Auf full-blown Homoerotik

Von Therea Anna-Maria Ehrl (15. Juli 2021)


Darauf haben wir angestoßen, bevor wir zurück auf die Tribüne der Calderón-Festspiele gegangen sind. Traditionellerweise in der Alten Hofhaltung, traditionellerweise mit einem fantastischen Bühnenbild, traditionellerweise mit zwei Pole-Dance-Stangen in einem Shakespeare-Stück, na klar!

Was Ihr Wollt führt das ETA Hoffmann Theater auf und es hatte von Anfang an schlechte Karten. Die Erwartungen an die Calderón-Festspiele sind fast nicht zu erreichen. Es hätte ein bisschen homoerotischer zugehen können in Illyrien bei der „marmorbrüstigen Tyrannin“ Gräfin Olivia und dem ihr so arg verfallenen Fürsten Orsino, der seinen Boten Caesario schickt, um seine Liebe zu gestehen. Noch nicht kompliziert genug für Shakespeare, meint ihr? Richtig, Caesario ist nämlich eigentlich die als Mann verkleidete Viola, die ihrerseits in Orsino verliebt ist. Ein Shakespeare’sches Setting mit Shakespeare’schem von Liebe trunkenen Adel und einem ordnungsliebenden Kammerdiener Malvolio, dem von der Bediensteten Maria und dem Vetter der Gräfin ein übler Streich gespielt wird. Mit dem Narren als Priester führen Sie den Armen nicht in die Arme von Olivia, sondern in ein Verließ und predigen ihm Pythagoras. Während die Adeligen um Liebe buhlen, ist der Narr „lieber ein weiser Tor als ein törichter Weiser“ und zitiert „Sokratoteles“ und für Maria und Sir Toby Rülps ist es ohnehin „zu spät, um ins Bett zu gehen“.

„Freut euch auf Erbauung, wenn der Narr den Verrückten ließt“

Erbaut war ich. Sehr erbaut. Wie könnte man das auch nicht sein bei der Kulisse. Der Dom im Hintergrund, Glühwürmchen, die alte Hofhaltung. Natürlich muss man dort Shakespeare spielen. Der Globe-Vibe des Spielorts, das bis ins letzte Detail durchdachte Bühnenbild und die Kostüme! Danke, Brigitte Schima für Orsinos Ärmel und Olivias Kleid und ja, auch danke für gelbe Strümpfe und kreuzweise gebundene Kniegürtel! Danke an die herausragenden Schauspieler, die absolut jede Inszenierung mit dem nötigen Witz versehen hätten, aber das abrupte Ende hat mich zu früh aus Illyrien herausgerissen und nach Bamberg zurückgebracht. Die Inszenierung hätte gerne zumindest eine Entscheidung für die Zuschauer treffen können, stattdessen sind wir hinterher, wo wir am Anfang waren. Aber da der Anfang die Alte Hofhaltung ist und der Blick auf einen Dom vor dem Abendhimmel, ist das schon okay.