Die Nacht der Lebenden Poetry-Slam-Fans

von Karsten Babucke (4. November 2014)

Kaum war Halloween, die Nacht des Gruselns und der auszutreibenden Geister und Toten, vorbei, schon holte die Veranstaltung „die Nacht der Lebenden, Toten“ so manchen Verstorbenen wieder auf die Bühne. Im E.T.A. Hoffmann Theater gaben sich am 4. November verstorbene und lebendige Poeten ein schaurig gutes Stelldichein.

Der „Dead or Alive Poetry Slam“, wie das Event auch genannt wird, ist das Highlight jedes Poetry-Slam-Fans in Bamberg. Die Organisatoren, die sich „Bamberg ist Slamberg“ nennen, laden zweimal im Jahr vier Größen der Poetry-Slam-Szene nach Bamberg ein, um sie gegen schon verstorbene Poeten antreten zu lassen. Diese werden durch professionelle Schauspieler des Bamberger E.T.A. Hoffmann Theaters verkörpert.

Der akkurate Schiedsrichter Christian Ritter und die eloquente Nora Gomringer führten, unter musikalischer Begleitung des Plattenkünstlers DJ Kermit, durch den Abend. Sie wählten die Jury aus, die an diesem Abend nach erfundenen Stellenausschreibungen ausgewählt wurde. So wurde das Publikum kurzerhand zur kritischen, aber auch großzügigen, Jury ernannt.

Wie jeder Poetry Slam steht auch dieser Wettstreit unter einem eisernen Reglement. Die Poeten sollten in sieben Minuten ihre Darbietung beenden können, möglichst das Singen vermeiden und sie dürfen keine Requisiten benutzen. Denn ohne Regeln kann man sich ja glatt noch den Tod holen. Und so wechseln sich an einem „Dead or Alive Poetry Slam“ die lebenden und die gespielten toten Poeten ab und reimen um die Ehre, Spaß an der Sprache und den Bamberger „Crazy Hoffmann“ Pokal.

 

Der Berliner Malte Rosskopf begann den Slam für die lebende Fraktion. „Icke und die Frauen“ nannte er seine Poesie, in der er Salzstangen essend in einer Bar sitzt, grundsätzlich keine Frau anspricht, von einer lauen Sommernacht träumt und schaukelt bis er wieder zwei ist. Der Wuppertaler Prosaautor Patrick Salmen, gab seine Kurzgeschichte über Diebstahltipps, mit denen man offensichtlich Betrügen und den „Seeku-Reti“, alias Kaufhausdetektiv, austricksen kann. In den Reihen der Lebenden standen noch der Rapper und Slammer Quichotte aus Köln und die fabelhafte Zoe Hagen aus Berlin. Die junge Berlinerin hat sich mit ihrer amüsanten Poesie in die Herzen des Publikums gereimt. Sie erzählte von ihren urkomischen Erfahrungen in einem Bioladen, in dem sie veganes Hundefutter an versnobte Rentnerinnen verkaufte.

Dieser geballten Power der modernen Poesie standen spannende Namen wie Sylvia Plath, Amy Winehouse, Hans Hölzel alias Falco und Erich Kästner in der Gruppe der verschiedenen Poeten entgegen. Besonders begeisterten das junge Publikum die Auftritte der Amy Winehouse und des exzentrischen Falco, der sich zur Gunst des Publikums selbst noch auf dem Boden räkelte. Atemberaubend! Die Schauspieler geben eine tolle Show!

Doch nichts desto trotz ging der Pokal am Ende des Abends doch an die Seite der Lebenden. Die Genialität der Toten wurde dem Publikum noch einmal ins Gedächtnis gerufen, bevor diese wieder die Bühne verließen und in unserer Erinnerung weiterleben.

Es war ein unbeschreiblicher Abend. Man kann dem Motto der Organisatoren Recht geben. Ja, Bamberg ist Slamberg!