Jung und wütend

 

von Anna-Lena Oldenburg (27. März 2014)
 

Ein herumalberndes Geschwisterpaar, 1938 im elterlichen Haus bei Ulm. Sie, Sophie, zeichnet ihn, Hans, kurz bevor er nach München aufbricht, um sein Medizinstudium zu beginnen. „Etwas Anständiges“ will er lernen, im Gegensatz zu der „unanständigen“ Kunst, die seine Schwester noch betreibt. Es ist jedoch die Kunst, die das gesamte Stück durchzieht, und die mit der Kultur im Allgemeinen den Nährboden für den Widerstandskampf der Weißen Rose bildet. Beflügelt durch ihr Studium der Literatur und ihre Liebe zur Kunst emanzipieren sich zunächst Hans Scholl und sein Kommilitone Alexander Schmorell von der herrschenden Ideologie. Es wächst ihr Wunsch danach frei zu denken und frei zu sein und ihre Abneigung gegenüber einer Führung, die ihre Bürger unterdrückt und für ihre Zwecke in den Krieg schickt.

 Jutta Schubert siedelt ihre Fassung der Geschichte der Weißen Rose im Mikrokosmos der Widerstandsgruppe an, zum Beispiel im Atelier des Münchner Architekten Eickemeyer oder in der Wohnung von Professor Huber, der erst später zu der Gruppe von Studierenden stößt und dessen Zwiespalt zwischen Verantwortung seiner Familie gegenüber und seinem Empfinden dafür was gut und richtig ist, überzeugend dargestellt wird. Auf die direkte Darstellung des Krieges hingegen, oder der Nazischergen, wird komplett verzichtet. Allein die Auswirkung des Zeitgeschehens auf die Psyche der jungen Leute wird sichtbar gemacht, so zum Beispiel der junge Willi Graf, der das Leid, das er in seinem Dienst an der Front gesehen hat, nicht mehr aus seinem Kopf verbannen kann. „Die Weiße Rose – Aus den Archiven des Terrors“will nicht nur eine Geschichte des Widerstandes zu sein, sondern auch eine Geschichte des Erwachsenwerdens und ist gerade deshalb gelungen. Die Protagonisten fürchten sich vor der unsicheren Zukunft, hadern damit in welche Bahnen sie ihr Leben lenken sollen, verlieben und entlieben sich und entwickeln sich dabei weiter, wie Hans Scholl, der die Wandlung vom überzeugten Hitlerjungen zum ambitionierten Widerstandskämpfer vollzog. Die Charaktere sind dabei so lebensnah angelegt, dass sich Zuschauer unwillkürlich mit ihnen identifizieren, um sich dann die Frage zu stellen: Besäße man selber die Fähigkeit bestehendes Unrecht auch in der heutigen Zeit im gleichen Maße zu erkennen und anzuprangern?

 
ETA-Hoffmann-Theater, Bamberg
Uraufführung: 15. März, 20 Uhr, Studio
Vorstellungen: 16., 20.-23., 26., 28.-30. März; 3.,5. April
Nachmittagsvorstellung: 6. April, 15 Uhr
Vorstellungsbeginn: 20 Uhr, mit Einführung jeweils 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn, Treff