Fänge der eisigen Schneekönigin, weshalb er sich nicht an die Freundschaft zu Gerda erinnert. Trotz der Gemeinheiten und des Egoismus Kays durchquert diese die Jahreszeiten und lässt sich durch keine Avancen von ihrer Mission ablenken, ihren besten Freund zurückzuholen.

Die Inszenierung und vor allem die spielerische Leistung von Anne Weise als Gerda zieht das junge Publikum in den Bann und bringt dieses interaktiv in die Geschichte mit ein. Gelächter, Zurufe und Proteste werden von den Zuschauerreihen aus deutlich. Ton und Bühnentechnik unterstützen die fantasievolle Reise durch alle Jahreszeiten und geben der Erzählung eine märchenhafte Stimmung.

Schönes in Hässliches oder doch Hässliches in Schönes verwandeln?

Besonders die Kostüme und das farblich abgestimmte Bühnenbild tragen zu dem Charakter des Märchens bei. Ob pastellfarbene Frühlings- oder schwarz-weiß-illustrierte Winterwelt, Lena Scheerers Arrangement und moderne Interpretation der verschiedenen Welten lässt den Zuschauer an dem Abenteuer rund um die Hauptfigur Gerda teilhaben. Das Spiel mit Kontrasten wird in den Kostümen aufgegriffen. Gerdas optimistische und mitfühlenden Werte und Gesten werden farbenfroh dargestellt, wohingegen die Schneekönigin, Krähenbraut und das Räubermädchen, alle mit starker Mimik von Marie-Paulina Schendel gespielt, mit kalten und dunklen Tönen imponieren. Verschiedenste Stoffe und Schnitte geben jeder Figur eine individuelle Besonderheit.

Mit Cityroller, Kazookommunikation sowie verschiedenen Dialekten und Akzenten wird dynamische Stimmung auf der ganzen Bühne verbreitet. Märchenhafte und poetische Dialoge übermitteln die Werte von Liebe, Freundschaft und dem Zeigen von Mitgefühl.

Kurzweilig, märchenhaft und fantasievoll

Am Ende ihrer Reise findet Gerda Kay wieder und kann ihn durch ihre vergossenen Tränen von der eisigen Kälte in seinem Herzen befreien. Die Wiedervereinigung der Freunde endet mit den poetisch märchenhaften Worten "bis in alle Ewigkeit" und rundet das dänische Weihnachtsmärchen ab. Mit großer Begeisterung und Beifall von Jung und Alt (und kräftigem Fußgetrampel) startet die Inszenierung des ETA Hofmann Theaters in die vorweihnachtliche Zeit. Denn auch wem das Märchen unbekannt ist, wird in dieser kurzweiligen Inszenierung die Welt von Gerda und Kay kennenlernen und deren Verständnis von Liebe und tiefer Freundschaft in sich aufnehmen.

Zur Abrundung des Premierenabends können die Kinder in der winterlich gestalteten TREFFBAR des Theaters verschiedene Stationen bearbeiten und auf eine kleine Überraschung hoffen. Außerdem stehen die fünf SchauspielerInnen in ihren Kostümen für Fotos zur Verfügung.


Weitere Termine: 03.12.-10.12., 14.12.-22.12., 26.12.2019 und 08.01.2020