Große Gefühle dank kleiner Intrigen

von Wiebke Glaser (11. Juli 2014)
 

© Thomas Bachmann

 Es ist Shakespeare-Jahr: Vor 450 Jahren in Stratford-on-Avon geboren erfreut er sich wie eh und je großer Beliebtheit auf den Brettern dieser Welt. Vor besonderes altehrwürdiger Kulisse – der Alten Hofhaltung mit Blick auf den Dom - wird derzeit auch in Bamberg eine seiner Komödien um Liebe und Intrigen zum Besten gegeben: Viel Lärm um nichts.

Claudio und Benedikt kehren von einem erfolgreichen Feldzug zurück, in dem sie mit Don Pedro gegen dessen Stiefbruder Don Juan gekämpft haben. Leonato, der Gouverneur von Messina, empfängt sie in seinem Haus. Der stattliche Graf Claudio hat nur noch Augen für die schöne Hero, die Tochter des Gouverneurs von Messina, und gewinnt schnell ihr Herz. Nichts stünde einem gemeinsamen Leben mehr im Weg, wäre da nicht der rachsüchtige Don Juan, der einen Angriff auf Heros Ehre plant. Eine weitere Intrige hingegen hat das Schmieden einer Liebe zum Ziel: Die schroffe und alles andere als auf den Mund gefallene Beatrice und der mehr als heiratsunwillige Edelmann Benedikt sollen verkuppelt werden. Bis dahin liefern sich beide jedoch erst mal scharfe Wortgefechte.

Nicht ohne Grund fällt vielen bei Nennung des Stückes geradewegs zwei Namen ein: Benedikt und Beatrice. Es geht heiß her zwischen den beiden, erst durch die Macht der Wörter, schließlich aufgrund der Gefühle füreinander. So verwundert es wenig, dass die Figuren die besten Schauspieler reizen. Auch Patrick L. Schmitz und Verena Ehrmann gehen in ihren Rollen als Liebespaar wider Willen völlig auf. Die Worte fliegen dem Publikum nur so um die Ohren, es ist wie ein Boxkampf, jedoch wird hier nicht mit Fäusten, sondern mit scharfer Zunge und Leidenschaft gekämpft. Jede Runde gibt es einen neuen Punktsieger bis am Ende der Sieger die Liebe ist. Neben der schlagfertigen und klugen Beatrice wird den Zuschauern ein zweiter Typus von Weiblichkeit dargeboten. Hero versteht es ihren Körper für sie sprechen zu lassen – laszive Bewegungen eingeschlossen. Ulrike Schlegel gelingt es  ihrer Figur den Anstrich eines platinblonden Naivchens, so erinnert ihre Optik doch stark an den deutschen Reality-Star Daniela Katzenberger, zu verleihen ohne dabei vergessen auszudrücken wie viel Absicht und Berechnung dahintersteckt.

Auf den ersten Blick mag Viel Lärm um nichts eine leichte Komödie sein, die den Zuschauer mit Maskenbällen und Liebesspielchen amüsiert. Bei genauerer Betrachtung erkennt man jedoch eine von Männern geprägte Welt, in der Macht, Besitz und die eigene Befriedigung Priorität hat. Paradebeispiele dafür sind Don Pedro (Florian Walter), Prinz von Arragon, und der florentinische Graf Claudio (Bernhard Georg Rusch). Wie viel Spaß es machen kann eine Intrige zu spinnen ist dem Spiel der Beiden und Eckhart Neuberg (als Leonato) sichtlich anzumerken. Viel Lärm um nichts ist ein Spiel mit dem Sein und Schein, worauf das Wortspiel im englischen Titel Much Ado About Nothing hinweist – nothing und noting („nichts“ und „wahrnehmen, erkennen“). Eine Anspielung zum einen auf die Intrigen gegen Hero und zum anderen auf die Sitten der höfischen (Selbst-) Inszenierung, denn jeder spielt seine Rolle. Sichtlich wohl hat sich Gerald Leiß in seiner Rolle als dem Bösewicht Don Juan gefühlt. Passend in der Maske des Jokers, sonst Erzfeind der Comicfigur Batman, gibt er ausdrucksstark den Antagonisten Claudios und Heros.

Das Leben als Spiel – auch die Bühnengestaltung greift das Stück durchziehende Thema auf. Einer Jahrmarktbude mit Farben- und Lichtspiel nicht unähnlich lädt sie zu schnellen Wechseln der Ebenen über Leiter oder Rutschstange ein. So entsteht eine eigene Dynamik. Und auch Maske und Kostüme greifen das wilde Treiben auf und zeigen durch Veränderungen die Entwicklung der Figuren auf. Deutlichstes Beispiel ist dabei wohl Benedikt, dessen Liebeswahn durch ein schrilles, rosa Gewand und optischer Ähnlichkeit zu einem exzentrischen Modezar unterstrichen wurde.

Ein besonderes Schmankerl bieten die Pausen zwischen den Szenen. Hier treten auch andere Figuren Shakespeares, wie z. B. Hamlet oder Othello, kurz vor die Augen des Publikums. Aber nicht nur visuell sind andere Stücke Shakespeares präsent, sondern auch hörbar. Über 50 Zitate sind in Viel Lärm um nichts eingearbeitet worden. So folgt das E.T.A.-Hoffmann-Theater zwar (und das glücklicherweise) Claus Peymanns Vorschlag, „den ganzen Shakespeare an einem Abend aufzuführen“ (aus dem Dramolett Thomas Bernhards: Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen) nur in geringem Maßen.

Allen Beteiligten ist der Spaß am Stück anzumerken und so machen sie mit ihrer Inszenierung alles andere als viel Lärm um nichts.

 
Weitere Vorstellungen: 15.-20., 22.-26. Juli um 20:30 Uhr in der Alten Hofhaltung,
Dauer. ca. 110 min ohne Pause