Rock on out

von Katharina Holzhauser (16. Juni 2014)
 

Am 6. Juni 2014 – auf den Tag genau 48 Jahre nachdem Janis Joplin ihren Eltern in einem Brief mitteilte, dass sie vor habe, eine professionelle Sängerin zu werden – startete im E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg das Stück Peace of my heart – Janis Joplin.

Das Publikum war gemischt, wenn auch ein größerer Anteil der ‚Generation Love and Peace‘ zu erkennen war. Und um deren Reaktion gleich vorwegzunehmen: Am Ende gab es von genau diesem Zuschaueranteil stehende Ovationen. Schon diese Tatsache zeigt deutlich, dass das Stück gelungen sein muss, denn wer könnte besser darüber urteilen, als genau die Generation, welche die Hippie-Zeit miterlebt hat?

Gleich zu Anfang wird man mit dem Programmstück Piece of my heart empfangen und befindet sich damit sofort in der Zeit. Dann arbeitet der Autor des Stücks, Rainer Lewandowski, das Leben Janis Joplins ganz chronologisch bis zu ihrem Tod auf. Es beginnt in ihrer Teenager-Zeit, in der die Sängerin als störrische Göre gegen die festgefahrenen Ansichten ihrer Eltern rebelliert und lieber mit Jungs um die Häuser zieht, als sich in die Spitzenkleidchen und Turmfrisuren der 50er Jahre pressen zu lassen. In diesen Szenen brillieren auch Eva Steines und Volker J. Ringe als Joplins Eltern in ihren Rollen und auch die im Hintergrund ständig präsente Live-Band kann mit ihrem Sound der 60er Jahre überzeugen. Weiter geht es durch die Jugendjahre zwischen College, Drogenmissbrauch und Musik, bis Joplin endgültig als weiße Blues-Sängerin etabliert ist, bis sie schließlich mit 27 Jahren an einer Überdosis Heroin stirbt.

Die doppelte Janis

Als Zuschauer ist man zwar zunächst irritiert, zwei verschiedene Joplins vorzufinden, die sich die Schauspielszenen, wie auch die Gesangs-Parts teilen und gleichzeitig auf der Bühne zu sehen sind. Mit der Zeit erweist sich dieses Konzept aber als großer Gewinn, denn Elena Weber und Sybille Kreß ergänzen sich dabei in ihren Eigenheiten zu einem Gesamtbild der Joplin, das sich durchaus als vollständig beschreiben lässt. Kreß stellt dabei bravurös den ruppigen Teil Joplins mit vulgärer Ausdrucksweise und kräftiger Singstimme dar, während Weber mit etwas höherer Stimme zwar den Joplin'schen Ton etwas weniger trifft, aber ihrerseits die verletzliche, selbstzweifelnde und weichere Seite der Blues-Sängerin wunderbar verkörpert. Zudem ermöglicht die ‚doppelte Janis‘ einen flüssigen Übergang zwischen biografischem Theater und musikalischen Einlagen, der ohne diesen Kunstgriff wohl kaum zu erreichen gewesen wäre. Besonders ästhetisch sind auch die immer wiederkehrenden eingefrorenen Szenen im Vordergrund, währen im Hintergrund die andere Janis mit der Band das passende Lied auf einem imaginären Konzert spielt. Der ebenso mehrfache Einsatz aller restlichen Schauspieler in zahlreichen Rollen und die an den Seiten der Bühne eingerichtete Garderobe, an der sich die Darsteller immer wieder mit neuen Kleidungsstücken verändern, lockern das Konzept zusätzlich auf und ermöglichen eine abwechslungsreiche Vorstellung auf der Basis eines kleinen Ensembles.

So bricht dieses Stück auch mit dem klassischen Muster eines Musicals, in dem die Schauspieler ihr Leben dauerhaft besingen, was Janis Joplin sicherlich nicht gerecht geworden wäre. Stattdessen kann man die Laufbahn der Blues-Ikone beobachten und gleichzeitig den ‚Soundtrack of her life‘ genießen. Dabei entwickeln sich die beiden Hauptdarstellerinnen während des Stücks – ganz passend zur chronologischen Entwicklung des Originals – auch stimmlich immer mehr zu echten ‚Rockröhren‘: Wo man sich anfänglich noch fragte, ob die beiden dem unverwechselbaren Ton Joplins gerecht werden können, beeindrucken sie gegen Ende durch ihre immer intensiveren Performances und sängerisches Herzblut. Dadurch entstehen Momente, in denen man denken könnte, das Original stünde auf der Bühne und gäbe seine Glanzstücke zum Besten.

Alles in allem auf jeden Fall eine sehenswerte ‚Femmage‘ an Janis Joplin, die lieber den Blues lebte, als Joghurt zu essen!

 

Weitere Aufführungen folgen noch am 20. - 22., 25. und 26. Juni um 20:00 im Großen Haus des E.T.A.-Hoffmann-Theaters.