Catfight im Barocksaal

 von Katharina Holzhauser (unterstützt von Verena Bauer) (10. April 2014)
 
 

Dunkelheit. Seltsame Gesänge. Stimmen durchschneiden die verstörende Atmosphäre: Die eigenen Glieder schmerzen ihnen unerträglich. Doch ausreißen hilft nichts, nicht einmal den Kopf - Sich selbst kann man nun einmal nicht ausreißen...

So führt das WildWuchsTheater die Zuschauer in die Aufführung von Jenny Erpenbecks Katzen haben sieben Leben ein. Immer wieder bricht Dunkelheit mit irritierend-philosophischen Dialogen über das Publikum herein. Begleitet wird das Ganze von Geräuschen und Klängen, die nicht von dieser Welt zu stammen scheinen und kalte Schauer über den Rücken jagen lassen. Diese psychedelische Finsternis bildet den Rahmen eines Stückes über Dominanz, Demut und das Ringen mit sich selbst.

In den zwölf Hauptszenen zeigen Susanna Bauernfeind und Rebeka Neef Machtgefüge unter Frauen, die von der familiären über die freundschaftliche bis zur geschäftlichen Beziehung reichen. Sei es die Mutter, die unter ihrer uneinsichtigen Tochter leidet, die Freundin, die viel zu nett und nachgiebig ist oder die Auszubildende, die hinter die Kulissen des Verkaufswesens sieht – mit viel Feingefühl bringen die beiden das Innenleben ihrer jeweiligen Figur nach außen. In scheinbar naiven rosa Kleidchen stellen sie mit enormer Wandelbarkeit die Abgründe des menschlichen Sozialverhaltens dar. Seelische Grausamkeit paart sich dabei mit irrwitziger Mimik, die die beiden Schauspielerinnen gekonnt nutzen, um den bitteren Humor der Textvorgabe zu untermalen.

Mit wenigen aber hochwirksamen Requisiten und schlichten Bühnenelementen meistert die Inszenierung den Spagat zwischen künstlerisch abstraktem Theater und realitätsnaher Darstellung mit Bravour.

Die Möglichkeiten im nicht als Theater konzipierten Barocksaal des Palais Schrottenberg, der in Eigeninitiative vom WildWuchsTheater umgestaltet wurde, waren sicherlich begrenzt. Den Szenenumbau nahmen die Schauspielerinnen bei Dämmerlicht selbst vor. Damit schränkt man zwar die eingeschobenen Dunkelheits-Abschnitte, welche die einzelnen Szenen reflektieren und miteinander verbinden, in ihrer Wirkung ein. Die Untermalung dieser Umbaupausen durch einen ‚Gott an der Gitarre‘, muss aber als kreative und sinnvolle Lösung anerkannt werden, die dem Stück so wenig Abbruch tut.

Jenny Erpenbeck, die im letzten Jahr die Poetikprofessur an der Uni Bamberg bekleidete und erst nach ihrer Tätigkeit als Opernregisseurin zur Literatur wechselte, hat das Stück relativ puristisch angelegt. Mit wenigen Regieanweisungen ließ sie damit aber auch Raum für Interpretationen bei der Inszenierung. Dieses Angebot hat das WildWuchsTheater offenbar gerne genutzt. So wurden auch die titelgebenden Katzen – obwohl sie im Originalstück mit keinem Wort erwähnt werden – auf schauspielerischer Ebene hinzugefügt, ohne die Aussage dadurch zu verändern. Diese Ungezwungenheit, mit der das WildWuchsTheater das Stück auf seine eigene Weise umsetzt und interpretiert, ist neben der herausragenden Leistung der beiden Darstellerinnen der eigentliche Verdienst. Insgesamt ist diese Inszenierung absolut empfehlenswert und alles andere als Katzenjammer!

 

 

weitere Termine: 11., 15., 23. April
Beginn 20:00 Uhr, Einlass 19:30 Uhr
Palais Schrottenberg (Kasernstr. 1)